Fürs «Kantonale» gehen die Kühe ins Exil

Utzenstorf

Die Gotthelfarena in Utzenstorf, in der vom 10. bis zum 12. August das Bernisch Kantonale Schwingfest stattfindet, nimmt Gestalt an.

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Noch ist es kühl auf der Wiese neben dem Schulhaus Utzenstorf. Aber je höher die Sonne steigt, umso mehr kommen die vierzig Zivilschützer an diesem Morgen ins Schwitzen. Der Aufbau der Tribünen und Zelte fürs Bernisch Kantonale Schwingfest ist an sich schon harte Arbeit, die Hitze dieser Wochen und Tage macht den Zivis und zahlreichen weiteren Helfern aber noch zusätzlich zu schaffen.

Einer, der dem Wetter indes durchaus Positives abgewinnen kann, ist Hanspeter Müller. Er ist Co-OK-Präsident des Schwingfestes und für das Ressort Bau zuständig. «Bei nassem Wetter gäbe das hier eine gewaltige Schlammschlacht», sagt er. Bei der herrschenden Trockenheit können die Baumaschinen dagegen übers Feld fahren, ohne im Matsch zu versinken.

«Wir bauen ein Dorf»

Fünf Haupttribünen, drei Eck-, eine Medien- und eine Fernsehtribüne wird die Gotthelfarena umfassen. Dazu kommen mehrere Verpflegungszelte, ein Bar-, ein Bier-, ein Fest- und ein Helferzelt. Für die Lebendpreise, darunter Siegermuni Lenkor, wird sogar eigens ein Holzstall ge­zimmert. «Wir bauen hier eigentlich ein Dorf auf», sagt Hanspeter Müller.

Um das Material allein für die Tribünen aufs Gelände zu schaffen, waren rund 45 Sattelschlepperfahrten nötig. Die Baupisten, welche die Zufahrten auch bei allfällig schlechtem Wetter möglich machen, bestehen aus etwa hundert Lastwagenladungen Kies. «Alles in allem ein rechter Aufwand», sagt Müller. Ein rechter Aufwand allerdings – aber für immerhin rund 12'000 Gäste, die am 12. August zu erwarten sind.

Der Chef packt an

Während Hanspeter Müller das Festgelände zeigt, betätigt sich Bauleiter Kurt Beck als Staplerfahrer. Einer der Helfer ist kurzfristig ausgefallen, da darf sich der Chef nicht zu schade sein, selber anzupacken. Mit seinem Gerät hebt Beck an der Rückseite einer Tribüne jene Elemente auf die richtige Höhe, die als Halterung für das Tribünendach dienen.

Rund zwanzig Helfer, darunter einige Zivilschützer, haben sich eigens für den Aufbau der Gotthelfarena im Staplerfahren schulen lassen – eine Auflage der Unfallversicherung. Auch das wollte eingefädelt sein. Kein Wunder also, brauchten Organisation und Planung des Festes so viel Vorlaufzeit: Bereits Ende 2016 lagen die ersten Pläne fürs Festgelände vor, die seither laufend angepasst «und vor allem erweitert» wurden, sagt Müller.

Schichtbetrieb für den Sport

Die Aufbauarbeiten dauern insgesamt zwei Wochen. Nebst den vierzig Zivilschützern sind Profis des Tribünen- und Zeltbauers, andere Handwerker und zeitweise bis zu sechzig freiwillige Helfer im Einsatz – in Schichten von 7 Uhr früh bis 22 Uhr spät. Viele Helfer sind Mitglied einer der vier Trägervereine, aber auch sonstige Interessierte haben sich gemeldet. Selbst Käser Roman und Sempach Mat­thias, die am 12. August im Ring stehen werden, haben beim Aufbau bereits mit angepackt.

So wächst das Festdorf Pfosten um Pfosten, Träger um Träger, Blache um Blache. «Es ist schon ein enormer Aufwand für einen einzigen Wettkampftag», sagt Hanspeter Müller. Denn nach dem Schwingfest wird die gesamte Anlage innerhalb einer Woche wieder abgebaut und weggeschafft.

Und schon wenig später werden die Kühe, die üblicherweise auf der Wiese neben dem Schulhaus Utzenstorf grasen, aus ihrem Exil im Jura zurückkehren. Sie werden vom Fest selber natürlich nichts mitkriegen. Möglicherweise werden sie sich aber über den einen oder anderen Grashalm wundern, der nach Bier, Sägemehl oder Schweiss schmeckt.

Berner Zeitung

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