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«Hat es eine Hübsche dabei?»

Zwei Emmentalerinnen präsentieren sich heute Abend auf der Bühne der Miss-Bern-Wahl: die aktuelle Titelträgerin Noemi Raval und die Kandidatin Vanessa Boppart. Warum das Amtsjahr kein leichtes war und weshalb eine Miss mehr sein muss als nur hübsch, erzählen sie im Interview.

Miss Bern Noemi Raval (links) übergibt heute ihre Krone. Ob Vanessa Boppart ihre Nachfolgerin ist, wird sich zeigen.
Miss Bern Noemi Raval (links) übergibt heute ihre Krone. Ob Vanessa Boppart ihre Nachfolgerin ist, wird sich zeigen.
Iris Andermatt

Im Abendkleid stolzieren, im Bikini posieren: Heute wird die neue Miss Bern gekrönt. Und das Emmental ist an diesem Anlass gut vertreten. Die Burgdorferin Noemi Raval übergibt als aktuelle Miss Bern die Krone. Um diese kämpft die Kirchbergerin Vanessa Boppart. Sie ist eine von 16 Kandidatinnen. Jeder ihrer Schritte, jedes ihrer Worte wird dann unter die Lupe genommen. Wir treffen die beiden einige Tage vor dem grossen Event in einer Bar in Burgdorf. Noch sei sie nicht nervös, wie Boppart beteuert. Die Begrüssung zwischen den beiden ist herzlich, die georderten Getränke sind heiss und schaumig: Der Kellner stellt einen Latte macchiato mit Haselnusssirup und einen Milchkaffee auf den Tisch.

Noemi Raval, Ihre Amtszeit ist bald zu Ende. Was hat Ihnen der Titel «Miss Bern» gebracht? Noemi Raval: Ich habe den Einstieg ins Modelbusiness geschafft. Ich bin bei einem Modelinstitut unter Vertrag, wo ich von Fotoshootings bis Catwalk alles gelernt habe und nun auch regelmässig Aufträge erhalte. Das habe ich mir aber ohne die Hilfe der Miss-Bern-Organisation erarbeitet.

Solche Aufträge sollte die Organisation doch eigentlich vermitteln. Raval: Es waren besondere Umstände. Weil die Miss-Bern-Organisation während meiner Amtszeit verkauft wurde, fühlte sich niemand so recht für mich zuständig. Es gab auch nur wenige Sponsoren. Mit der neuen Organisation wird das aber hoffentlich wieder anders.

Vanessa Boppart, was erhoffen Sie sich von der Wahl? Vanessa Boppart: Ich sehe es als Sprungbrett, um an Aufträge als Fotomodel oder Werbegesicht zu kommen. Es geht mir nicht nur ums Gewinnen. Schon das Mitmachen könnte sich lohnen.

Miss-Wahlen gelten als oberflächlich. Eine Welt, in der es nur ums Aussehen geht. Boppart: Die neue Organisation legt den Schwerpunkt aufs soziale Engagement. Schon bei der Anmeldung musste man angeben, wie man sich engagiert, und kürzlich habe ich mit den anderen Kandidatinnen Geld für eine wohltätige Stiftung gesammelt. Ich finde, sie sind vom Klischee weggekommen.

Raval: Es ist schon so, dass viele denken, es gehe nur ums Aussehen. Auch jetzt, kurz vor den Wahlen, fragen mich die Leute immer zuerst: Hat es eine Hübsche dabei? Und nicht: Hat es eine Intelligente dabei?

Weshalb sollte eine Miss Bern denn besonders intelligent sein? Raval: Bei der Kommunikation hilft es, wenn man nicht gerade auf den Kopf gefallen ist. Man repräsentiert den Kanton Bern und trifft auf die unterschiedlichsten Leute. Da ist es wichtig, dass man in Gesprächen richtig reagieren kann.

Auch im Umgang mit Medien muss man geschickt kommunizieren. Vanessa Boppart, Sie haben eine Medienmitteilung verschickt, in der Sie auf Ihre Kandidatur aufmerksam machen.

Boppart: Durch die Medien erreicht man viel mehr Leute. Das habe ich bereits bei einem anderen Projekt gemerkt. Ich bin Eiskunstläuferin und trainiere auf professionellem Niveau. Weil die Eismiete im Sommer viel kostet, habe ich mit Crowdfunding Geld gesammelt. Dank dem, dass die Medien darüber berichtet haben, kamen 8000 Franken zusammen.

Gab es auch kritische Stimmen? Boppart: In den Leserkommentaren haben einige geschrieben, dass sie auch Geld brauchen könnten, es sich aber selbst verdienen müssten. Wenn man etwas besser kann als andere, gibt es immer Neider. Durch den Sport habe ich aber schon früh gelernt, solche Sachen nicht zu nahe an mich heranzulassen.

Noemi Raval, wie viel Privates haben Sie den Medien gegenüber preisgegeben? Nach meinem Liebesleben wurde immer wieder gefragt. Da ich keinen Freund habe, war das Thema jeweils recht schnell erledigt. Natürlich musste das im Beitrag dann mehrfach erwähnt werden. Aber das wollen die Leute halt lesen. Das ist auch okay.

Stand auch mal etwas, das nicht okay war? In einem Interview vor den Wahlen wurden alle Teilnehmerinnen gefragt, was das Peinlichste sei, das sie je gemacht hätten. Ich habe gesagt, ich hätte mal eine Barbie-Puppe geklaut. Und zack, war das die grosse Schlagzeile: Miss hat Barbie geklaut. Man muss schon gut überlegen, was man erzählt.

Nun stehen die Wahlen kurz bevor. Vanessa Boppart, sind Sie schon nervös? Nein, noch nicht. Ich bin es wegen der Wettkämpfe im Eiskunstlaufen gewohnt, mit solchem Druck umzugehen.

In Unterwäsche über einen Laufsteg gehen ist aber wahrscheinlich doch recht ungewohnt? Boppart: Ich finde die Unterwäsche, die ich tragen werde, schön, deshalb kann ich dahinterstehen. Ich schaue es einfach als einen Job an.

Raval: Für mich war es damals etwas gewöhnungsbedürftig. Natürlich geht man auch im Bikini ins Marzili. Aber es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn man so auf der Bühne steht und die Zuschauer normal angezogen sind. Wir mussten mit einem Partner zu Latin-Musik sexy tanzen. Für mich persönlich war das etwas zu viel. In dem Moment hat man aber gar keine Zeit, sich gross Gedanken zu machen.

Jetzt ist Ihre Amtszeit vorbei. Sind Sie traurig? Raval: Nein. Es war eine coole Erfahrung, aber ich freue mich nun, die Krone weiterzugeben.

Was braucht eine Kandidatin Ihrer Meinung nach, um zur Miss gekrönt zu werden? Raval: Wie die Kandidatinnen auftreten und wirken, ist wichtig. Wenn die Miss Bern einen Raum betritt, sollten alle Augen auf sie gerichtet sein.

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