Lauperswil/Rüderswil

Fröhliches entlang der Emme

Lauperswil/RüderswilFliegende Fische, übergrosse Süssigkeiten und Schaufenster: Ein Spaziergang an der Emme zwischen Emmenmatt und Ramsei lohnt sich noch mehr als üblich: Schüler haben dort einen Kunstweg erschaffen.

Lehrer und Schüler waren froh um die Hilfe der Gemeindemitarbeiter. Bei diesem Objekt mussten
100 Pflöcke einen halben Meter tief in den Boden gerammt werden.

Lehrer und Schüler waren froh um die Hilfe der Gemeindemitarbeiter. Bei diesem Objekt mussten 100 Pflöcke einen halben Meter tief in den Boden gerammt werden. Bild: Olaf Nörrenberg

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Das gab es noch nie. Alle neun Schulen der Gemeinden Lauperswil und Rüderswil haben gemeinsam ein Projekt realisiert. Dabei handelt es sich nicht um ein Theater, ein Musical oder eine Ausstellung, sondern um einen Kunstweg entlang der Emme. Am Mittwochmorgen wurde der Weg offiziell eröffnet.

Der Andrang war riesig: Über 600 Personen fanden sich vor der Turnhalle des Sekundarschulhauses in Zollbrück ein: Kindergärteler, Schüler, Eltern und Lehrer.«Ist das jetzt Kunst, was wir gemacht haben?» Diese Frage habe ihr ein Schüler gestellt, erzählte die Lehrerin Joke Blaser in ihrer Eröffnungsrede.

Alles, was Menschen herstellen würden, sei Kunst, habe sie dem Jungen geantwortet. Wie vielfältig, farbig, süss und fantasievoll von Menschhand Geschaffenes sein kann, zeigt sich anhand der 28 Exponate, die nun auf einer Strecke von rund sieben Kilometern entlang der Emme zwischen Emmenmatt und Ramsei aufgestellt sind.

Pfosten weisen den Weg

Nach der offiziellen Eröffnung machten sich Schüler und Lehrer auf den Weg, um jeweils ein Stück des Weges abzuschreiten respektive abzufahren. Denn damit nicht alle 600 bei den gleichen Kunstwerken begannen, hatten einige ihre Velos dabei. Christina Berger, Lehrerin in Rüderswil, begleitete die Fünft- und Sechstklässler in Richtung Emmenmatt. «Unsere eigenen Werke befinden sich zwar in der Gegenrichtung», sagte sie. «Doch wie die aussehen, wissen wir ja.»

So bewegte sich die übersichtliche Gruppe Richtung Bahnhof, um nach dem Tea-Room Liechti nach rechts auf den Däntsch abzubiegen. Ein weisser Pfosten am Wegrand fällt auf. «Gemeindemitarbeiter haben mit Pflöcken den ganzen Rundgang ausgeschildert», erklärte Christina Berger, als sie mit ihren Schülern das Objekt Nummer 14 erreichte. Es trägt den Titel «Erde-Wasser-Luft». In drei Schaukästen haben die Sekundarschüler die drei Elemente dargestellt.

«Wir waren frei in der Wahl der Themen», erklärte die Lehrerin, die mit der eigenen Klasse in monatelanger Arbeit die Werke «Schlaraffenland» und «Fliegende Fische» realisiert hat. Wie der letztgenannte Titel vermuten lässt, muss der Betrachter den Kopf in den Nacken legen, um die Schuppentiere bei Kunstwerk Nummer 23 zu entdecken. Hingegen beim Schlaraffenland fliegen ihm die übergrossen Süssigkeiten fast in den Mund.

Zwei Tage dauerte das Installieren des Kunstweges. Nebst den Lehrern und Schülern haben auch Gemeindemitarbeiter mit angepackt. «Wir waren froh um diese Hilfe», betonte die Lehrerin Brigitte Baumann. Denn beispielsweise bei Kunstwerk 17, dem Projekt der Schule Than, galt es, rund 100 Pflöcke einen halben Meter tief in den Boden zu ­rammen.

Ein inspirierender Kurs

Die Idee für den Kunstweg hatte Brigitte Baumann zusammen mit drei Arbeitskolleginnen vor eineinhalb Jahren. Inspiriert wurden sie beim Besuch eines Weiterbildungskurses für Gestaltung. Baumann, die in Mungnau unterrichtet, konnte noch weitere Kolleginnen für das Projekt begeistern, und so gründeten diese eine siebenköpfige Spurgruppe. Es folgten Abklärungen mit den Gemeinden, Sponsoren wurden gesucht und die Strecke festgelegt. Anschliessend mussten die Plätze zum Montieren der einzelnen Objekte festgelegt werden, was die Bewilligung der jeweiligen Landbesitzer erforderte.

Die Emmeschlange entsteht

«Denn die Werke dürfen nicht zu nahe an der Emme stehen, der Fluss ist unberechenbar», gibt Brigitte Baumann zu bedenken. Um genau diese Unwägbarkeit symbolisieren zu können, hatte sich die Spurengruppe für den Eröffnungsanlass etwas besonderes einfallen lassen: Sie buchte Toni Flückiger mit seiner Motorsäge. In Anlehnung an die «Wassernot» – eine Geschichte über das Hochwasser im Emmental, in der Jeremias Gotthelf von der Emmeschlange schreibt – fertigte der Künstler unter den Augen der 600 Anwesenden mit seiner Motorsäge aus einem Holzstück eine Schlange an. «Die Skulptur werden wir während der ganzen Ausstellungszeit bei der Brücke in Zollbrück aufstellen», versprach Baumann.

Der «Kunstweg an der Emme» bleibt bis am 31. Oktober bestehen. Eine Versteigerung der Objekte sei nicht geplant. «Bestimmt wird einigen Werken das Wetter zu schaffen machen», sagte Brigitte Baumann. Die Objekte, die den Sommer gut überstehen werden, könnten später auf den Pausenplätzen der jeweiligen Schulhäuser aufgestellt werden.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 07.05.2016, 08:03 Uhr

Ein Beispiel kunterbunter und verspielter Kunst. (Bild: Olaf Nörrenberg)

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