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Freunde und Gegner zugleich

Trotz rückläufiger Popularität des Waffenlaufs starten am Samstag wieder Wehrsportler am Burgdorfer Herbstlauf. Warum die Sportart noch lange nicht veraltet und die Stimmung kollegial ist – drei Athleten berichten.

Zusammen haben sie rund 800 Waffenläufe in den Beinen und knapp fünf Tonnen Gewicht auf dem Buckel: Ernst Sommer, Kurt Voramwald und Paul Gfeller (von links).
Zusammen haben sie rund 800 Waffenläufe in den Beinen und knapp fünf Tonnen Gewicht auf dem Buckel: Ernst Sommer, Kurt Voramwald und Paul Gfeller (von links).
Thomas Peter

Obwohl der Burgdorfer Waffenlauf erst 2013 im Rahmen des Herbstlaufs ins Leben gerufen wurde, ist er für Ernst Sommer, Paul Gfeller und Kurt Voramwald kaum mehr wegzudenken. Die gut 16 Kilometer lange Route führt über «schönste Feld- und Wiesenwege quer durchs Emmental», schwärmen die drei Wehrsportler. Rennen doch heute alle mit leichter Hightechsportkleidung in knalligen Farben durch die Gegend, erstaunt es doch etwas, dass es immer noch solche gibt, die im tarnfarbenen Kämpfer an Waffenläufen teilnehmen.

Denn die Geburtsstunde des Schweizer Waffenlaufs schlug vor über hundert Jahren, 1916, am Armeegepäckmarsch in Zürich. Seither hat sich vieles getan, und der rein militärische, aus­serdienstliche Lauf hat sich zu einer eigenständigen, wettkampforientierten Sportart entwickelt. Während es zu seiner Blütezeit Mitte der 70er- bis Ende 80er-Jahre zwölf Waffenläufe pro Saison gab, werden heute nur noch neun durchgeführt. Noch dramatischer sieht es bei der Teilnehmerzahl aus: Waren es 1982 einmal knapp 10 000 Personen, die an der Jahresmeisterschaft teilnahmen, sind es heute nur noch etwa 800 Läufer.

Wochenlang im Tarnanzug

Trotz den rückläufigen Zahlen sind sich die Emmentaler Waffenläufer Ernst Sommer, Kurt Voramwald und Paul Gfeller sicher, dass die Urschweizer Sportart noch lange nicht «von gestern» ist. «Meinen ersten Waffenlauf habe ich in der RS gemacht», beginnt Kurt Voramwald zu erzählen. Damals sei die Auswahl an Sportarten halt nicht so gross gewesen, und für den Vereinssport hätte er dazu noch vom Heimisbach nach Sumiswald gehen müssen. «So kam es, dass ich sogar meine freien Wochenende im Militärtenü verbrachte», fügt der 64-Jährige an.

«Jeder hat eine ­riesige Achtung vor der erbrachten Leistung seiner Mitstreiter.»

Kurt VoramwaldWaffenläufer

Seither ist Laufen ein fester Bestandteil in seinem Leben. Er nimmt jährlich an allen neun Schweizer Waffenläufen teil. Diesen Samstag kann Kurt Voramwald in Burgdorf sogar ein Jubiläum feiern – nämlich nichts Geringeres als seinen 400. Waffenlauf. «Das schaffen nicht etwa viele», versichern Paul Gfeller und Ernst Sommer, es gäbe nur etwa fünf Läufer, die diese Marke schon geknackt hätten.

«Kilometer fressen»

31 Jahre alt war Paul Gfeller, als er erstmals mit Tarnanzug durch die Gegend rannte. Heute nimmt er jedes Jahr an sieben Läufen teil, denn so viel braucht es, um bei der Jahresmeisterschaft mitmischen zu können. Insgesamt habe er nun 238 Waffenläufe auf dem Buckel, sagt Paul Gfeller. Wortwörtlich, trägt ein Wehrsportler doch eine Packung bestehend aus einem Kampfrucksack inklusive Waffe von mindestens 6.2 Kilogramm Gewicht.

Auf die Frage, ob es ein Erfolgsrezept gibt, antworten die drei einstimmig: «Kilometer fressen», das sei ihre Strategie. «Da kommt man schon mal über 100 pro Woche», sagt der Sumiswalder Landwirt Paul Gfeller. Trainiert wird ohne Packung, «das Gewicht würde den Gelenken zu fest schaden», sagt Ernst Sommer, Präsident des Laufteams Emmental, das den Event am Samstag organisiert. Nebst zahlreichen Laufeinheiten fahre er viel Velo. Auch Peter Gfeller tritt, neben Lauf- und Krafttraining, einmal wöchentlich in die Pedale.

Verfüge man aber nicht über ausreichend Lauferfahrung, sei diese Art von Wehrsport qualvoll. «Man muss wissen, wie man die Strecke einteilen will», sagt Sommer, denn habe man beim Waffenlauf keine Kraft mehr, sei es, als «seckle man obsi». Oft komme es auch zu Blasen an den Füssen und Schürfungen am Rücken durch die Packung.

Die Summe macht es aus

Neben der Freude am Laufen sei die treibende Kraft das ganze Drum und Dran: Das gemeinsame Reisen, der langjährige Kontakt zu den anderen Läufern und die Festwirtschaft nach dem Lauf machen es also aus. Ausserdem: «Der Waffenlauf ist geprägt von Respekt, Chancengleichheit und Kameradschaft», sagt Ernst Sommer. Dadurch, dass die Sportart für alle Hobby und nicht Beruf sei, hätten alle dieselben Chancen. «Jeder hat eine riesige Achtung vor der erbrachten Leistung seiner Mitstreiter», sagt Kurt Voramwald, auch vor dem Letztplatzierten, «der war ja schliesslich am längsten unterwegs», fügt Ernst Sommer an. Trotz Konkurrenz wird Paul Gfeller an den Läufen von der Familie eines Thurgauer Wehrsportlers verpflegt. Man kenne und unterstütze sich gegenseitig, sagt er. Anders als bei zivilen Läufen gäbe es so auch keine Gruppen, die sich aufgrund ihrer Leistung zusammenschliessen und absondern. «Unterwegs sind wir Gegner, neben der Laufstrecke Freunde», und da spiele das Resultat keine Rolle.

An ein Karriereende scheinen die drei Emmentaler Waffenläufer nicht zu denken: Am Samstag starten Paul Gfeller und Kurt Voramwald im Tarnanzug am Burgdorfer Herbstlauf, während Präsident und Organisator Ernst Sommer Ausrüstungen kontrolliert und Geschenke für die Sieger und Jubilare bereitstellt.

35. Herbstlauf Burgdorf:Sa, 21. Oktober 2017; Anmeldung möglich unter www.laufteam-emmental.ch.

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