Im Velodress zum Gottesdienst

Signau

Man kann seinem Herzen – die Herzroute abstrampelnd – nicht nur physisch positive Impulse geben, sondern auch spirituell. 15 Kirchen am Veloweg laden zum Besuch ein. Am Sonntag wird diesen ein Label überreicht.

Wer über die Herzroute radelt, ist nicht nur in Gasthöfen zum Auftanken willkommen, sondern auch in den Kirchen.<p class='credit'>(Bild: Christof Sonderegger)</p>

Wer über die Herzroute radelt, ist nicht nur in Gasthöfen zum Auftanken willkommen, sondern auch in den Kirchen.

(Bild: Christof Sonderegger)

«Ja, unbedingt!», sagt Ralph Marthaler. Er sagt es auf die Frage, ob man denn möchte, dass Leute in verschwitzten Velodressen an Gottesdiensten teilnehmen würden. Genau das sei die Idee hinter dem Label Velowegkirche, das übermorgen Sonntag in Signau an 15 Kirchen «im Herzroutenland» übergeben wird.

«Die Leute sollen keine Angst haben, zu stören, wenn sie in ihren leuchtenden Kleidern in die Kirche kommen», betont Marthaler, Beauftragter für regionale Entwicklung der reformierten Kirchen Bern – Jura – Solothurn. Vielmehr lüden die als Velowegkirchen bezeichneten Gotteshäuser ein: «Nehmt euch eine Auszeit, so wie ihr seid.»

Wasser, WC, Pumpe

Im September 2014 lancierte die Kantonalkirche die Idee, Velofahrer entlang der Herzroute speziell anzusprechen. Voraussetzung für den Erhalt des Labels als Velowegkirche ist etwa, dass auf der Route ein Schild auf die Kirche hinweist. Und diese müsse im Frühling, Sommer und Herbst «tagsüber verlässlich geöffnet» sein, zählt Marthaler eine weitere Bedingung auf. Wünschenswert seien zudem Aufmerksamkeiten, die den Velofahrenden besonders ansprechen würden.

Zum Beispiel ein Platz, auf dem er sich ausruhen und picknicken, Wasser auffüllen oder ein WC benutzen könne. Weiter können sich die Kirchen Velofahrenden gegenüber als besonders gastfreundlich erweisen, wenn sie Pumpen bereitstellen – oder ein Gästebuch, in dem sich Gleichgesinnte eintragen können. Noch ist es nicht so, dass die Kirchen am Sonntagmorgen mit Gottesdienstbesuchern in Radlerhosen gefüllt würden.

Aber Rückmeldungen aus einzelnen Kirchgemeinden hätten gezeigt, dass Velofahrer, die auf der Herzroute unterwegs seien, gerne – auch unter der Woche – in einer Kirche haltmachen würden. «Die Herzroute ist halt ein spezieller Veloweg, auf dem die Leute mehr Zeit mitbringen», sagt Ralph Marthaler. «Diese Besuche wollen wir fördern», fasst er die Absicht der Kantonalkirche zusammen.

Velotour vor dem Festakt

15 Kirchgemeinden haben sich seit letztem Herbst bereits um Velogäste bemüht. Sie erhalten nun am Sonntag an einem Festakt in der Kirche Signau ihr Label. Und vielleicht werden nicht alle Predigtbesucher festlich gekleidet erscheinen. Denn die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchgemeinde Walkringen hätten sich vorgenommen, per Velo nach Signau zu gelangen, verrät Marthaler.

Als Velowegkirche ausgezeichnet werden folgende reformierten Kirchgemeinden:Buchen, Buchholterberg, Burgdorf, Hasle bei Burgdorf, Köniz/Niederscherli, Langnau, Laupen, Signau, Steffisburg (Kirche Sonnenfeld und Dorfkirche), Goldiwil-Schwendibach, Walkringen und das Würzbrunnen-Kirchlein in der Gemeinde Röthenbach. Von ausserhalb des Kantons Bern sind es zudem Willisau (LU) und Cordast (FR). Und auch die katholische Kirche in Langnau gehört dazu.

Berner Zeitung

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