Trub

Gemeinsam durch den Wald

Trub 100 Jahre ist es her, dass sich die Waldbesitzer in einer Genossenschaft zusammenschlossen. In dieser Zeit schwankte der Holzpreis stark. Jetzt ist er fast wieder dort, wo er am Anfang war.

Einst war Holzrücken für Mann und Pferd schweisstreibend.

Einst war Holzrücken für Mann und Pferd schweisstreibend. Bild: pd

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Vor einem Jahrhundert liess man sich noch «belehren». Heute spricht man vornehm von Weiterbildung. Und für das, was man heute als Kontaktpflege bezeichnet, kannten die Truber Wald­besitzer einst den warmherzigen Ausdruck «Fühlungsnahme». Der Blick in die Chronik der Holzverwertungsgenossenschaft Trub und umliegender Gemeinden (HVTG) zeigt, dass sich auch in sprachlicher Hinsicht einiges getan hat in dem Jahrhundert, das seit ihrer Gründung ver­gangen ist.

Nicht jeder bekam Holz

Jetzt feiert die Genossenschaft ihr 100-jähriges Bestehen. Das wichtigste Ziel, das seinerzeit zur Gründung geführt hat, hat sich bis heute nicht geändert: «Bestmögliche Verwertung des Nutzholzes». Nur Käufern, die mit der Organisation unter Vertrag standen, durften die Genossenschafter ihr Holz liefern. So konnte die HVTG auch dann noch «einigermassen gut» verkaufen, als nach dem Ersten Weltkrieg viel Holz importiert wurde. Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges schonte die Organisation ihre Bauern und zog keine Mitgliederbeiträge ein. Das Leben für die Waldbesitzer war hart geworden: Der Bund schrieb vor, wie viel Holz sie abzuliefern hätten.

Doch dann kamen gute Zeiten. Die Hochkonjunktur sorgte für eine grosse Nachfrage nach Nutz- und Papierholz. «Die Holzpreise stiegen pro Jahr um bis zu 10 Prozent», steht in der Chronik.

Was Trockenheit für den Wald bedeutet, erfuhren die Truber 1947 und 1949. Erstmals habe sich der Borkenkäfer stark ausgebreitet. Zwischen der Auflistung verschiedener Stürme, die den Trubern dann zusetzten, berichtet der Chronist aber auch von einem Sägenfeilkurs. 25 Männer liessen sich 1950 in dieser Sache «belehren». Aber kurz danach seien die Motorsägen aufgekommen «und verdrängten das Singen der Sägen».

Die Holzpreisentwicklung kommentiert die Jubiläumsschrift mit der einfachen Formel: «Je grösser die Holzhaufen, desto kleiner die Preise.» Hatten die Waldbesitzer in Trub und Umgebung 1818 noch rund 90 Franken für einen Kubikmeter Holz er­halten, sank der Preis in der Wirtschaftskrise auf 20 Franken. Dann stieg er an und erreichte in den 1980er-Jahren seinen Höchstwert: 180 Franken pro Kubik konnten die Emmentaler damals einsacken. Das blieb nicht lange so. Der Preis sank schon vor dem Sturm Vifian, der 1990 tobte, und fiel um die Zeit des Jahrhundertwechsels, nach Lothar, auf noch gut 60 Franken hinunter. Aktuell erhalten die Genossenschafter nur unwesentlich mehr als zur Zeit, als sie ihre Organisation gründeten.

«Die Bedeutung steigt»

Und was bringt die Zukunft? Es ist der einstige Leiter der Waldabteilung Emmental, Walter Marti, der sich in der Schrift dazu äussert. Er sagt voraus, dass «aktive, schlagkräftige Waldbesitzerorganisationen zunehmend an Bedeutung gewinnen werden». Der dezentral und nachhaltig nachwachsende Rohstoff Holz werde gefragt sein. «Es ist deshalb wichtig, dass jederzeit eine funktionierende Holzkette – vom Produzenten bis zum Endverbraucher – vorhanden ist.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 17.08.2018, 06:30 Uhr

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