Hodlers Gemälde sind in Sicherheit

In den Schulhäusern Trubschachen herrscht Ausnahmezustand: videoüberwachte Zimmer und Eintrittskontrolle. Denn der Sicherheitsbeauftragte Max Thuner kennt den Wert der dort ausgestellten Werke.

Sicherheitschef und «Mädchen für alles»: Max Thuner schaut an der Kunstausstellung nach dem Rechten.

Sicherheitschef und «Mädchen für alles»: Max Thuner schaut an der Kunstausstellung nach dem Rechten.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

«Bisher ist nichts passiert», sagt Max Thuner. Er ist an der Kunstausstellung in Trubschachen zum ersten Mal für das Ressort Sicherheit verantwortlich. An der zwanzigsten Ausgabe sind in den beiden Schulhäusern wertvolle Kunstwerke von Hodler, Giacometti und Co. ausgestellt.

«Die Versicherungssumme liegt in unbekannter Höhe», sagt das Vorstandsmitglied des Organisationskomitees. Damit es aber gar nicht zu einem Versicherungsfall kommt, wurden verschiedene Sicherheitsmassnahmen getroffen: Die Ausstellungsräume seien videoüberwacht, und das Geschehen werde aufgezeichnet. «Je nach Tageszeit sind zudem drei bis neun unserer Aufsichtspersonen in den beiden Schulhäusern unterwegs», sagt Max Thuner.

Hinzu komme jeweils noch ein Mitglied des Kernteams, das die insgesamt über zweihundert freiwilligen Helfer des Ressorts Sicherheit bei Schichtwechsel nochmals über ihre Aufgaben informiert: «Sie müssen unter anderem darauf achten, dass niemand die weissen Linien vor den Bildern überschreitet oder Kunstwerke anfasst.»

Mit Absicht habe dies noch kein Besucher getan, oft würden sie die Linien aber schlicht vergessen und müssten darauf hingewiesen werden. Aber auch bei Notfallszenarien wie bei einem Brand müssten die Aufsichts­personen eingreifen.

Über 1300 Einsätze

Max Thuner selbst ist täglich mehrere Stunden vor Ort. «Das Kernteam und ich sind auch Mädchen für alles», erklärt er. So kann es vorkommen, dass sich der Sicherheitsbeauftragte um Handtüchernachschub in der Toilette kümmert.

«Wir mussten schon einer Frau den Eintritt verweigern, weil ein kleines Hundeköpfchen aus dem Rucksack schaute.»Max Thuner

Doch Thuner hatten die Vorbereitungen mehr Energie gekostet. «Ich war froh, als es dann endlich losging», sagt er. Denn insgesamt habe er seit März 2017 1300 Einsätze geplant. Nur die Nachtschichten musste er nicht selbst einteilen. «Während der Nacht sind Profis am Werk», erklärt er. Mehr darf er zu deren Einsatz nicht verraten.

Sicherheit ohne Ausnahme

Am Eingang der Schulhäuser müssen die Besucher grössere Taschen, Rucksäcke und Mappen abgeben. Die Gegenstände werden mit einer Nummer versehen und in der beaufsichtigten Garderobe aufbewahrt. Insbesondere im Schulzimmer, in dem Bilder von Ferdinand Hodler ausgestellt sind, gilt höchste Sicherheits­stufe.

Spätestens hier ist es auch der Presse nicht mehr erlaubt, die zu grosse Handtasche bei sich zu tragen. Der Sicherheitsbeauftragte schreitet gleich selbst zur Tat und klemmt sich die Tasche kurzerhand unter den Arm.

Auch bei Personen mit höherem ge­sellschaftlichem Rang schreite er ein. «Es gibt keine Ausnahmen», betont Max Thuner. Die Organisatoren erhalten von den Kunstleihgebern Auflagen in Sachen ­Sicherheit. «Wenn wir diese nicht einhalten würden, könnten die Kunstwerke nicht mehr bei uns ausgestellt werden», erklärt er. Mit den getroffenen Massnahmen wolle man nicht nur Diebstähle, sondern auch Sachbeschädigungen verhindern.

Hundeflitzer

Nebst den Taschen müssen auch Mäntel und Regenschirme im Auto oder an der Garderobe gelassen werden. Zudem gilt ein striktes Hundeverbot. «Wir mussten schon einer Frau den Eintritt verweigern, weil ein kleines Hundeköpfchen aus dem Rucksack schaute», erzählt Thuner.

 «Mir ist nicht bekannt, dass seit der ersten Ausgabe schon einmal etwas gestohlen oder beschädigt wurde.»Max Thuner

Seit er zuständig sei, hätten es nur zwei Hunde an der Eintrittskontrolle vorbeigeschafft. «Das Frauchen besuchte die Ausstellung, während das Herrchen mit dem Hund an der Ilfis Gassi ging.» Doch als der Hund dort von der Leine gelassen wurde, habe er mit gestrecktem Rücken die Verfolgung seines Frauchens aufgenommen und erst im Schulhaus gestoppt werden können. Der zweite Hund sei als Blindenhund mitgeführt worden. «Leider stellte sich später heraus, dass keiner der beiden Besitzer blind war», sagt Thuner.

Kritische Vorfälle

Das Sicherheitskonzept der Kunstausstellung funktioniert, obwohl mehrheitlich Laien als Aufsichtspersonen fungieren. «Mir ist nicht bekannt, dass seit der ersten Ausgabe schon einmal etwas gestohlen oder beschädigt wurde», sagt Max Thuner. Als plötzlich ein lautes Alarmsignal erklingt, fragt sich der Besucher, ob dies heuer das erste Mal eintritt.

Doch Thuner ist sofort zur Stelle und weist eine Person zurecht, die eine Nebentür als Ausgang benutzen wollte. «Es tut mir leid, aber das dürfen Sie nicht», sagt er bestimmt und lässt keine Diskussionen zu.

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