Burgdorf

Gegen das Vergessen

Burgdorf Am Sonntag wird im alten Schlachthaus eine Gedenkausstellung für den kürzlich verstorbenen Künstler Brutus Luginbühl eröffnet. Er war der Einzige der Familie, der auch mit Holz gearbeitet hat.

Kühe in allen Formen und Farben gehören zum Werk von Brutus Luginbühl. Ihm zu Ehren haben seine Witwe Marlis Luginbühl 
und sein Bruder Jwan Luginbühl eine Ausstellung zusammengestellt.

Kühe in allen Formen und Farben gehören zum Werk von Brutus Luginbühl. Ihm zu Ehren haben seine Witwe Marlis Luginbühl und sein Bruder Jwan Luginbühl eine Ausstellung zusammengestellt. Bild: Marcel Bieri

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit Brutus Luginbühl, einer der drei Söhne des legendären Eisenplastikers und Tinguely-Freundes Bernhard Luginbühl, Mitte der Achtzigerjahre zwei Sommer auf einer Alp verbracht hatte, stand die Kuh ins Zentrum seines künstlerischen Schaffens. So ist denn das inoffizielle Nationalsymbol der Schweiz auch in der ihm gewidmeten Gedenkausstellung ab diesem Sonntag im alten Schlachthaus in Burgdorf omnipräsent.

Nachdem eine schwere Krankheit Brutus Luginbühl letzten November mit knapp sechzig Jahren aus dem Leben riss, war es für seine Frau Marlis Luginbühl klar, ihrem Mann eine Gedenkausstellung zu widmen. Zusammen mit Jwan Luginbühl und dessen Frau Ursula kuratierte sie die aktuelle Ausstellung. Auch wenn sie hin und wieder im Museum ausgeholfen habe, sei das meiste für sie Neuland, sagt sie während eines Rundganges. Und betont, sie wolle nicht, dass ihr Mann, der zeitlebens Bescheidene und Zurückhaltende, in Vergessenheit gerate.

Eine eigene Handschrift

Im Schatten seines berühmten Vaters entwickelte der 1958 geborene Brutus Luginbühl seine eigene künstlerische Handschrift. Der älteste Sohn des 2011 verstorbenen Eisenplastikers Bernhard Luginbühl wurde, zusammen mit seinen ebenfalls künstlerisch tätigen Brüdern Jwan und Basil, früh ins Familienunternehmen eingespannt. Kindheitsprägend, so Jwan Luginbühl, sei auch ihre künstlerisch tätige, letzten Frühling verstorbene Mutter Ursi gewesen. «Mit ihr zusammen machten wir als Kinder die ersten Keramikarbeiten.» Nach dem Tod des Vaters wurde Brutus Luginbühl zum Verwalter des väterlichen Werkes und verantwortlicher Leiter sämtlicher Ausstellungen im Museum. Dies betraf auch den Skulpturenpark auf dem Anwesen der Familie in Mötschwil sowie die Ausstellungen im In-und Ausland.

Detailverliebt und schalkhaft

Für die Gedenkausstellung hat Marlis Luginbühl verschiedenste Werke, die ihr Mann im Laufe der Jahre in seinem Atelier in Bowil erschaffen hat, zusammengetragen. Die Retrospektive aus den Jahren 1994 bis 2015 beinhaltet unter anderem meisterhaft schablonierte (Kuh)bilder, mit einer durch die besondere Schichtentechnik verblüffenden Tiefenwirkung. Daneben sind gegenständliche bis abstrahierte Kuhskulpturen aus Holz, Eisen und Bronze zu sehen.

Jede ein­zelne der Gehörnten samt ihrem männlichen Pendant scheint der Weide entsprungen zu sein. Die vielschichtigen Werke heissen «Viehfestival», «Kuhwalzer», «Bauerngold» oder «Milchwirtschaft». Mit seinen «Viehsionen» habe sich sein Bruder von einer mächtigen Vaterfigur abgrenzen wollen, erklärt Jwan Luginbühl. Gleichzeitig zeigt Brutus Luginbühl seine Detailverliebtheit und seinen Schalk etwa mit den jeweiligen, dezent angebrachten Kantonsumrissen auf den Skulpturen seiner Freiburger und Simmentaler Kühe.

Gelernter Zimmermann

Ergänzt wird die Gedenkausstellung im Obergeschoss mit fünfzehn nachträglich gebauten Holzmodellen von «Brandfiguren». Als gelernter Zimmermann, – nebst der Ausbildung zum Fotolaborant – sei sein Bruder der einzige in der Familie gewesen, der mit Holz gearbeitet habe, so Jwan Luginbühl. Basis der Modelle war die von Brutus Luginbühl konzipierte Ausstellung «Brandfiguren» des Vaters. Bei den zwischen 1976 und 2007 durchgeführten Brandaktionen, wie etwa bei der legendären Millennium-Silvester-Brandaktion auf dem Gurten, war der älteste Luginbühl-Sohn fast immer an der Seite seines Vaters.

Um das Gesamtwerk ihres verstorbenen Mannes zu würdigen, stellt Marlis Luginbühl zurzeit die Unterlagen zu einem ersten, umfassenden Werkkatalog zusammen.
Gedenkausstellung«Brutus Luginbühl, Bilder und Skulpturen». Altes Schlachthaus, Burgdorf, 15. April bis 4. November, jeweils Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Im Juli geschlossen. www.luginbuehlbernhard.ch. Vor seinem Tod vorbereitet hat Brutus Luginbühl noch seine Teilnahme an der Ausstellung «Kunst am Schlossberg» in Melchnau vom 12. Mai bis 5. August. www.kunstamschlossberg.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.04.2018, 06:13 Uhr

Artikel zum Thema

Brutus Luginbühl ist tot

Bowil Der Künstler Brutus Luginbühl, Sohn des Bildhauers und Eisenplastikers Bernhard Luginbühl, ist am Dienstag gestorben. Mehr...

Paid Post

Wir suchen die beste Nachbarschaft der Schweiz

Was macht eine gute Nachbarschaft aus? Erzählen Sie es uns und nominieren Sie Ihr Quartier zum besten der Schweiz. Mitmachen lohnt sich, für Sie und Ihre Nachbarn.

Kommentare

Blogs

Mamablog Acht richtig gute Kinderbücher

Wettermacher Wo es am meisten regnet

Die Welt in Bildern

Bump it: Angela Merkel mit dem mexikanischen Präsidentenpaar an der Hannover Messe. (23. April 2018)
(Bild: Fabian Bimmer) Mehr...