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«Ich bin froh, dass es vorbei ist»

Wegen mehrfachen Pfändungsbetrugs verurteilte das Regionalgericht in Burgdorf einen jungen Mann zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse. Inzwischen ist er offenbar daran, seinen Schuldenberg abzutragen.

Am Mittwoch musste sich ein Burgdorfer wegen mehrfachen Pfändungsbetrugs vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau verantworten.
Am Mittwoch musste sich ein Burgdorfer wegen mehrfachen Pfändungsbetrugs vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau verantworten.
Keystone

Im Leben des Burgdorfers lief lange Zeit alles rund. Doch nach einem Unfall konnte er vorübergehend nicht mehr arbeiten. In seinen Briefkasten flatterten immer mehr Rechnungen, Mahnungen und Betreibungen. Seine Gläubiger versuchten, die total 90'000 Franken, mit denen der Mann bei ihnen in der Kreide stand, mithilfe des Betreibungsamtes zurückzuholen.

Doch gegenüber den Weibeln behauptete der junge Schweizer jeweils, bei ihm sei kein Rappen zu holen. Die Einkommen aus seinen Temporärjobs verschwieg er ihnen während sechs Jahren ebenso wie die 50'000 Franken, die er von Versicherungen bezogen hatte.

Am Mittwoch nun musste sich der Mann wegen mehrfachen Pfändungsbetrugs vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau verantworten.

Ohne Anwalt

«Ich war richtig froh, als alles auskam», gab der Angeklagte Einzelrichter Roland Richner zu verstehen. «Ich wusste: Ab sofort muss ich mich vor niemandem mehr verstecken.» Inzwischen habe er sein Leben wieder im Griff, versicherte der geständige Beschuldigte. Er arbeite Vollzeit und könne dank Lohnpfändungen jeden Monat einen Teil des über 200'000 Franken hohen Schuldenbergs abtragen, der sich vor ihm auftürme.

Was er getan habe, tue ihm leid, sagte der Mann, der ohne Verteidiger vor Gericht erschienen war. «Ein Anwalt hätte mich mehrere Hundert Franken pro Stunde gekostet. Dieses Geld investiere ich lieber in die Schuldentilgung», erklärte er in der Verhandlungspause. Abgesehen davon sei er nicht daran interessiert, das Verfahren mit juristischen Spitzfindigkeiten in die Länge zu ziehen: «Für mich ist das Wichtigste, dass ich darunter so schnell wie möglich einen Strich ziehen kann.»

Mit Reue

Eine halbe Stunde nach dem «letzten Wort» des Angeklagten verurteilte Roland Richner den Mann zu einer bedingten Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 50 Franken. Weiter auferlegte er ihm eine Busse von 2400 Franken. Die Geldstrafe sei zum Teil als Zusatzstrafe zu einem zwei Jahre alten Strafbefehl der Staatsanwaltschaft zu verstehen, erklärte Richner. Damals wurde der Mann wegen zweier Verkehrsdelikte auf Bewährung sanktioniert.

In seiner kurzen Urteilsbegründung sagte der Richter, dass es sich bei Pfändungsbetrug nicht um ein Gentlemandelikt handle. Der Gesetzgeber sehe dafür Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren vor. Ein solch drastisches Verdikt sei in diesem Fall aber nie zur Debatte gestanden: «Sie haben von Anfang an zugegeben, was Sie gemacht haben. Ihre Reue wirkt echt. Und ich glaube Ihnen gerne, dass Sie erleichtert waren, als Ihre Betrügereien ans Licht kamen.» Die Wahrscheinlichkeit, dass der Angeklagte jemals wieder in ein solches Fahrwasser gerate, sei seiner Ansicht nach «sehr klein», so der Richter.

Für die Zukunft wünsche er ihm «alles Gute», sagte Richner zu dem Betrüger noch. Dieser verabschiedete sich freundlich von den Verfahrensbeteiligten. Beim Verlassen des Gerichtssaals wirkte er wie jemand, dem der Arzt gerade gesagt hat, das Geschwür im Bauch sei endgültig verschwunden.

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