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Gerettete Grosstierretter

Die Aufrufe ­haben gefruchtet: Die Retter vom Berner Stützpunkt haben weitere Helfer gefunden. Eine Zusammenarbeit mit den Feuerwehren im Kanton Bern existiert aber kaum.

Die Übung: In Niederösch simulieren Simon Moor (blaue Jacke), Alexandra Widmer (blaue Jacke), Tara Mäder und Thomas Locher eine Pferderettung.
Die Übung: In Niederösch simulieren Simon Moor (blaue Jacke), Alexandra Widmer (blaue Jacke), Tara Mäder und Thomas Locher eine Pferderettung.
Thomas Peter

Sie werden gerufen, wenn Tiere in Not geraten. Wenn eine Kuh in ein Güllenloch fällt. Wenn ein Esel sich verletzt. Wenn ein Pferd von selbst nicht mehr auf die Beine kommt. Wenn eine Ziege aus unwegsamem Gelände befreit werden muss.

In Niederösch hat der Schweizer Grosstierrettungsdienst (GTRD) seinen Berner Stützpunkt. Dieser wird von Simon Moor geleitet und deckt nebst dem Kanton Bern den Kanton Solothurn, die Westschweiz und das Wallis ab.

Lange waren Moor und seine Teamkollegin Alexandra Widmer allein für das grosse Gebiet zuständig. Sie leisten jährlich rund 20 Einsätze. 24 Stunden am Tag müssen die beiden abrufbar sein und bei Notfällen sofort ausrücken – auch wenn sie einen Fulltime-Job haben und die Grosstierrettung nur als Hobby betreiben.

Jahrelang suchten Moor und Widmer vergeblich nach Helfern, die unter anderem Erfahrung im Umgang mit Grosstieren haben. Sie starteten Aufrufe im Internet via Facebook und andernorts. Am Ende war die Suche doch noch von Erfolg gekrönt: Seit geraumer Zeit sind sie zu fünft.

Mit Thomas Locher, Christian Frauchiger und Tara Mäder bekam das Team die ersehnte Verstärkung. Mäder ist sogar Veterinärmedizin-Studentin. Der Stützpunktleiter kann also aufatmen, er betont aber, dass die Suche trotz allem weitergehe: «Je mehr Leute zu uns stossen, umso besser.»

Die drei Neuen würden erst zu Ambulanzfahrern und in einer zweiten Stufe zu Grosstierrettungssanitätern ausgebildet, erklärt Moor. Das dauere mindestens vier Jahre. Zu den Kursen in Zürich kämen einmal die Woche die Stützpunktübungen in Nieder­ösch, wo Einsätze sowie Bergungs- und Verladetechniken trainiert würden.

Noch eine Neuigkeit: Seit August hat der Stützpunkt ein eigenes Einsatzfahrzeug. Noch fehlt aber der Ambulanzanhänger.

Immer ein Tierarzt dabei

In der Regel rücken die Grosstierretter zu zweit aus. Die Alarmierung erfolgt über die offizielle Einsatzleitzentrale von Schutz und Rettung Zürich. Der Einsatzleiter bietet dann den jeweiligen Stützpunkt auf.

Nebst Notfalleinsätzen wie Bergungen werden auch Kranken- und Spezialtransporte ausgeführt. Professionelle Rettungen, bei denen stets auch ein Tierarzt involviert ist, können laut Moor schnell einmal bis 2000 Franken kosten.

Der Ernstfall: Eine Kuh fiel im Mont Crosin in eine Senkung und musste geborgen werden. Bild: zvg
Der Ernstfall: Eine Kuh fiel im Mont Crosin in eine Senkung und musste geborgen werden. Bild: zvg

Pferde, Ponys, Esel oder Maultiere lassen sich mit der «Horse-Rescue» versichern, dann werden die Kosten für den Einsatz von der Versicherung übernommen. Bei den Nutztieren werde ein Pauschalpreis von 200 bis maximal 500 Franken pro Einsatz berechnet, sagt Moor.

Das Rettungspersonal selbst arbeitet freiwillig und im Milizsystem, erhält aber ähnlich wie bei der Feuerwehr einen kleinen Sold, wenn es einen Einsatz leistet.

Im Kanton Bern anders

Wie sieht die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr aus? «Im Kanton Bern ist sie noch sehr verbesserungswürdig», meint Simon Moor. Das sei in anderen Kantonen wie beispielsweise Zürich oder Solothurn anders. Der GTRD werde dort als Partner anerkannt und habe sogar offizielle Leistungsverträge mit der Feuerwehr.

Er werde bei Grosstiernotfällen auch automatisch mit der Feuerwehr zusammen aufgeboten. Im Kanton Bern aber sei dies nicht der Fall, so Moor. Das Berner Team würde heute vor allem von den Tierbesitzern selbst oder von Tierärzten gerufen. «Wir würden aber eine Kooperation mit der Feuerwehr begrüssen», sagt der Stützpunktleiter.

Verfüge sein Team doch über Erfahrung und sei etwa für spezielle vertikale Bergungen aus kaum zugänglichen oder engen Orten gut ausgerüstet. Zudem würden auch Erstbetreuung und Transport in die Tierklinik abgedeckt.

Fünf Sonderstützpunkte

Die Feuerwehr kommt, wenn jemand über die Nummer 118 Hilfe für ein in Not geratenes Rind, Schaf, Schwein oder Pferd sucht. Allerdings nicht mehr die örtliche, sondern eine extra geschulte und speziell ausgerüstete Feuerwehrorganisation, die von einem der fünf Sonderstützpunkte ausrückt.

So sieht es das seit Anfang Jahr in Kraft getretene Konzept der Gebäudeversicherung Bern (GVB) vor. Diese Sonderstützpunkte ­befinden sich in Bern, Biel, Langenthal, Thun und Zweisimmen.

Die Anzahl der Einsätze im Bereich Grosstierrettung im Kanton Bern ist mit 20 bis 30 pro Jahr relativ gering. «Es ­wäre unverhältnismässig, alle Feuerwehren in diesem Bereich vollständig auszubilden und auszurüsten», sagt GVB-Sprecherin Julia Zosso auf Anfrage.

«Eine Zusammenarbeit mit dem GTRD ist bis anhin aber nicht diskutiert worden», so Zosso weiter. «Uns sind weder dessen aktuelle Strukturen noch die operativen Möglichkeiten näher bekannt.» Eine punktuelle Zusammenarbeit sei aber, sofern sinnvoll und im Interesse der verunfallten Tiere, sicher vorstellbar. Sie stehe jedoch nicht im Vordergrund.

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