Zum Hauptinhalt springen

Erste «langsame» Stadt der Schweiz

20 Jahre ist es her, seit in der Emmestadt die Begegnungszone mit Fussgängervortritt und Tempo 20 für Autos lanciert wurde. War anfangs die Kritik laut, machte das Burgdorfer Modell schon bald landesweit Schule.

Fussgänger zuerst: In der Begegnungszone müssen die Autofahrer stärker Rücksicht nehmen als anderswo.
Fussgänger zuerst: In der Begegnungszone müssen die Autofahrer stärker Rücksicht nehmen als anderswo.
Andreas Marbot

Ein Fussgänger überquert die Lyssachstrasse vor dem Geschäftshaus Neumarkt, wohl auf dem Weg zum Einkaufen. Dabei ist er ganz mit seinem Mobiltelefon beschäftigt, schaut nicht auf die Strasse, achtet nicht auf den Verkehr. Die Autofahrer bremsen wie selbstverständlich, hupen nicht. Diese und ähnliche Situationen lassen sich täglich mehrmals beobachten. Sie zeigen einerseits, dass sich die Fussgänger längst an ihren Vortritt gewöhnt haben. Und andererseits, dass sich die Autofahrer nicht mehr über Gebühr darüber auf­regen.Das war vor 20 Jahren anders. Damals wurde auf dem Abschnitt Bahnhofstrasse-Lyssachstrasse die erste Begegnungszone der Schweiz eingeführt. «Das war ein heisses Thema», sagt der Burgdorfer Baudirektor Peter Hänsenberger rückblickend. Die Stadt Burgdorf nahm damals im Rahmen des Labels Velo- und Fussgängermodellstadt landesweit eine Pionierrolle ein. Kernprojekt war die erwähnte Einführung einer Flanierzone, wie man sie dazumal nannte. Auf einem speziell signalisierten Abschnitt sollten die Fussgänger Vortritt haben und die Autos nur mit 20 Stundenkilometern unterwegs sein dürfen. Das Bundesamt für Strassen (Astra) und das Gewerbe kritisierten das Vorhaben teilweise scharf. «Das Astra war gar nicht begeistert und liess uns wissen, dass beim ersten noch so kleinen Unfall der Pilotversuch abgebrochen werden würde», erinnert sich Hänsenberger, der das Projekt als damaliger Stadtplaner an vorderster Front begleitete.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.