Zollbrück

Gesundes für die Amerikaner

ZollbrückWährend die Branche einem starken Strukturwandel unterworfen ist, müssen die Mitarbeiter der Steiner-Mühle nicht um ihren Arbeitsplatz bangen. Seit letztem Jahr exportiert sie Müesli in die USA.

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Es rattert und lärmt, der Boden vibriert leicht, und es riecht nach Mehl. In der Steiner-Mühle in Zollbrück werden Getreide und Hülsenfrüchte zu Nahrungsmitteln verarbeitet. «Wir stellen ausschliesslich Lebensmittel her, kein Futter», betont Geschäftsleiter Roland Dürring.

Auf dem Rundgang durch den Betrieb öffnet er das Törchen zu einer Maschine, in der Sojabohnen erwärmt und zu Flocken gewalzt werden. Hineingreifen ist erlaubt, schliesslich hat man vor Betreten des Betriebs nicht nur eine Haube und einen hygienisch sauberen Mantel übergezogen, sondern auch die Hände gründlich mit Seife gewaschen und mit einem Desinfektionsmittel eingerieben.

Verschlungene Wege

Im Allgemeinen aber kommen die Körner von Weizen, Dinkel, Hafer, Gerste, Roggen, Mais, Reis und Hirse ebenso wenig mit Händen in Kontakt wie die Hülsenfrüchte, die in Zollbrück verarbeitet werden.

Der Prozess, den sie auf dem Weg zu Mehl, Schrot oder Flocken durchlaufen, findet für das Auge unsichtbar zwischen ratternden Maschinen und fast nicht zählbaren ­verschlungenen Rohren statt. Die acht ausgebildeten Müller, die hier arbeiten, werden wissen, durch welches Rohr welches Produkt rinnt.

Vor zwei Jahren habe die Steiner-Mühle das Hochregallager in Betrieb nehmen können, sagt Roland Dürring. 320 Paletten hätten nun darin Platz, verkündet er stolz. Aber das ganz «grosse Highlight» präsentiert er in der Produktion: Dort steht ein Scanmaster, ein Fotoleser.

Im Moment liest er alles heraus, was nicht den schön gelben Hirsekörnern entspricht, die der Betrieb in seinem Produkt haben will. «Das ist das Modernste, was man in einer Mühle haben kann», sagt Dürring. Der Scanmaster wurde 2008 angeschafft.

Eine reine Bio-Mühle

Schweizweit ist die Mühlenbranche einem starken Strukturwandel unterworfen. In den letzten zehn Jahren sei die Zahl der Betriebe von 74 auf 47 gesunken, hatte Guy Emmenegger als ab­tretender Geschäftsführer des Dachverbands der Müller letztes Jahr gegenüber dem «Schweizer Bauern» gesagt.

Der Standort in Zollbrück aber ist nicht gefährdet. Thomas Steiner hatte den 1959 gegründeten Betrieb in zweiter Generation geführt. Weil er keinen Nachfolger hatte, habe er ihn im April 2011 an die Groupe Minoteries SA verkauft, sagt Dürring, der daraufhin die Geschäftsleitung übernahm.

In der schweizweit tätigen Groupe Minoteries SA nimmt die Steiner-Mühle eine besondere Rolle ein: Sie bildet das Biokompetenzzentrum. Denn seit 1995 verarbeitet sie ausschliesslich biologisch produzierte Getreide und Hülsenfrüchte.

Mit einer Jahresproduktionsmenge von über 10'000 Tonnen gilt sie laut Dürring als mittelgrosse Schweizer Mühle. «Aber sie ist mit ­Abstand die grösste reine Biomühle.»

Zuckerarm, ohne Schokolade

90 Prozent ihrer Produkte verkauft die Mühle in der Schweiz. Doch letztes Jahr konnte der Emmentaler Betrieb zum ersten Mal in die USA exportieren. Fairway, eine New Yorker Supermarkt­kette, wollte ihr Angebot mit Schweizer Produkten aufstocken.

Sie gelangte an die Föderation der Schweizer Nahrungsmittelindustrien, die daraufhin Nahrungsmittelproduzenten einlud, sich um den Marktauftritt zu bewerben. Die Steiner-Mühle gehörte dazu – und kam zum Zug.

Mit ihren biologisch produzierten und bewusst zuckerarm gehaltenen Frühstücksmüesli sollte sie sich dem New Yorker Publikum präsentieren.

«Mir wurde fast schlecht», sagt Roland Dürring und umschreibt damit den Schreck, den er hatte, als er für die Degustation in einer Fairway-Filiale eingetroffen sei: Dort fand er sich wieder vor einem gewaltigen Regal voller mit Zucker und Schokolade überzogener Frühstückcerealien in allen Formen und Geschmacksrichtungen.

«Und dann kommen wir mit unserem klassischen Müesli, das nicht süss, aber bio ist und keine Schokolade enthält.» Dürring konnte sich nicht vorstellen, dass die Amerikaner dafür zu begeistern sein würden.

Interesse geweckt

Aber er hatte sich getäuscht. Nachdem er und seine Leute den Kunden einmal erklärt hatten, dass man Müesli nicht trocken isst, sondern in Milch, Jus oder Joghurt einrührt, sei das Interesse daran geweckt gewesen.

Vor ­allem wegen der Tatsache, dass es aus der Schweiz komme und nicht nur biologisch, sondern damit gleichbedeutend auch GVO-frei sei, finde das Müesli bei den Amerikanern Zuspruch.

«Wir haben Erfolg», sagt Dürring, dessen Produkte im August 2017 erstmals nach Übersee reisten. Ob die Steiner-Müesli im Fairway-Sortiment bleiben, entscheiden die New Yorker nach einem halben Jahr. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.01.2018, 06:25 Uhr

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