Gesucht: Mildes Abführmittel

Eggiwil

Seit über drei ­Jahren stehen die Behörden vor einem Problem, für das sie noch immer keine Lösung haben: Niemand weiss, wie das verstopfte Räbloch geräumt werden kann. Doch jetzt will die Schwellenkorporation vorwärtsmachen.

Im Winter 2015 vermassen Spezialisten der Gasser Felstechnik die Verstopfung im Räbloch.

Im Winter 2015 vermassen Spezialisten der Gasser Felstechnik die Verstopfung im Räbloch.

(Bild: Gasser Felstechnik/zvg)

Es ist nicht so, dass man in Eggiwil die Hände in den Schoss gelegt hätte und seit Jahren auf Hilfe vom Himmel warten würde. «Wir haben zusammen mit der Firma Geotest alle denkbaren Möglichkeiten studiert und abgecheckt», sagt Eggiwils Gemeindeschreiber Stefan Ruch. Doch noch immer wissen die Fachleute nicht genau, wie man das Räbloch entstopfen könnte.

Seit dem heftigen Unwetter, das am 24. Juli 2014 in der Gemeinde Schangnau gewütet hat, ist es zu. Der Haufen angeschwemmten Materials ist offenbar so hoch wie nie zu vor. Was sich ausser Holz an der engsten Stelle in der Schlucht noch alles befindet, weiss niemand, denn das Räbloch ist weder zugänglich noch von oben einsehbar.

Als sich Spezialisten der Gasser Felstechnik AG aus Lungern am 26. Januar 2015 hinunterseilen liessen, stellten sie fest, dass sich das Material auf einer Länge von 50 bis 60 Metern 5 bis 6 Meter hoch staute. Es war von bis zu 1400 Kubikmeter Material die Rede, das im Räbloch verkeilt sein könnte. Seither habe sich beim Ausgang zwar etwas Holz gelöst, aber hinten sei auch wieder neues angeschwemmt worden, sagt Stefan Ruch.

Früher gings von allein

Im Frühling 2015 glaubte man in Eggiwil noch, das Wetter würde das Problem mit dem verstopften Räbloch lösen: indem die warme Sonne im Frühling die dicken Eisschichten von den Felswänden lösen würde und tonnenschwere Brocken in den Haufen von angestautem Schwemmholz krachen würden. Vielleicht, so hoffte man, würde dies das Ganze ausreichend in Bewegung setzen und die Verstopfung lösen. So jedenfalls sei es früher mehrmals passiert, sagte der Schangnauer Förster Fritz Salzmann vor bald drei Jahren gegenüber dieser Zeitung.

Aber schon 1997 war das Material so hartnäckig verkeilt, dass Mitarbeiter des Truber Forstunternehmens Reber in die Schlucht stiegen, um nach einem Unwetter verkeiltes Schwemmholz herauszuholen. Nach drei Tagen mussten sie aufgeben, die Arbeit war zu gefährlich. Die Natur löste das Problem irgendwann tatsächlich von allein.

Kredit für 1 Million Franken

Weil das Räbloch auf Gemeindegebiet Eggiwil liegt, ist die Schwellenkorporation Eggiwil zuständig für diesen heiklen Teil der Emme. Anfang Dezember will sie an ihrer Mitgliederversammlung nun unter Traktandum 2 einen Baukredit für die Räumung des Räblochs genehmigen lassen.

Laut Ruch beläuft sich der Kredit auf 1 Million Franken. Doch wie genau die Räumungsarbeiten ausgeführt werden sollen, ist offen, die Lösung des Problems ist noch nicht gefunden. Denn das Räbloch ist zu eng, als dass Bagger eingesetzt werden könnten. An Sprengungen wurde gedacht, aber die Stelle befindet sich in einem Landschaftsschutzgebiet.

«Es handelt sich um eine noch nie da gewesene, einzigartige Problemstellung», sagt Stefan Ruch. In der ganzen Schweiz finde man keine vergleichbare Situation, es existierten keine Erfahrungswerte, die man herbeiziehen könnte. Trotzdem will die Eggiwiler Schwellenkorporation jetzt einen Schritt vorwärtsmachen.

Sagt die Mitgliederversammlung Ja zu dem Kredit, wird sie die Arbeiten zur Entstopfung des ­Räblochs öffentlich ausschreiben. Sie hofft, dass sich spezialisierte Unternehmen mit Lösungsvorschlägen melden werden. Diese müssen dann aber auch kompatibel sein mit den gesetzlichen Vorgaben, die den Handlungsspielraum im ohnehin schmalen Räbloch zusätzlich einengen.

Verschiedene Ämter von Bund und Kanton werden mitreden. Auch die Schwellengemeinden von Schangnau, Signau und Lauperswil werden sich zu gegebener Zeit dazu äussern müssen. Denn sie werden dereinst eingeladen, sich an den Kosten zu beteiligen – die Schangnauer, weil der Rückstau durch die Verklausung ihr Gemeindegebiet im Bereich Räbeli überschwemmen würde, die Signauer und Lauperswiler, weil sie betroffen wären, wenn sich die Verstopfung und das angestaute Wasser in einem einzigen Schwall lösen würden.

Wenn es staut und staut...

Die Firma Geotest hat eine ­Gefahrenanalyse vorgenommen. Diese zeigt laut Severin Schwab, dem Fachbereichsleiter Wassergefahren und Hochwasserschutz: «Das Dorf Eggiwil würde im Vergleich zu den aus der Gefahrenkarte bekannten Szenarien zusätzliche Überflutungsflächen aufweisen.»

Auch weiter Emme abwärts würde der Fluss an verschiedenen Stellen über die Ufer treten. «Die Wahrscheinlichkeit, dass es passiert, ist vielleicht nicht sehr gross, aber ganz ausschliessen lässt sie sich nicht», fasst der Gemeindeschreiber die Situation zusammen. Deshalb wollen die Behörden mit dem Baukredit nun die Suche nach einem überzeugenden Projekt in Gang setzen.

Berner Zeitung

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