Fünf Gemeinden krempeln um

Gleich drei Oberstufenzentren werden im oberen Emmental geplant. In Zollbrück, Langnau und Trubschachen. Ein durchlässiges Modell bieten danach alle Sekundarschulen an, ausser jene in Signau.

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Susanne Graf

Es ist jetzt nicht so, dass im oberen Emmental eine Reformhysterie ausgebrochen wäre. Und es ist kein Zeichen besonderer Innovationslust, wenn fünf Gemeinden ihre Schulstrukturen für die Oberstufe anpassen wollen. Vielmehr gehören die Sekundarschulen Zollbrück und Langnau heute zu den letzten drei im Verwaltungskreis Emmental, die noch keinen durchlässigen Unterricht anbieten.

Das heisst: Oberstufenschülerinnen und -schüler der Gemeinden Rüderswil und Lauperswil besuchen den Unterricht in einem Realschulhaus, sofern sie den Sprung in die Sekundarschule in Zollbrück nicht schafften. Das Gleiche gilt für jene der Gemeinden Langnau, Trub und Trubschachen, deren Sekundarschule sich in Langnau befindet.

Nun soll aber auch in diesen Kommunen möglich werden, was die Erziehungsdirektion des Kantons Bern empfiehlt: dass Schüler in den Fächern Französisch, Deutsch und Mathematik die Möglichkeit haben, zwischen einem Unterricht auf Sek- oder Realniveau zu wählen. Die dritte von 15 Emmentaler Sekundarschulen, die den sogenannten durchlässigen Unterricht heute noch nicht kennt, ist jene in Signau (siehe Kasten).

Langnau hatte die Idee

Jetzt wird also in Zollbrück, Langnau und Trubschachen geplant. Der Gemeinderat von Langnau hat das als erster angeregt: Im Juni 2015 erteilte er der Schulkommission den Auftrag, mit Trub und Trubschachen ein gemeinsames Projekt zu prüfen. Es dauerte dann fast zwei Jahre, bis im März 2017 erste Workshops mit Vertretern aller drei Gemeinden stattfanden. Das Resultat war anders, als es sich der Langnauer Gemeinderat seinerzeit vorgestellt hatte: Nicht ein Zentrum für die Siebt- bis Neuntklässler aller drei Gemeinden in Langnau kristallisierte sich als Lösung heraus, sondern je ein Zentrum in Langnau und eines für Trub und Trubschachen in Trubschachen.

Anfang Jahr hat der Langnauer Gemeinderat nun eine Projektorganisation genehmigt, die den Auftrag hat, ein Oberstufenzentrum mit einem durchlässigen Schulmodell zu schaffen. Geleitet wird das Ganze vom ehemaligen Sekundarlehrer und Schulleiter Hansueli Hofmann. Im Mai will er mit einem Workshop starten, im Juni eine Begleitgruppe einrichten.

Mit dem neuen Modell sollte in Langnau am 1. August 2022, eventuell auch ein Jahr später, gestartet werden. Ob dafür neuer Schulraum gebaut werden müsse, hänge davon ab, welches Modell in Langnau genau gewählt werde, sagt Hofmann. Im Dorf ist ein Oberstufenzentrum für durchschnittlich 270 Schülerinnen und Schüler zu planen. Ob die neue Organisation die Schliessung von Aussenbezirksschulhäusern mit sich bringen wird, ist noch offen.

Zwei Gemeinden geben Gas

In Trub und Trubschachen bestehen keine Befürchtungen mehr, dass mit einem zentralen Unterrichtsort für Oberstufenschüler Schulstandorte gefährdet sein könnten. Ab der siebten Klasse werden zwar künftig auch alle Truber in Trubschachen unterrichtet. Hier entsteht ein Oberstufenzentrum für rund 80 Schülerinnen und Schüler. Doch im Gegenzug wird die Mittelstufe für beide Gemeinden in Trub zentralisiert. Obwohl über zwei Gemeinden hinweg geplant und organisiert werden muss, sind die Arbeiten hier schon deutlich weiter fortgeschritten als in Langnau.

Im Mai 2018 sagten beide Einwohnergemeindeversammlungen in einer Konsultativabstimmung fast einstimmig Ja zur Erarbeitung der neuen Schulplanung. Ende Jahr wird das Volk hier wie dort definitiv über den Zusammenschluss beider Schulen und die Gründung eines Schulverbands beschliessen. Bereits im August 2021 möchten die beiden Gemeinden ihr Oberstufenzentrum in Betrieb nehmen. «Mit grosser Wahrscheinlichkeit» könne dieser Termin eingehalten werden, zeigt sich Trubschachens Schulleiter Walter Guggisberg zuversichtlich, obwohl noch viel Arbeit vor der Arbeitsgruppe liege. «Ein zu langsames Tempo wäre aufwendiger, weil viele Themen immer wieder ‹wachgerüttelt› werden müssten.»

«Ein zu langsames Tempo wäre aufwendiger, weil viele Themen immer wieder ‹wachgerüttelt› werden müssten.»Walter Guggisberg Schulleiter in Trubschachen

Kommt hinzu, dass Infrastrukturgelder, die heute pro Sekundarschüler nach Langnau fliessen, eingespart werden können. Letzthin seien denn auch alle Eltern und Sechstklässler darauf hingewiesen worden, dass bei einem Übertritt in die Sekundarschule Langnau nach dem achten Schuljahr ein Wechsel in das Oberstufenzentrum Trubschachen erfolgen werde. Negative Rückmeldungen wären Guggisberg keine bekannt.

Sportlich bleibt der Zeitplan trotzdem. Auch wenn in Trubschachen der nötige Schulraum laut dem Schulleiter «mehrheitlich vorhanden» ist. Denn in Trub genügt er nicht. Dort soll die Gemeindeversammlung im Mai über einen Planungskredit befinden können.

Bauprojekt in Zollbrück

In den Gemeinden Rüderswil und Lauperswil laufen die Abklärungen schon länger. Dort haben beide Gemeinderäte im Mai 2017 beschlossen, ein durchlässiges Schulmodell einzuführen. Seit Ende 2017 wissen sie, dass der Platz im bestehenden Sekundarschulhaus nicht reichen wird. Ein Jahr später war klar, dass auf der gegenüberliegenden Strassenseite – direkt am Schultrakt mit der Aula – ein Neubau erstellt werden kann.

«Es wird sichweisen, wie es tönt, wenn es dann ums Geld geht.»Barbara Grosjean?Gemeinderätin in Lauperswil

Das heutige Sekundarschulhaus werde dann nicht mehr benötigt, sagt die Lauperswiler Gemeinderätin Barbara Grosjean. Aktuell ist eine Arbeitsgruppe daran, die Submission für die Auswahl des Architekturbüros durchzuführen. Laut Barbara Grosjean hofft man, Mitte 2020 über den Baukredit abstimmen zu können. In Lauperswil entscheidet das Volk an der Gemeindeversammlung, in Rüderswil an der Urne. «Uns war es von Anfang an wichtig, die Bevölkerung in alle Schritte einzubeziehen», sagt die Gemeinderätin. Die Aussicht auf ein durchlässiges Schulmodell werde allgemein begrüsst. «Aber es wird sich weisen, wie es tönt, wenn es dann ums Geld geht.»

Berner Zeitung

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