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Hauptsache, nicht Solothurn

Emmentaler, Mittelländer – oder gar Solothurner? Als was fühlen sich die Einwohner der 330-Seelen-Gemeinde Zielebach? Klar ist: Das Dorf am westlichen Rand des Verwaltungskreises ist in vielerlei Hinsicht ein Grenzort.

«Unser Dorf ist ein Berner Dorf, auch wenn es einige Verbindungen zum nahen Kanton Solothurn gibt.» Davon sind Gemeinderatspräsident Hans Ulrich Käser (links) und der waschechte Zielebacher Robert Weibel überzeugt.
«Unser Dorf ist ein Berner Dorf, auch wenn es einige Verbindungen zum nahen Kanton Solothurn gibt.» Davon sind Gemeinderatspräsident Hans Ulrich Käser (links) und der waschechte Zielebacher Robert Weibel überzeugt.
Thomas Peter

«Sind Sie ein Emmentaler?» ­Diese Frage kann Robert Weibel nicht auf Anhieb beantworten. Der 68-jährige Rentner ist ein waschechter Zielebacher, hat immer im Dorf gelebt, wie bereits seine Eltern. «Ich fühle mich nicht als Ur-Emmentaler», sagt Weibel, der sich früher in verschiedenen Bereichen im Dorf engagiert hat. Zum Beispiel in der Schulkommission. «Wir sind immer etwas zwischendrin.»

Früher habe das Dorf zum Amt Fraubrunnen gehört. Es bestehe auch ein Bezug zum Oberaargau. Und was das tägliche Leben wie das Einkaufen betreffe, seien die Zielebacher eher Richtung Solothurn orientiert als Richtung Burgdorf und Bern.

Weibel erinnert sich, dass die Zielebacher aus Sicht der Utzenstorfer «Hinterwäldler» genannt worden seien, weil sie hinter dem Wald zu Hause seien. Damit kann er leben. Doch Solothurner? Nein – das dann doch nicht. «Wir wollten und wollen Berner sein. Wir haben uns immer zum Kanton Bern bekannt», sagt er bestimmt.

«Wir sind SCB-Fans»

Gemeinderatspräsident Hans ­Ulrich Käser ist im Gegensatz zu Weibel ein Zugezogener. 1996 kam er mit seiner Familie von Kirchberg ins beschauliche Dorf mit etwa 330 Einwohnern. Auch Käser fühlt sich nicht als Emmentaler durch und durch, was er an einem sportlichen Beispiel verdeutlicht: «Ich habe meinen Buben jeweils gesagt: Wir sind keine Emmentaler, wir sind SCB-Fans», sagt er und lacht.

Und trotzdem gehört Zielebach seit der Verwaltungskreisreform 2010 zum Emmental. Grosse Diskussionen habe es damals nicht gegeben, wo Zielebach künftig dazugehören solle, sagt Käser rückblickend. Es hat sich aufgrund der geografischen Lage so ergeben. Doch manchmal wundert sich der 67-Jährige schon ein wenig über die Zugehörigkeit: «Beim Emmental denkt man doch an hügelige Landschaften. Das gibt es bei uns nicht.» ­

Käser ist sich sicher: Die Schweizer denken beim Emmental kaum an die Dörfer Zielebach oder Wiler, sondern eher an Langnau und Trub. Robert Weibel sieht das ähnlich: Er muss schmunzeln, wenn er im be­nachbarten Wiler die Tafel «Willkommen im Emmental» sieht.

Die Hornusser fusionierten

Zielebach ist also ein Dorf im Grenzgebiet. Das zeigt sich nicht zuletzt beim Hornussen. Die beiden Vereine aus Gerlafingen und Zielebach waren sich geografisch schon immer nah. Ihre Spielfelder liegen nur wenige Hundert Meter auseinander – und beide auf Zielebacher Boden.

2006 ­feierten die Zielebacher ihr 100-Jahr-Jubiläum, ein Jahr später gründeten die beiden Vereine eine Spielgemeinschaft. 2009 erfolgte dann der Zusammenschluss. Heute tritt der Verein als Hornussergesellschaft Gerlafingen Zielebach auf. Auf die Hornusser ist die Gemeinde heute noch stolz: «Viele Leute wissen nicht, wo Zielebach liegt. Aber immerhin wissen einige, dass wir gute Hornusser haben», sagt Käser.

Die Solothurner Postleitzahl

Doch nicht nur beim Hornussen wird die Verbindung ins Solothurnische deutlich, sondern auch bei den Telefonnummern und der Postleitzahl. 4564 lautet diese und passt so gar nicht zu jenen im Emmental. Burgdorf hat 3400, die meisten Gemeinden ­haben 33er-, 34er- oder 35er-Nummern.

Und das Spezielle an Zielebachs 4564 ist: «Obergerlafingen, das benachbarte Solothurner Dorf, hat die gleiche wie wir», sagt Käser. Das habe schon oft für Verwirrung gesorgt – eben gerade weil die beiden Dörfer nicht im gleichen Kanton liegen. «Zielebach wurde schon einige Male dem Kanton Solothurn zugeschrieben.»

Mit der Identität ist es so eine Sache im Dorf hinter dem Wald... (Bild: Thomas Peter)
Mit der Identität ist es so eine Sache im Dorf hinter dem Wald... (Bild: Thomas Peter)

Der Gemeinderatspräsident hebt auch die Vorteile hervor, welche die Grenznähe mit sich bringt. In der Gesundheitsversorgung profitiert Zielebach zum Beispiel. «In Notfällen können wir auch nach Solothurn fahren. Oder wenn die Ambulanz in Burgdorf besetzt ist, schicken sie uns eine von Solothurn», sagt ­Käser.

Zudem bezieht das Dorf Strom vom solothurnischen Energieversorger AEK. «Wir sind meines Wissens die einzige bernische Gemeinde in der Region, die den Strom von ihm hat.» Das sei, weil der Wald das Dorf eben von den benachbarten Berner Dörfern abtrenne. Keine Verbindung gibt es hingegen im schulischen Bereich. Da war laut Weibel immer klar, dass die Zielebacher Kinder die Schule im Kanton Bern besuchen.

Kein Restaurant mehr

Trotz aller Vor- und Nachteile als Grenzort kämpft Zielebach wie viele Landgemeinden letztlich vor allem mit internen Schwierigkeiten. Für die öffentlichen Ämter finden sich immer weniger Leute. Ein Restaurant gibt es seit der Schliessung des Rössli vor ­einigen Jahren nicht mehr. «Immerhin haben wir noch ein Dorflädeli mit Bistro», sagt Weibel.

Die beiden Rentner, die so viel über das Dorf zu berichten wissen, bringen es auf den Punkt: Wer Einkaufsmöglichkeiten, Kinos oder Bars vor der Haustüre haben will, ist in Zielebach falsch. Dafür kann das kleine Dorf mit Ruhe und Idylle punkten.

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