Findet den Mörder!

Wer hat Pierre Salzmann auf dem Gewissen? Wer den Täter überführen will, muss mit einem Smartphone bewaffnet durch Utzenstorf streifen und elf Schauplätze aufsuchen. David Baumgartner hat einen interaktiven Erlebniskrimi geschaffen, der Spass macht.

Mit dem Smartphone auf Spurensuche in Utzenstorf: Krimispass-Erfinder David Baumgartner tippt eine Zahlenkombination ein.

Mit dem Smartphone auf Spurensuche in Utzenstorf: Krimispass-Erfinder David Baumgartner tippt eine Zahlenkombination ein.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Der Schönheitschirurg Pierre Salzmann ist tot. Er wurde er­mordet. Doch von wem? Das müssen Sie selbst herausfinden. Denn bei diesem Kriminalfall sind Sie der Kommissar. Nur wenn Sie auf einem Rundgang durch Utzenstorf alle Puzzleteile richtig zusammenfügen, Aussagen und Hinweise richtig deuten, können Sie den Täter oder die Täterin entlarven. Dass das auch für Nicht-Krimi-Erprobte möglich ist, zeigt sich daran, dass die Schreibende am Ende – mithilfe eines Partners – richtig tippte, wie 60 Prozent der Leute, die bisher den Mörder jagten. Aber ganz leicht ist es nicht.

Eines der kleinen Schilder mit dem Code, der auf eine Website mit Informationen zum Mordfall führt. Bild: Olaf Nörrenberg

Es empfiehlt sich, Notizen zu machen. Der 38-jährige Informatiker und Krimifan David Baumgartner aus Thun hat einen interaktiven Erlebniskrimi entwickelt. Seit diesem Frühling kann jeder in die Rolle des Ermittlers schlüpfen und sich auf Spurensuche durchs Dorf begeben: Sei es aus Freude an Krimis und am Rätseln oder einfach für einen Ausflug mit Freunden oder der Familie. «Krimispass Swiss» nennt sich das Ganze, ist gratis, dauert ungefähr zwei Stunden – und macht tatsächlich Spass. Voraussetzung ist ein internetfähiges Smartphone.

So funktionierts

Wenn man sich auf der Krimispass-Homepage für Utzenstorf anmeldet, erhält man ein Mail mit den Koordinaten der insgesamt elf Schauplätze, die im Dorf verteilt sind. Kleine Tafeln mit einem fünfstelligen Zahlencode oder einem QR-Code verweisen auf die entsprechende Website. Die dort enthaltenen Informationen, Fotos und Audionachrichten bringen einen Stück für Stück der Lösung des Falls näher.

Am ersten Posten erfährt der Hobbydetektiv, was passiert ist: Ein Spaziergänger fand im Dorf die Leiche des weitherum bekannten Schönheitschirurgen Pierre Salzmann. Schnell ist klar: Der Mann wurde umgebracht. Wie genau, bleibt zunächst im Dunkeln. Fünf Verdächtige aus dem Umfeld des Ermordeten kommen für die Tat infrage. Sie alle haben ein Motiv. Sie alle beteuern ihre Unschuld. Da im Verlauf der Ermittlungen immer wieder ein anderer Verdächtiger in den Fokus rückt, bleibt es spannend bis zum Schluss.

Los gehts

Wer den Schuldigen überführen will, muss alle Standorte im Dorf abgehen. Der erste Schauplatz befindet sich am Bahnhof Utzenstorf, ennet den Gleisen. Dann geht es weiter die Hauptstrasse entlang, durch ein idyllisches Quartier bis zum Schloss Landshut – und wieder zurück ins Dorf, zu Wirtshaus, Werkstattladen, Drogerie und Bäckerei. Wer Täter, Mordwaffe und Tatzeit gefunden zu haben glaubt, kann einen Tipp abgeben und erhält ein Mail mit der Auflösung inklusive einer Erklärung zu allen Hintergründen des Verbrechens. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Auch andernorts

Als Auswärtiger bekommt man bei diesem Erlebniskrimi für einmal mehr von Utzenstorf zu sehen als nur das freilich unbestritten sehenswerte Schloss Landshut. Doch die Geschichte ist nicht explizit an Utzenstorf gebunden, der Salzmann-Krimi lässt sich auch in anderen Dörfern spielen; so derzeit in Münsingen und Laupen. Dafür kann Erfinder David Baumgartner die Story jederzeit abändern oder gänzlich einen neuen Fall erfinden, ohne die Tafeln auswechseln zu müssen. Für alle drei Ortschaften zusammen sind laut Baumgartner seit diesem Mai über fünfhundert Registrationen eingegangen. Da die meisten Kriminalisten in Gruppen unterwegs sind, schätzt er, dass über tausend Personen bisher den Rundgang ausprobierten.

Wie es dazu kam

Die Idee kam Baumgartner 2013, als er an einem organisierten Kriminalwochenende teilnahm. «Ich dachte mir, einen interaktiven Krimi, der das ganze Jahr über rund um die Uhr und individuell draussen gespielt werden kann, gibt es noch nirgends», erzählt der Informatiker. So entschloss sich der bis dato im Schreiben Unerfahrene, die Sache in die Hand zu nehmen.

«Ich dachte mir, einen interaktiven Krimi, der das ganze Jahr über rund um die Uhr draussen gespielt werden kann, gibt es noch nirgends.»David Baumgartner

In Kehrsatz, seinem damaligen Wohnort, entwarf er das erste Outdoor-Abenteuer. «Krimi in a Box» hatte Erfolg. Ein Jahr später realisierte Baumgartner mit «Mord am Thunersee» eine Krimifortsetzung und 2015 eine Schatzsuche à la «Indiana Jones» auf dem Thuner Schlossberg.

Dann fragte ihn die Regionalkonferenz Bern-Mittelland an, ob er sich ein weiteres Projekt vorstellen könnte. Baumgartner konnte, der Krimispass entstand. Gut vier- bis fünfhundert Stunden seiner Freizeit hat der Thuner freiwillig für die Umsetzung des Projekts aufgewendet – vom Schreiben über das Programmieren bis zu Meetings. Sein Lohn seien die vielen positiven Feedbacks, sagt er. Natürlich sei er auf Sponsoren angewiesen. Sein Ziel sei, auch in anderen Orten, sogar über die Kantonsgrenze hinweg, solche Krimiabenteuer zu lancieren.

Der Link zum Krimiabenteuer in Utzenstorf findet sich auf: www.krimispass.ch/utzenstorf

Berner Zeitung

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