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Es wurde Licht im Tal der Grünen

Mit der Nutzbarmachung des elektrischen Stroms begann die Entwicklung unseres Jahrhunderts, und das ist noch gar nicht so lange her. Das ehemalige Wasserkraftwerk in der Oberei ist ein Zeitzeuge.

Bernhard Mändli posiert vor seinem Haus, einem ehemaligen Wasserkraftwerk in der Oberei in Wasen. Foto: Christian Pfander
Bernhard Mändli posiert vor seinem Haus, einem ehemaligen Wasserkraftwerk in der Oberei in Wasen. Foto: Christian Pfander

Wasen, das Dorf zuhinterst im Tal der Grünen, war seit jeher offen für den Fortschritt. Während Sumiswald 1900 eine «Licht-Kommission» zur Beschaffung elektrischer Energie einsetzte, die 1904 den Anschluss ans Kander- und Hagneckwerk (später BKW) feierte, ging Wasen eigene Wege. So steht es in der Sumiswalder Dorfchronik zu lesen. Der Fabrikant Eduard Steimer errichtete an Hornbach und Grünen Kleinwasserkraftwerke und erzeugte damit eigenen Strom für seine Pflug- und Maschinenschmiede, wie auch für den ganzen Ort. Fast gleichzeitig mit der «grossen Schwester» Sumiswald gingen in Wasen die Lichter an.

Auf Spurensuche

Das Haus steht, fast unsichtbar ins Grüne eingebettet, an der Strasse gegenüber der Bushaltestelle Oberei. Hier wohnt seit 33 Jahren der Sekundarlehrer Bernhard Mändli. Mit seiner Pensionierung begann er, sich mit der geschichtsträchtigen Vergangenheit seines Hauses zu beschäftigen, sammelte Pläne und alte Aufnahmen des ehemaligen Wasserkraftwerks.

Denn das war sein Heim ursprünglich, auch wenn er beim Einzug damals wenig Spuren davon mehr fand. Nur: «Eine riesige, eiserne Röhre lag hinter dem Haus, und das Wohnzimmer, als ehemaliger Maschinenraum, war unnatürlich hoch», erinnert er sich. Die Wohnung des Werk-Aufsehers lag einst im Obergeschoss, eine eiserne Aussentreppe führte hinauf. Auch gab es statt eines Kellers im Untergeschoss ein drei Meter tiefes Verlies.

Dieses Bild vom Haus in der Oberei entstand 1910. (Bild: PD)
Dieses Bild vom Haus in der Oberei entstand 1910. (Bild: PD)

Aus der tonnenschweren Röhre machte Mändli eine grüne Insel in seinem Teich, und die Stube bekam eine künstliche Decke. Natürlich rauscht nach wie vor der Bach vor der Haustür vorbei, die Grünen.

Es funktionierte

Weil die Grünen wenig Gefälle aufweist, hatte man im rückwärtigen Hang Rückhaltebecken errichtet. Von hier schoss das Wasser mit Druck in die tieferliegenden Turbinen. 45 PS oder 33 kWh erzeugte der damalige Generator, später wurde die Leistung erhöht. Es funktionierte, jedenfalls meistens. Aber statt Dank und Anerkennung erntete der Betreiber gehässige Briefe und Reklamationen, wegen Stromschwankungen und Netzpannen. Auch von Vandalismus wurde er nicht verschont. Immerhin schaute, laut Sumiswalder Chronik, ein Reingewinn heraus. «Ursprünglich zahlte man einen Tarif pro Lampe im Haus» weiss Mändli. 1913 wurden die Kohlefadenlampen mit Metallfäden ausgerüstet, und 1917 übernahm die Gemeinde das Steimer-Netz. Der Strombedarf stieg stetig, 1924 baute man das Netz auf 220/380 Volt um, und verrechnete, statt des Pauschaltarifs, den mit einem Zähler gemessenen Verbrauch, so wie heute.

Zum Vergleich: 1905 benötigte die Gemeinde 35 kW an elektrischer Leistung – hundert Jahre später sind es zu Spitzenzeiten bis zu 9000 kW.

Heute eine Idylle

Längst wird im Haus kein Strom mehr produziert. Das Grün umwuchert die alten Mauern, leise rauscht der Bach, die Vögel hüpfen von Zweig zu Zweig. «Auf der Wiese besuchen mich Rehe, Fuchs und Hasen», freut sich der Hausherr. Die Technik ist verschwunden, die Natur hat sich den Platz zurückerobert.

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