Rüderswil

«Guten Morgen, Pesche»

RüderswilDie Passagiere schätzen den Bürgerbus in Rüderswil und dessen Chauffeur. Er fährt die Schüler zum Unterricht und die Erwachsenen an die Bahnhöfe.

<b>Aussteigen bitte:</b> Die Schülerinnen und Schüler sind beim Schulhaus Rüderswil angekommen. Ob der Bürgerbus auch künftig fährt, entscheidet das Stimmvolk.

Aussteigen bitte: Die Schülerinnen und Schüler sind beim Schulhaus Rüderswil angekommen. Ob der Bürgerbus auch künftig fährt, entscheidet das Stimmvolk. Bild: Daniel Fuchs

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist kurz nach Sonnenaufgang. Gegenüber der Kirche in Rüderswil warten ein paar Schüler. Pünktlich nach Fahrplan peilt der Bürgerbus die Haltestelle an. Hurtig steigen die Jugendlichen ein, und los geht die Fahrt in Richtung Zollbrück.

Ein paar Minuten später sieht man in der Ferne erneut das Scheinwerferlicht des Kleinbusses. An Bord befinden sich vier Mädchen, die in Rüderswil die dritte und die vierte Klasse besuchen.

«Ich fahre gerne mit, sonst müsste ich immer mit dem Velo zur Schule gehen», sagt ein Mädchen, bevor der Bus beim Schulhaus anhält. Es löst die Sitzgurte, sagt freundlich Adieu und huscht ab zu seinen Klassenkameraden, die sich auf dem Pausenplatz versammelt haben. Der Bürgerbus mit seinen rund 30 Sitzplätzen wird im Auftrag der Gemeinde Rüderswil von der Thal-Garage Fuhrer in Grünenmatt betrieben.

Gestartet ist das Pilotprojekt im August 2016, Ende März entscheidet das Stimmvolk an der Urne über dessen Zukunft. Zwei Chauffeure fahren abwechslungsweise nebst den Bahnhöfen Zollbrück und Lützelflüh weitere sieben Stationen an. Die Fahrten finden in drei Blöcken, am Morgen, am Mittag und am Abend, statt.

Lernen für die Bio-Probe

Obwohl sie die Dienstleistung nicht regelmässig nutze, weil sie manchmal mit ihrem Vater mitfahren könne, schätze sie den Bus sehr, sagt eine junge Frau, die beim Schulhaus eingestiegen ist. Ihr Ziel ist der Bahnhof in Lützelflüh, danach reist sie weiter zu ihrem Arbeitsplatz nach Bern. Doch bevor sie in den Zug umsteigen kann, dauert es noch ein paar Minuten. Denn der Chauffeur Peter Dellenbach steuert nicht direkt das Gotthelf-Dorf an.

Er setzt den Blinker und biegt links ab in Richtung Emmeknie. Etwas holprig ist die Fahrt die enge, steile Strasse hinauf. Zudem gab es in der Nacht einen Graupelschauer. Es ist teilweise etwas eisig. Vorsichtig kurvt Dellenbach durch ein Waldstück, denn die Sicherheit der Fahrgäste stehe an oberster Stelle, sagt er und fügt hinzu, dass der Bus Spikes montiert ­habe.

Dellenbach ist über den Berg. Unten liegt Niederbach. Hier wartet eine junge Frau. Sie besucht das Gymnasium in Burgdorf. Auch sie will zum Bahnhof in Lützelflüh. Kaum Platz genommen, beginnt sie mit dem Durchlesen von Blättern. Normalerweise lerne sie nicht im Bus, aber heute stehe eine Bio-Probe an, sagt die Frau. Um die nächste Haltestelle Nesselgraben zu bedienen, muss der Chauffeur ei­nen Abstecher weiter nach hinten ins Tal machen.

Anders als auf dem ersten Kurs um 6.11 Uhr will jetzt niemand mitfahren. Schnell wendet Peter Dellenbach das Fahrzeug und fährt die Strecke zurück, vorbei am Niederbach in Richtung Schwanden. Die Station Schwanden ist ebenfalls menschenleer. «Ungewöhnlich», sagt Dellenbach, denn normalerweise steige hier immer eine Frau ein. Vielleicht sei sie krank oder sehr spät dran, denn sie sei immer etwas knapp. Doch die Frau ist nicht in Sichtweite.

Kästchen für die Ampel

Peter Dellenbach ist etwas in Verzug geraten. Und es gilt noch eine Baustelle zu passieren. Schon von weitem sticht die rote Ampel ins Auge. Doch wie von Geisterhand wird es grün, als sich der Bus nähert. Vorausschauend hat Dellenbach ein Kästchen bedient, das sich neben dem Lenkrad befindet. «Wenns pressiert, kann ich die Ampel per Funk steuern.» Hätte sich jedoch noch ein Fahrzeug auf der Strecke befunden, hätte das Rotlicht nicht so schnell umgeschaltet, erklärt er.

Mittlerweile ist es 7.25 Uhr, und Dellenbach hat die Endstation Bahnhof Lützelflüh pünktlich erreicht. Zwanzig Minuten Wartezeit liegen nun vor dem Chauffeur. Aus einer Tasche holt er ein Klemmbrett mit einigen Blättern.

Mit einem Stift notiert er sich eine Zahl. «Am Montagmorgen zum Beispiel hatte ich am Morgen elf, am Mittag acht und am Nachmittag dreizehn Passagiere», sagt er und betont, dass er die Statistik für sich privat führe. Der Kanton gebe lediglich vor, dreimal pro Jahr während einer Woche die Passagierzahlen zu ermitteln. Diese offizielle Statistik habe bei acht Fahrten pro Tag einen Schnitt von 5,4 Personen pro Fahrt ergeben.

