Euphorisch in die Radarfalle

Koppigen

11'000 Franken und ein «Bedingter» für 10 Sekunden Leichtsinn: seine Raserei kommt einen Töfffahrer teuer zu stehen.

Johannes Hofstetter

Mit inoffiziellen Rennpisten kennt sich Staatsanwalt Sandro Righetti offenbar aus: die Strasse zwischen Kirchberg und Oeschberg sei wegen ihrer Länge und Übersichtlichkeit «eine der gäbigsten Strecken für Schnellfahrer», sagte er vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau. Von diesen Bedingungen wollte auch ein Deutscher profitieren: er raste mit seinem schweren Motorrad ausserhalb von Koppigen mit 156 Stundenkilometern – und damit fast doppelt so schnell wie erlaubt – in eine am Wegesrand aufgestellte Radarfalle.

Statt nach Ausflüchten für den Tempoexzess zu suchen, räumte der Mann vor Einzelrichter Samuel Schmid am Donnerstag ein, aus lauter Euphorie über seinen neuen Job «nicht viel nachgedacht» zu haben, als er am Gashahn drehte. Auch der Pflichtverteidiger beschönigte nichts: sein Klient habe an jenem Tag «ein äusserst gefährliches Fahrverhalten an den Tag gelegt».

Der Staatsanwalt konstatierte in seiner Anklageschrift, der Beschuldigte habe die zulässige Höchstgeschwindigkeit «in besonders krasser Weise missachtet» und sei «das hohe Risiko eines Unfalles mit Schwerverletzten oder Todesopfern» eingegangen. Während der gestrigen Verhandlung fügte er an, dem Angeklagten müsse zugute gehalten werden, dass er sich von Anfang an einsichtig gezeigt und während des gesamten Verfahrens kooperativ verhalten habe.

Weil der Mann das ihm vorgeworfene Delikt nicht bestritt und sich die Parteien schon vor der Verhandlung auf ein Strafmass geeinigt hatten, konnte Schmid den Fall in einem sogenannt «abgekürzten Verfahren» erledigen. Er verurteilte den 30-Jährigen wegen qualifizierter grober Verkehrsregelverletzung wie vereinbart zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten, einer unbedingten Geldstrafe von 4800 Franken und zur Übernahme der Verfahrenskosten von 4000 Franken.

Mit Blick auf die noch anstehenden Auslagen für das Wiedererlangen des Fahrausweises rechnete Schmid dem reuigen Raser zum Abschluss des Kurzprozesses vor, dass er «für zehn Sekunden Leichtsinn» mit total rund 11'000 Franken zur Kasse gebeten werde.

Berner Zeitung

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