Trubschachen

Fromage für gehobene Ansprüche

TrubschachenAls Michael Fankhauser das Mauerhoferhaus in Trubschachen kaufen wollte, traute man seinen Plänen nicht recht. Jetzt verkauft er Käse unter der Marke Mauerhofer. Ihm zur Seite steht der Schweizer Werber des Jahres 2015.

«Limited by Nature». Michael Fankhauser und Curdin Janett (rechts) verkaufen in ihrem Onlineshop auserlesene Käsesorten.

«Limited by Nature». Michael Fankhauser und Curdin Janett (rechts) verkaufen in ihrem Onlineshop auserlesene Käsesorten. Bild: Olaf Nörrenberg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vor drei Jahren wollte Michael Fankhauser aus dem Mauerhoferhaus in Trubschachen ein «Käsemekka» machen. Von einer «Maison Emmental» schwärmte der Marketingberater. Und er sprach davon, dass er einen besseren Preis lösen könnte für die mit Goldmedaillen gekrönten Emmentaler, die in der Region produziert werden, dann aber in den anonymen Regalen der Grosserverteiler verschwinden.

Doch die Stimmberechtigten von Trubschachen schenkten ihr Vertrauen lieber dem einheimischen Michel Seiler und verkauften das geschichtsträchtige, denkmalgeschützte Gebäude ihm und nicht dem in Langnau aufgewachsenen und aus dem Ausland zurückgekehrten Mann mit den grossen Ideen.

Start in Burgdorf

Wer meint, Fankhausers Traum sei wie Schaum in sich zusammengefallen, sieht sich nun getäuscht. Inzwischen hat er zusammen mit Curdin Janett die Fromage Mauerhofer AG gegründet. Die Marke Mauerhofer hatte Fankhauser bereits schützen lassen, bevor klar war, dass er die ehemalige Käsehandlung in Trubschachen kaufen kann.

Aus dem, was einst ausgewählten Käsern der Region hätte zugutekommen sollen, wird nun eine «nationale Geschichte», wie es Fankhauser ausdrückt. Denn mit Curdin Janett fand der Emmentaler in Zürich einen Gleichgesinnten – einen Mann, der ebenfalls findet, man müsse dem Trend zur Industrialisierung etwas entgegensetzen und das traditionelle Käsereihandwerk erhalten. «Ich war schon immer ein Käsefan», sagt Janett. Und schon lange habe er davon geträumt, einmal selber etwas auf die Beine zu stellen.

Bislang hat er sein Geld als Werbeprofi verdient. 2015 wurde er gar zum Schweizer Werber des Jahres ausgezeichnet. Als CEO von Publicis Zürich hat Janett aus Orange Salt gemacht. Und jetzt verkauft er also zusammen mit Michael Fankhauser Käse. Über die gemeinsame, bald in Burgdorf domizilierte Firma – somit von dort aus, wo ab 1860 die Gebrüder Mauerhofer ihren Firmensitz hatten.

Ein Stall, ein Käse

Das Ziel der beiden Unternehmer ist es nicht, grosse Mengen abzusetzen, im Gegenteil: Sie lassen sich von der Natur Grenzen setzen. Der Zusatz «Limited by Nature» ergänzt ihren Markennamen. Die Milch für den Käse muss von artgerecht gehaltenen Kühen stammen, die täglich Auslauf haben und nichts als Gras und Heu fressen. Die zu Käse verarbeitete frische Rohmilch muss aus der Nähe der Käserei, aus einem Umkreis von höchstens zehn Kilometern, stammen.

Während die Milchbranche unzufrieden ist, weil der Richtpreis für die höchste Stufe bei 65 Rappen pro Kilo liegt, können die Bauern, die den Grundanforderungen der Fromage Mauerhofer AG entsprechen, mit mindestens 80 Rappen rechnen. Weitere 10 Rappen gibt es, wenn die Kühe noch Hörner tragen und weitere 10, wenn es sich um Biomilch handelt oder solche, die von einer vom Aussterben bedrohten Rasse stammt.

Glück hat nun zum Beispiel ein Landwirt aus Signau, der zwölf reinrassige Schweizer Braunviehkühe sein Eigen nennt. Aus ihrer Milch – respektive bloss aus jener, die am Morgen gemolken wird – stellt Anton Wyss in der Käserei Mutten extra für die Fromage Mauerhofer einen speziellen Hartkäse her. Er heisst «Einzelbauer». Das Rezept haben Fankhauser und Janett mit dem Käser gemeinsam ausgetüftelt.

