Im Einsatz für die Biberfamilie

Burgdorf

Eine ganze Biberfamilie hat es sich im Schachenwald gemütlich gemacht – leider an der falschen Stelle. Hans-Jörg Riesen, Leiter des Tiefbauamts, erklärt, was getan wird, damit die Situation entschärft wird.

Hans-Jörg Riesen,?Leiter Tiefbau der Baudirektion, ist vom Schaffen der Biber zwar fasziniert, er möchte die fleissigen Nager aber zum Umziehen bewegen.

Hans-Jörg Riesen,?Leiter Tiefbau der Baudirektion, ist vom Schaffen der Biber zwar fasziniert, er möchte die fleissigen Nager aber zum Umziehen bewegen.

(Bild: Thomas Peter)

Sheila Matti

Eigentlich hat sich der Biber in Oberburgschachen einen idealen Ort zum Wohnen ausgesucht: Der von ihm besetzte Bachlauf ist ruhig, und rundum wächst genügend Holz zum Bauen und zum Fressen – und falls der Hunger einmal besonders gross ist, gibt es in unmittelbarer Nähe sogar ein Maisfeld.

Auch dass der Biber den Wasserstand in den beiden Nebenflüssen der Emme, der Biembachentlastung und dem Grundbach, in die Höhe treibt, kommt der Auenlandschaft entgegen. Deren Fauna und Flora ist nämlich auf einen wechselhaften Wasserspiegel angewiesen.

Ein Problem bleibt jedoch: Durch den Biberdamm wird das Wasser, welches unter der BLS-Brücke durchfliesst, so stark gestaut, dass die Hochwasserentlastung des Biembachs nicht mehr gewährleistet ist. «Es ist für uns eminent wichtig, dass diese Entlastung funktioniert», erklärt Hans-Jörg Riesen, Leiter Tiefbau der Baudirektion Burgdorf, «deshalb müssen wir jetzt eine Lösung finden, mit der sowohl der Hochwasserschutz gewährleistet ist als auch der Biber nicht zu Schaden kommt.»

Die richtige Wasserhöhe

Einen Kompromiss zwischen den Freiräumen des Bibers und der Sicherstellung der Hochwasserentlastung zu finden, gestaltet sich hingegen nicht gerade einfach. Aktuell kümmern sich Riesen und seine Mitarbeiter um die Biberfamilie: Alle zwei bis drei Tage schauen sie im Schachenwald nach dem Rechten und machen sich vor allem daran, den Damm des Bibers zurechtzustutzen. Meistens kann dies von Hand erledigt werden: Erst einmal, Mitte November, musste eine Maschine zu Hilfe gezogen werden, weil das Bauwerk des Nagetiers zu hoch und zu dicht war (wir berichteten).

«Wir versuchen einen Wasserspiegel aufrecht zu halten, bei dem die Hochwasserentlastung gewährleistet ist und der Eingang des Biberbaus trotzdem noch unter Wasser liegt», erklärt Riesen und betont, dass gerade der letzte Punkt besonders wichtig sei. Wenn der Baueingang nämlich im Trockenen liegt, entsteht ein Durchzug, und die im Bau schlafenden Tiere könnten erfrieren.

Eine längerfristige Lösung ist das tägliche Zurückbauen des Damms jedoch nicht. Die Unterhaltsarbeiten seien nicht nur für den Werkbetrieb der Baudirektion aufwendig und zeitintensiv, auch die BLS müsse regelmässig kontrollieren, ob ein Baum drohe auf die parallel zum Wald verlaufenden Leitungen zu fallen. Damit der Biber und alle beteiligten Parteien zufriedengestellt werden, braucht es also eine längerfristige Lösung.

Abschuss ist keine Option

Im Februar werden sich Vertreter der städtischen Baudirektion, des Kantons, der Landeigentümer – also der Burgergemeinde – und der nationalen Biberfachstelle zusammen an einen Tisch setzen und über die Zukunft der Nagetierfamilie diskutieren. Christof Angst von der Biberfachstelle steht bereits jetzt mit Riesens Team in engem Kontakt: Im Schachenwald werden keine Arbeiten durchgeführt, ohne dass sie vorher von einer Fachperson abgesegnet wurden. In einem Punkt kann Hans-Jörg Riesen Entwarnung geben: «Den Biber abzuschiessen, ist sicher keine Option. Einerseits ist das Tier geschützt, und andererseits wohnt es in einem Naturschutzgebiet von kantonalem und nationalem Interesse.»

Zum Umsiedeln verlocken

Ideal wäre es, wenn die Biberfamilie von alleine ein paar hundert Meter weiter den Grundbach nach oben ziehen würde. Dort könnte sie nämlich beinahe ungestört walten. Weil Biber jedoch besonders sture Tiere sind – was schon daran deutlich wird, dass sie jede Nacht aufs Neue ihren Damm reparieren –, ist es denkbar schwer, sie zum Umziehen zu bewegen. «Wir müssen versuchen, sie mit frischen Weidenzweigen zu locken, oder ihnen einen geeigneten Platz zum Stauen vorbereiten», erklärt Riesen.

Eine Methode zur Kontrolle der Dammhöhe, über deren Einsatz in Oberburgschachen momentan nachgedacht wird, ist die Installation eines Elektrozauns oberhalb der bestehenden Dammkrone. «Der abgegebene Elektroschock ist so schwach, dass er für den Biber vollkommen ungefährlich ist», beruhigt Riesen und versichert, dass die Methode lediglich zur Kontrolle der Dammhöhe diene. Bevor diese Massnahme in die Tat umgesetzt werde, müsse ausserdem eine Schadenanalyse und eine Güterabwägung durch die zuständigen kantonalen Fachpersonen, also den Wildhüter und die Jagdverwaltung, erfolgen. Diese Art der Kontrolle wurde bereits am einen oder anderen Ort in der Schweiz angewendet.

Die Zukunft der Biberfamilie in Oberburgschachen ist bisher noch ungewiss. In einem Punkt jedoch ist sich Riesen sicher: Der Biber bereitet mehr Freude als Probleme. Das merke er schon innerhalb seines Teams: «Meine Mitarbeiter interessieren sich sehr für den Biber und finden es immer wieder spannend, wie fleissig dieser in wenigen Tagen sein kann. Es gibt für uns weitaus schlimmere Arbeiten als das Abbauen des Damms.»

Berner Zeitung

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