Grüne Oasen im Beton

Langnau

Biologin Andrea Haslinger plädierte für mehr Unordnung in besiedelten Gebieten. Wieder mehr die Natur walten lassen, war ihre Devise.

<b>Man solle in besiedelten Gebieten</b> wieder mehr die Natur walten lassen, findet Biologin Andrea Haslinger (Symbolbild).

Man solle in besiedelten Gebieten wieder mehr die Natur walten lassen, findet Biologin Andrea Haslinger (Symbolbild).

(Bild: iStock)

Die Bilder widerspiegeln unsere Umgebung: Asphalt und sterile Rasenflächen in öffentlichen Anlagen, rund um Mehrfamilienhäuser, in Parks und in privaten Gärten. Biologin Andrea Haslinger von Pro Natura hatte die Fotos mitgebracht; in Langnau hielt sie einen Vortrag über die Natur im Siedlungsraum, darüber, wie es um sie steht und welche Bedeutung sie hat.

Die Zersiedlung nehme zu, vernahmen die Anwesenden, der Lebensraum von Tieren und Pflanzen werde eingeschränkt. Es werde gebaut und geteert, Grünflächen verschwänden oder würden als «sauberer» Umschwung verödet. Während die Landwirtschaft verpflichtet ist, mit ökologischen Ausgleichsflächen einen Teil des Landes für die Artenvielfalt abzuzweigen, tue man in Siedlungsräumen nichts.

Zwar beklage man das Verschwinden einheimischer Pflanzen und Tiere, so Andrea Haslinger, überlege sich aber nicht, wo sie denn noch leben könnten. «Denn vor der eigenen Tür muss alles sauber sein, da möchte man Ordnung haben.»  

Hecken statt Mauern

Dabei würde der Siedlungsraum recht viel Platz bieten für die Natur. Ausser dem Gebäudeumschwung wären da Schulhausplätze, Landstreifen neben den Strassen und Ufer von Gewässern zu nennen, ebenso Parkplätze, Friedhöfe, Sportanlagen und Parks. «Wenn man hier ein wenig die Natur walten liesse, anstatt mit Einsatz von Pestizid und Insektizid für Ordnung zu sorgen, wäre schon viel getan.»

Besonders Städte und Vororte könnten von einem verbesserten Klima profitieren, fügte die Biologin an: Bäume und Sträucher dämpfen den Lärm, spenden Schatten und schlucken Regenwasser. Nicht nur, dass sie kleineren und grösseren Lebewesen Nahrung und Zuflucht böten, auch der Mensch hätte wieder etwas zu beobachten.

«Anstelle von Mauern und Zäunen könnten Hecken gepflanzt werden, statt Rasen Gras, Trampelpfade statt Asphaltwege. Flachdächer könnten bepflanzt werden, Kletterpflanzen könnten Häuser begrünen, Balkone könnten zu kleinen Gartenoasen werden», schlug Haslinger vor.

Eine Umfrage habe ergeben, berichtete sie, dass mehr als die Hälfte der Befragten solchen Änderungen zustimmen würde. Als Akteure aufgerufen wären da Behörden, Hauswarte, Architekten und Gartenbaufirmen, aber auch Politiker und die Mieter selber.

Das Paradies ist wild

«Wir sollten nach und nach auf einen naturnahen Garten umstellen», sagte Haslinger. «Achten Sie künftig auf einheimische Arten, wenn es um Bäume und Ziergehölze geht.» Sie plädierte dafür, jeglichen Gifteinsatz zu vermeiden. «Man kann auch mit Schädlingen leben, denn sie sind Teil der Natur und gehören zur Nahrungskette.»

Wer Schmetterlinge liebt, muss der Raupe das Fressen gönnen, ebenso dem Engerling des Rosenkäfers oder der Blattlaus, ohne die kein Marienkäfer auskommt. Und was nützt das schönste Wildbienenhotel, wenn die Gäste verhungern? Holz- und Steinhaufen oder Trockenmäuerchen bieten Tieren Unterschlupf, kleine Wassertümpel helfen zu überleben. «Wildblumen lieben mageres Erdreich», mahnte Haslinger. Man soll also keinen künstlichen Dünger einsetzen. Und daran denken, dass es kein «Unkraut» gebe, sondern nur das falsche Kraut am falschen Ort.

Zum Schluss riet sie den Anwesenden: «Vergessen Sie nicht, das Naturreich zu geniessen und zu beobachten, anstatt ständig zu werken.»

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