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Feuer und Flamme für moderne Möbel

Einst wurden in der Schmiede in Hindelbank Pferde mit Hufen beschlagen und eiserne Reifen für Wagenräder hergestellt. Jetzt produziert die vierte Generation der Familie Althaus dort moderne Möbel aus Stahl.

Wo ihre Vorfahren Pferde beschlagen haben, stellen Michael und Thomas Althaus heute moderne Dinge aus Eisen her.
Wo ihre Vorfahren Pferde beschlagen haben, stellen Michael und Thomas Althaus heute moderne Dinge aus Eisen her.
Beat Mathys

An der Decke hängen fein säuberlich aufgereiht Hunderte von Hufeisen. Gleich neben der Esse, der offenen Feuerstelle mit handangetriebenem Blasbalg, sind eiserne Ambosse ein Blickfang. Die Gegenstände sind Zeugen längst vergangener Zeiten und doch aktuell.

Dort, wo ab 1922 einst Franz Althaus die Schmiede Hindelbank betrieben hat und über offenem Feuer Hufeisen für Pferde und eiserne Reifen für Wagenräder geschmiedet hat, fällt ein moderner Tisch aus Stahl auf. Der Tisch und die im Ursprung belassene Schmiede sind heute Besprechungs- wie auch Ausstellungsraum der vierten Generation der Familie Althaus. Seit rund eineinhalb Jahren sind dort mit Michael und Thomas Althaus die Urenkel des einstigen Gründers am Werk. Die Werkstätte nennt sich seither Schmitte GmbH.

Weg vom Wegwerfen

«Schmitte tönt authentisch berndeutsch», sagt Thomas Althaus. Der 38-jährige Familienvater hat das Handwerk Metallbauschlosser von Grund auf gelernt und mit seinem drei Jahre jüngeren Cousin Michael den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Und auch gleich eine Philosophie kreiert. «Abgrenzen von der Wegwerfgesellschaft», umschreibt diese Michael Althaus. Der Zweite im Bunde hat sieben Jahre in den USA gelebt und dort ein Studium für Filme, Bilder, Kamera und Licht absolviert. «Mit Schmieden und Schlossern hatte ich bislang nicht viel am Hut», sagt er. Im Zweierteam ist er nun Designer und Entwickler am Computer.

Mit Abgrenzen von der Wegwerfgesellschaft meinen die beiden ihre eigenen Kreationen. Hergestellt in der Schmiede des Urgrossvaters. Geschmiedet wird indes nicht mehr mittels Esse und Amboss. In einem Nebenraum haben sich die beiden eine moderne Werkstätte eingerichtet. Dort entstehen derzeit eigens kreierte Stahlmöbel, vorab für den Aussenbereich. So etwa ein multifunktionaler Grill in Würfelform, in dessen Mitte ein Feuer brennt und auf dessen Ablagefläche rundherum zum Beispiel Fleisch, Fisch, Gemüse oder Früchte gar werden.

Tüftler und Entwickler

An dessen Entwicklung haben die beiden lange getüftelt. «Wir haben fünf Grills gebaut, bis ein marktfähiges Produkt, das unserer Philosophie entspricht, entstanden ist», erklärt Thomas Althaus. Mittlerweile sind in der Schmitte Holzgestelle, Pflanzengefässe oder Beistelltische wie auch aussergewöhnliche Lampen hergestellt worden, die den Weg zu Kunden erst noch finden müssen.

«Wir haben fünf Grills gebaut, bis ein marktfähiges Produkt entstanden ist.»

Thomas Althaus?Schmied in vierter Generation

«Für uns steht nicht der maximale Gewinn im Vordergrund, wir wollen Produkte herstellen, die nachhaltig sind, uns selber faszinieren und dem Kunden Freude bereiten», sagt der Metallbauer.

Start an Familientreffen

Begonnen hat die Geschichte der beiden übrigens an einem Familientreffen. Um zwei Uhr in der Früh, nach dem Wechsel in ein neues Jahr sei der Entscheid gefallen, der Schmiede im Familienbesitz neues Leben einzuhauchen. Denn 1988 wurden dort zum letzten Mal Pferdehufe geschmiedet. Seither stand sie still. Die Räumlichkeiten dienten der Familie vorab als Lager- und Abstellkammer.

Dank der Unterstützung der beiden Väter Peter und Andreas Althaus, Besitzer der Liegenschaft, sei es gelungen, den am Familientreffen geschmiedeten Plan in die Tat umzusetzen.

Ziel der beiden ist es, in diesem Jahr mit ihren Kreationen aus der Schmitte in Hindelbank Kunden zu überzeugen, «damit wir unseren Lebensunterhalt bestreiten können», sagt Thomas Althaus. Vorerst werden die Produkte über wenige Landschaftsgärtner vertrieben. Auftritte an Messen sind kein Thema. «Den persönlichen Charme der Schmitte wollen wir nicht in der Masse untergehen lassen», sagt er.

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