Ein netter Chauffeur

Um 7.45 Uhr startet Peter Dellenbach den Motor und fährt den Weg zurück. In Schwanden wartet eine Gruppe Schüler und Kindergärteler. Im Nu steigen sie ein, und mit ihnen kommt Leben ins Fahrzeug. «Guten Morgen, Pesche. Du bist aber heute schön ­angezogen», sagt ein Junge mit einer blauen Skijacke und braunen Locken.

Er nimmt in der ersten Reihe Platz. «Pesche ist sehr nett», meint der Schüler und fügt hinzu, dass er meist hier sitze. «Dann kann ich vorne hinausschauen.» Er finde den Bus sehr praktisch, so der Viertklässler, denn mit dem Velo wäre sein Schulweg anstrengend.

Und auch im Nesselgraben steigen Schüler und Kindergärteler sowie eine Mutter mit einem Kleinkind ein. Danach geht es zurück über das Emmeknie. Nachdem Peter Dellenbach die Schüler beim Schulhaus Rüderswil ausgeladen hat, wartet bei der Kirche bereits der Abwart auf die Kindergärteler.

Während er die Kleinen in Empfang nimmt, fährt Dellenbach bereits wieder los. Schon bald sieht man nur noch die Schusslichter des Bürger­busses. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 11.03.2018, 18:03 Uhr

Es regt sich Widerstand

Soll Rüderswil den Bürgerbus definitiv einführen? Darüber befindet das Stimmvolk am 25. März an der Urne. In einem Flugblatt weibelt eine Gruppierung für ein Nein.

Eigentlich haben die Rüderswiler schon am 7. Dezember 2017 Ja gesagt zur definitiven Einführung des Bürgerbusses. Allerdings haben sich nur 4,7 Prozent der Stimmberechtigten ­dazu geäussert, nur jene 86, die an der Gemeindeversammlung teilnahmen. Doch Rüderswils FDP-Präsident Franz Urs Schmid rügte das Vorgehen des Gemeinderates und vertrat die Meinung, das Geschäft müsse angesichts der Höhe der jährlich wiederkehrenden Kosten dem Stimmvolk an der Urne vorgelegt werden.

Mit 71 Ja- und einer Nein-Stimme bei 14 Enthaltungen beschloss die Gemeindeversammlung aber, dass der Bürgerbus ab dem 1. August 2018 definitiv einzuführen sei. Dagegen legte Franz Urs Schmid Beschwerde ein. Der Gemeinderat mochte dann die Antwort der Regierungsstatthalterin gar nicht erst abwarten.

Er beschloss, die Rüderswiler am Wahlwochenende vom 25. März an der Urne abstimmen zu lassen. Denn die Umsetzungsarbeiten für einen definitiven Busbetrieb wie etwa das Ticketing und Anpassungen beim Schülertransport nähmen sehr viel Zeit in Anspruch, schreibt er in der Abstimmungsbotschaft. Am 25. März wird das Volk entscheiden, ob der Rat diese Arbeiten anpacken soll.

Während der Versuchsphase wird der Bus mit Spenden, Gönnerbeiträgen, Werbeeinnahmen und Steuergeldern finanziert. Für den definitiven Betrieb soll ein Ticketing ein­geführt werden. Schüler werden zu einem reduzierten Tarif transportiert. So möchte es der Gemeinderat.
Doch am Samstag flatterte bei den Rüderswilern ein Flugblatt ins Haus, das die Vorlage zur Ablehnung empfiehlt.

Absender ist das Bürgerforum Rüderswil-Zollbrück, unterzeichnet hat nebst 60 weiteren Personen auch Franz Urs Schmid. Sie lehnen den Bürgerbus ab, weil sie «damit den Weg für die Einführung eines grosszügigen Schülertransportes ebnen» wollen. Da der Bus vor allem von Schülern genutzt werde, rät das Forum von «einem kleinlichen Ticketing» ab und möchte den Schülern einen Gratistransport bieten. Dafür würde dieser nur stattfinden, «wenn es ihn braucht». Während der unterrichtsfreien Wochen müsste dann auch kein «überwiegend leerer Bürgerbus zirkulieren», steht auf dem Flugblatt.

Die Unterzeichnenden glauben zudem nicht daran, dass der Bürgerbus erheblich zur Attraktivitätssteigerung des Dorfes Rüderswil beitragen wird. «Wenn neue Wohnungen seit Monaten leer stehen, ist es nicht eine Frage des Bürgerbusses, sondern die Folge eines gesättigten Marktes», halten sie mit einem Seitenhieb auf die seit November 2017 unvermieteten Wohnungen im Gemeindehaus fest.

Artikel zum Thema

Bürgerbus: Aus der Rüge wurde eine Beschwerde

Rüderswil Wie zu erwarten war, wehrt sich in Rüderswil Franz Urs Schmid beim Regierungsstatthalteramt gegen einen Beschluss der ­letzten Gemeindeversammlung. Mehr...

Der Bus bleibt in Fahrt

Rüderswil Die Gemeinde will den Bürgerbus im Sommer 2018 definitiv einführen. Ein Rückweisungsantrag ­wurde an der Gemeindeversammlung abgeschmettert. Mehr...

Paid Post

Es gibt Besseres als Escorts

Echte Erotik und richtigen Sex, bei dem beide Lust aufeinander haben, findet man nicht bei Escorts. Aber dafür beim Casual-Dating im Internet.

Kommentare

Blogs

Serienjunkie Spiel mit den Schwächsten

Foodblog Spanien kann alles

Die Welt in Bildern

Spiel zwischen Mauern: Palästinensische Buben spielen in einem verlassenen Gebäude in Gaza Stadt. (21.Juni 2018)
(Bild: Mohammed Salem) Mehr...