Einem jeden seine Pflege

Die Laibe sind noch nicht bereit für den Verkauf, sie reifen gegenwärtig in Burgdorf heran. Denn hier hat Michael Fankhauser gefunden, was ihm in Trubschachen seinerzeit verwehrt wurde: einen Sandsteinkäsekeller. Der neue Besitzer des unter dem Namen Maison Pierre bekannt gewordenen Gebäudes, Tierarzt Beat Wampfler, vermietet der Fromage Mauerhofer einen Teil des Käsereifungslagers. Und der frisch pensionierte Käsermeister Rudolf Klötzli pflegt die Käse.

Aktuell sind es zwölf Sorten, jede braucht ihre eigene spezielle Behandlung, damit sie das gewünschte Aroma entwickelt. Darunter hat es etwa einen Ziegenkäse, der mit Most eingerieben werden will. Er heisst Kemmeriboden Geiss und stammt, wie es der Name verrät, aus Schangnau, fabriziert vom Bergbauern und Käser Fritz Oberli. Daneben gehört noch der Hüpfenboden-Käser Bernhard Meier aus Trubschachen zu den Emmentalern, die für die Marke Mauerhofer produzieren. Die übrigen Käse stammen aus anderen Regionen der Schweiz.

Die Käser machen mit

Auch der mehrfache «Swiss Cheese Award»-Gewinner Willi Schmid aus Lichtensteig gehört zum auserwählten Kreis der Lieferanten. Es freute Fankhauser und Janett, dass dieser erfolgreiche Käser, «der uns wirklich nicht nötig hätte», sofort bereit war, einen First-Class-Käse für die Marke Mauerhofer zu kreieren. Denn da hätte ihnen die schönste Idee nichts genützt, wenn die ­Käser nicht mitgemacht hätten. Aber ausnahmslos alle, die sie angefragt haben, hätten zugesagt, sagt Janett. Mit einem Kreis von Käseliebhabern und Freunden gründeten er und Fankhauser die Fromage Mauerhofer AG. Die Dividende besteht aus monatlichen Käselieferungen.

Langsam läuft der Betrieb an – über einen Onlineshop. Geschnitten, vakuumiert, verpackt und verschickt werden die Lieferungen von der BWO in Bärau, die geschützte Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen anbietet. Die ersten Lieferungen seien gut angekommen, sagt Janett. Dies, obwohl der Käse bei Temperaturen von über 30 Grad verschickt worden sei. Aber es habe sich bewährt, den Kartons ein Fläschchen tiefgefrorenes Mineralwasser beizulegen. «Als die Ware beim Kunden ankam, hatte er ein Fläschen Wasser, musste keinen Kühlbeutel entsorgen, und der Käse hatte die genau richtige Konsumtemperatur», sagt Fankhauser.

Während der frühere Marketingleiter von TAG Heuer seinerzeit an der Gemeindeversammlung in Trubschachen nicht überzeugen konnte, zog er die Erben des Holzschnittkünstlers Emil Zbinden auf seine Seite: Zum ersten Mal dürfen fünf der Zeichnungen aus der Hand des Illustrators der Gotthelf-Bücher zu kommerziellem Zweck verwendet werden, teilt Fankhauser erfreut mit. Die Enttäuschung darüber, dass er das Haus in Trubschachen damals nicht kaufen konnte, hat er deshalb längst verwunden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.07.2017, 09:37 Uhr

Artikel zum Thema

Die kleinen Ziegenböcke werden an Ostern aufgetischt

Lorenz Bärtschi aus Kriechenwil setzt auf Ziegenmilch und -käse. Aber damit Ziegen Milch geben, müssen sie Junge zur Welt bringen. Die Böcke unter ihnen landen als Ostergitzi auf dem Tisch. Mehr...

Fondue-Caquelon auf Reisen

Saanenland Der neue Botschafter der Schweizer Käse- und Picknickkultur im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main ist ein überdimensionales Fondue­caquelon und kommt aus dem Saanenland. Mehr...

Mehr als Käse und Biskuits

Ist das Emmental ein Ferienparadies? Die ­Region soll vermehrt als Etappenziel auf längeren Reisen vermarktet werden. Mehr...

Paid Post

Nachhaltig investieren lohnt sich

Bei Privatanlegerinnen und -anlegern ist nachhaltiges Investieren noch wenig verbreitet. Dabei bringt es einen doppelten Gewinn.

Kommentare

Blogs

Welttheater Hallo, schöne Frau …

Geldblog So nutzen Anleger den Wettbewerb

Die Welt in Bildern

Muss man tragen können: Eine Teilnehmerin posiert am Leipziger Wave-Gotik-Treffen in Deutschland. (20. Mai 2018)
(Bild: AP Photo/Jens Meyer) Mehr...