«Ich mache keine Aussagen dazu»

In einem Dorf im Emmental betrieb ein 33-jähriger Schweizer einen illegalen Gemischtwarenladen. Davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Der Angeklagte trägt nichts zur Wahrheitsfindung bei. 

Bei einer Razzia in der Wohnung des Angeklagten entdeckten die Fahnder über 300 Gramm Amphetamingemisch, Ecstasy in Form von 854 Tabletten und 48 Gramm Pulver sowie 200 Gramm Marihuana.

Bei einer Razzia in der Wohnung des Angeklagten entdeckten die Fahnder über 300 Gramm Amphetamingemisch, Ecstasy in Form von 854 Tabletten und 48 Gramm Pulver sowie 200 Gramm Marihuana.

(Bild: iStock/Symbolbild)

Johannes Hofstetter

Was auch immer ihnen vorgeworfen wird – etwas ist praktisch allen Angeklagten eigen: Mit allerlei Tricks versuchen sie, vor Gericht in letzter Minute Punkte zu schinden. Einige stürzen sich in einen geliehenen Anzug, andere begrüssen die Verfahrensbeteiligten per Handschlag. Manche betonen im Minutentakt, dass sie jetzt reinen Tisch machen wollten, und wieder andere drücken heftiger auf die Tränendrüsen als Rosamunde Pilcher selig beim Schreiben ihrer Romane.

Der Mann, der sich seit Dienstag vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau verantworten muss, hat jedoch erkennbar nicht im Sinn, Sympathiepunkte zu schinden. Die Hände in den Taschen seiner Kapuzenjacke vergraben, hängt der 33-jährige Schweizer in alten Jeans und mit strähnigen Haaren in seinem Stuhl.

Die Fragen von Gerichtspräsidentin Nicole Fankhauser beantwortet er mantramässig mit «Ich mache keine Aussagen dazu». Was die Kantonspolizei über ihn im Leumundsbericht notiert habe, stimme nicht, gibt er zu verstehen. Was daran denn falsch sei, will die Vorsitzende wissen. «Das sage ich nicht», erwidert der Mann.

Tabletten und Pulver

Die Staatsanwaltschaft wirft dem arbeitslosen Handwerker mehrfache Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz vor. Bei einer Razzia in seiner Wohnung entdeckten die Fahnder Anfang Mai 2017 über 300 Gramm Amphetamingemisch, Ecstasy in Form von 854 Tabletten und 48 Gramm Pulver sowie 200 Gramm Marihuana. Alles in allem habe der Angeklagte zwischen 1200 und 2400 Gramm Amphetamingemisch erstanden und zu Hause gelagert. 850 bis 2250 Gramm des Stoffes habe er an knapp ein Dutzend Kunden verkauft.

Ein damaliger Mitbewohner des Angeklagten bestätigte vor Gericht, was er unmittelbar nach der Razzia schon gegenüber dem Staatsanwalt gesagt hatte: dass der Beschuldigte nicht nur ihm, sondern auch anderen Personen Drogen verkauft habe. Zumindest darauf reagierte der Angeklagte: In der Verhandlungspause beschwerte er sich bei einem Ex-Kollegen, der vor dem Gerichtsgebäude auf seinen Auftritt als Auskunftsperson wartete, das sei jetzt «e huere Frechheit» gewesen.

 Glegenheitskiffer

Als ob sie das weitere Vorgehen soeben miteinander abgesprochen hätten, verweigerte der Pausengesprächspartner Minuten später jegliche Angaben zur Sache. «Ich halte das nicht für nötig», liess er das Gericht wissen. Unter Druck gesetzt werde er von niemandem, fügte der bekennende Gelegenheitskiffer an. Und nein: Er befürchte auch keine strafrechtlichen Konsequenzen für sich selber. Er sei einfach der Meinung, er habe im Verlauf des Verfahrens schon alles gesagt, was es zu sagen gebe.

Noch nicht alles gesagt hat in diesem Verfahren das Regionalgericht. Am Donnerstag eröffnet Nicole Fankhauser das Urteil.

Berner Zeitung

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