Ilfishalle: EV-Zug-Fan freigesprochen

Langnau

Beging ein EV-Zug-Fan beim Match gegen die SCL Tigers Hausfriedensbruch? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Regionalgericht.

Auch rund um die Ilfishalle gilt das Stadionverbot. Doch ist das zugehörige Grundstück nicht klar genug gekennzeichnet.

Auch rund um die Ilfishalle gilt das Stadionverbot. Doch ist das zugehörige Grundstück nicht klar genug gekennzeichnet.

(Bild: Andreas Blatter)

Regina Schneeberger

Eigentlich wollte sich der junge Mann nur eine Portion Pommes frites kaufen. Doch hätte er geahnt, dass der Gang zur Imbissbude in der Nähe der Langnauer Ilfishalle mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs enden würde, hätte er wohl auf den Snack verzichtet.

Um die Straf­anzeige nachzuvollziehen, ist die Vorgeschichte des EV-Zug-Fans aber nicht ganz unwesentlich. In der Eishockey-Fanszene ist er nämlich kein unbeschriebenes Blatt. Im Jahr 2015 wurde ihm ein dreijähriges Stadionverbot auferlegt. Damals reiste er mit Kollegen mit dem Auto zu einem Spiel gegen den HC Davos. Die Fans ­gerieten in eine Polizeikontrolle. Prompt fanden die Ordnungs­hüter Pyros im Auto.

Zwei Jahre später dann gerieten er und seine Kollegen erneut in eine Kontrolle. Diesmal bei einem Heimspiel in Zug. Zwar hielten sie sich nur in der Nähe des Stadions und nicht auf dem für sie verbotenen Areal auf. Doch nahmen die Polizisten an, dass die Männer gewaltbereit sein könnten.

Das Stadionverbot wurde um drei weitere Jahre verlängert. Mit seinen Freunden im Dezember 2017 am Matchtag nach Langnau zu reisen, liess er sich trotzdem nicht nehmen. Betritt er nicht die Eishalle sowie das zugehörige Grundstück, sind solche Ausflüge eigentlich gar kein Problem. Tut er es doch, macht er sich des Hausfriedensbruchs schuldig.

Strafbefehl nicht akzeptiert

Ob er den zur Ilfishalle gehörenden Privatgrund betreten hatte, war denn auch die Frage, die sich vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau stellte. Zur Verhandlung kam es, weil der Beschuldigte den Strafbefehl wegen Hausfriedensbruchs und die einhergehende Verbindungsbusse von 300 Franken nicht akzeptierte.

«Mir war zu keiner Zeit ­bewusst, dass ich mich auf dem Areal des Stadions befand», beteuerte er seine Unschuld. Am Anfang des Ausflugs kam er auch gar nicht in dessen Nähe. Am Bahnhof Langnau trennten sich nämlich die Wege der Zuger Fans. Jene mit Stadionverbot, unter ­ihnen der Beschuldigte, marschierten Richtung Dorfzentrum, schlugen sich die Zeit in einer Bar um die Ohren, derweil ihre Kol­legen in der Ilfishalle ihren Verein anfeuerten.

Nach dem Spiel dann warteten die «Stadionverbötler», wie sie der Beschuldigte bezeichnete, beim Bahnhof auf die anderen. Und dann die verhängnisvollen Pommes frites.

Der 21-Jährige überquerte die Brücke, die über die Geleise und die Güterstrasse führt, und ging zur Imbissbude. Auch das wäre eigentlich kein Problem gewesen. Die Bude befindet sich nämlich noch gar nicht auf dem Grundstück der Eishalle.

Aufnahmen einer Überwachungskamera liessen allerdings an der Aussage des Hockeyfans zweifeln. Gemäss Polizeibericht handelte es sich um eine Kamera, die das Areal vor der Ilfishalle überwacht. Der junge Mann erkannte sich auch auf den Auf­nahmen, zumindest auf zweien von dreien.

Doch am Standort der Kamera zweifelte er. «Ich kann mich nicht erinnern, dass ich so nahe zum Stadion gegangen bin, und so betrunken war ich nicht.» Zudem habe er nirgends eine Markierung gesehen, die das ­Privatgrundstück begrenzt hätte. «Bei anderen Stadien ist das jeweils klar gekennzeichnet», betonte er.

«Ich kann mich nicht erinnern, dass ich so nahe zum Stadion gegangen bin, und so betrunken war ich nicht.»Der Beschuldigte

Der Freispruch

Diesen Punkt hielt ihm denn auch Richterin Muriel Mallepell zugute. Die Abgrenzung eines Privatgrundstücks müsse klar erkennbar sein, damit sich jemand des Hausfriedensbruchs ausserhalb des Gebäudes schuldig mache. Zudem sei kein Eventualvorsatz gegeben.

«Ich kann nicht nachweisen, dass Sie wussten, dass Sie sich auf dem Grundstück befanden.» Ebenso liessen die Kameraaufnahmen die Richterin an der Schuld des Mannes zweifeln. «Auf den Aufnahmen ist nicht klar erkennbar, wo sie sich befanden.» Zudem sei das Video verwackelt, was nicht für eine fest installierte Kamera spreche, wie es in den Akten stehe.

So folgte das Urteil dem Grundsatz «im Zweifelsfall für den Angeklagten». Der junge Mann wurde freigesprochen. «Aber überlegen Sie sich in Zukunft gut, wo sie sich bei einem Match aufhalten», gab ihm die Richterin mit auf den Weg.

Langenthaler Tagblatt

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