Gesucht sind grosszügige Spender

Knapp 3 Millionen Franken würde der Saalbau kosten. Nur wenn Geldquellen sich auftun, kann sich die Gemeinde diesen Traum erfüllen. Wobei: Nicht alle hätten Freude an «noch mehr Rambazamba»im Dorf.

Eine kühne Annahme: Dass für den skizzierten Bau ausreichend Mittel zusammengetragen werden.

Eine kühne Annahme: Dass für den skizzierten Bau ausreichend Mittel zusammengetragen werden. Bild: PD

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«Jenseits von Gut und Böse.» Röthenbachs Gemeindepräsident Matthias Sommer liess ­keine falschen Hoffnungen aufkommen, als er zusammen mit Gemeinderat Ernst Linder über das Projekt Saalbau informierte. Weit über hundert Personen hatten sich in der Turnhalle versammelt. Ihnen machte Sommer klar: «Aufgrund der bisherigen Berechnungen würden wir es nicht schaffen.»

Denn der Saalbau würde gemäss den ersten Offerten 2,97 Millionen Franken kosten. Träte Bendicht Stucki das Land auf der Rösslimatte im Baurecht ab, käme der Bau immer noch auf 2,57 Millionen Franken zu stehen. Sommer sprach sich für den Landkauf aus, da die errechneten jährlichen Kosten im Fall eines Baurechts nicht markant tiefer ausfallen würden.

Auf Geldgeber angewiesen

Die Arbeitsgruppe geht davon aus, dass jährliche Ausgaben von gut 117'000 Franken anfallen würden. Für die Einnahmeseite präsentierte sie drei Varianten: Das durch die Gemeinde zu tragende Defizit würde demnach jedes Jahr zwischen knapp 56'000 und gut 96'000 Franken betragen.

Doch diese Zahlen basieren auf überaus kühnen Annahmen. Die Initianten haben die Latte sehr hoch angelegt, als sie die Finanzierung planten: Sie hoffen auf Spenden durch Institutionen wie den Lotteriefonds oder die Patenschaft für Berggemeinden in Höhe von 800'000 Franken.

Weiter rechnen sie damit, dass die interessierten Vereine 400'000 Franken beisteuern werden, und sie planen 70'000 Franken aus zusätzlichen Finanzierungsaktionen ein. So bliebe an der Gemeinde eine Investitionssumme von 1,7 Millionen Franken hängen. Mäzene und Schenkungen sollen diesen Betrag jedoch weiter ­senken.

Die Parkplatzfrage

Ob die Gemeinde Röthenbach jemals einen Saalbau erstellen wird, ist offen. Der Entscheid wird voraussichtlich gegen Ende 2019 gefällt. Bis dahin wird sich zeigen, wie viele Spenden zusammenkamen, wie sich das Zinsniveau entwickelt und was sich die Gemeinde nach Finanzplan leisten kann. Doch vorher müssen noch andere Fragen geklärt werden. Vordringlich ist jene nach den Parkplätzen.

Als Gemeinderat Ernst Linder das geplante 34 Meter lange und 19 Meter breite Gebäude vorstellte, ­erwähnte er mit keinem Wort, wo die Autos stehen sollten. Grundstückbesitzer Benz Stucki machte jedoch klar: «Wenn das Parkplatzproblem nicht gelöst ist, biete ich nicht Hand für die neue Halle.»

Für den Gemeinderat stehe indes sowieso fest, dass er neue Parkplätze schaffen müsse – unabhängig davon, ob der Saalbau realisiert werde oder nicht. Er sei deshalb im Gespräch mit der Landi und hoffe, auf dem sogenannten Landimätteli Parkplätze bauen zu können, sagte Sommer. «Dieses Problem müssen wir ohnehin angehen», betonte er.

Die Angst vor Lärm

Während in der Turnhalle wohl vorwiegend Mitglieder von Vereinen versammelt waren, die auf ein neues Lokal für ihre Ver­anstaltungen hoffen, meldete sich auch eine kritische Stimme zu Wort. «Niemand hat im Dorf gefragt, ob die Leute wollen, dass hier noch mehr los ist.» Niemand habe gefragt, ob die Dorfbevölkerung bereit sei, «die Belastung mit all den Anlässen und dem Rambazamba» zu ertragen.

Ein anderer Votant gab jedoch zu bedenken: «Wenn wir auf dem Land draussen weiterkommen wollen, müssen wir etwas probieren.» Wenn alles stillstehe, dürfe sich niemand wundern über den Rückzug von Post und Bank. «Wir müssen Leute anziehen und vorwärtsgehen.»

Matthias Sommer pflichtete bei und sagte: «Ich habe nicht Angst, dass im Moment zu viel los ist bei uns.» Gerade weil die Vereine viel beitrügen zur gesellschaftlichen Atmosphäre in der Gemeinde, verdienten sie es, dass ihr Wunsch nach einem neuen Lokal ernsthaft geprüft werde. «Aber das Projekt gelingt nur, wenn sich alle extrem ins Zeug legen und sich engagieren», sagte Sommer.

Erste Zusagen

Einer, der sich «extrem ins Zeug legt», ist Ernst Linder. Er sei «mit Leib und Seele Röthenbacher und Vereinler», sagte der Gemeinderat. Weil der Saalbau nur realisiert werden kann, wenn Geld eingetrieben wird, rief er die am Projekt Interessierten zur aktiven Spendensuche auf. «Jetzt müsst ihr eure Netzwerke spielen lassen.» Er hoffe, selber auch auf einen zu treffen, der ein grösseres Portemonnaie habe als die Röthenbacher. «Aber ich kann nicht zu Blocher gehen und sagen: Ich bin Linder Aschi und hätte gern eine Million.»

Weil bei ihm noch während der Informationsveranstaltung Spendenzusagen in Höhe von 22'000 Franken eingegangen waren, sagte Linder: «Ich bin optimistisch wie ‹ne More›».

(Berner Zeitung)

Erstellt: 12.02.2018, 07:53 Uhr

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