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Er macht aus Mani Matters Liedern Comics

Silvan Zurbriggen hat einen ganz eigenen Zugang zum berühmtesten Schweizer Liedermacher gefunden: Er bringt Songs von Mani Matter auf Papier. Der Berner Grafiker und Illus­trator stellt seine Motive jetzt im Krummholzbad aus.

Mani Matters künstlerisches Schaffen interessierte Silvan Zurbriggen schon in seiner Kindheit. Mittlerweile hat er Illustrationen für ein Matter-Liederbuch beigesteuert und kann seine Ein-Seiten-Comics über Matter-Songs ausstellen.
Mani Matters künstlerisches Schaffen interessierte Silvan Zurbriggen schon in seiner Kindheit. Mittlerweile hat er Illustrationen für ein Matter-Liederbuch beigesteuert und kann seine Ein-Seiten-Comics über Matter-Songs ausstellen.
Marcel Bieri

Mani Matters Lieder sind Kulturgut. Fast jeder Schweizer hat irgendeinen Bezug zum Berner Liedermacher – sei es, weil er die Lieder aus der Kindheit oder der Schulzeit kennt, oder sei es schlicht, weil er sie immer wieder irgendwo hört.

Seinen ganz eigenen Bezug zum Troubadour hat sich der ­30-jährige Berner Silvan Zurbriggen geschaffen. Er zeichnet Comics von Mani-Matter-Songs. Nicht mehrseitige, sondern sogenannte One-Page-Comics. Auf einer Seite gibt er die Geschichte des Liedes wieder – oder zumindest Teile davon. Einige dieser gezeichneten Matter-Songs werden derzeit von der Simon-Gfeller-Stiftung im Krummholzbad in Heimisbach ausgestellt.

Die Idee entstand wegen ­seiner Masterarbeit

Zurbriggen sagt gleich zu Beginn des Treffens im Ausstellungsraum, die Zeichnungen seien seine eigenen Interpretationen der Texte. «Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, seine Lieder zu interpretieren oder künstlerisch umzusetzen.» Wobei sich Zurbriggen ohnehin nicht als Künstler sieht. «Ich bin Illustrator. Wenn schon, dann war Mani Matter der Künstler», sagt er und lacht.

Die Idee für die Ein-Seiten-Comics von Matter-Liedern entstand im Rahmen seiner Masterarbeit an der Hochschule Luzern. One-Page-Comics, die ihren Ursprung in amerikanischen Satiremagazinen und Zeitungen haben, interessierten ihn schon lange. Zuerst wollte er eigene Geschichten grafisch so umsetzen.

Mindestens so lange wie die Comics fasziniert ihn auch die Musik des Berner Troubadours. Schon als Kind habe er sich Matters Platten angehört – und dabei stundenlang die Illustrationen auf den Innenseiten der Plattenhüllen angeschaut.

Für seine Masterarbeit setzte er sich also hin und begann Matter-Lieder zu zeichnen. Zuerst entstanden «Dr Eskimo» und «Dr Alpeflug». Schliesslich setzte Zurbriggen sechs solche Motive für seine Masterarbeit um.

«Die Umsetzung im Siebdruckverfahren braucht sehr viel Zeit, aber dafür ist jede Zeichnung ein Unikat.»

Illustrator Silvan Zurbriggen

«Eigentlich passiert in Matters Liedern meistens gar nicht so viel, und dennoch steckt sehr viel dahinter.» Noch heute entdecke er immer wieder Neues in dessen Liedern, sagt er. Und so soll es dem Betrachter auch mit seinen Zeichnungen ergehen. Dabei arbeitet er mit Panels, also verschiedenen Einzelbildern, die zusammen ein Bild ergeben und so auch einen zeitlichen Ablauf enthalten.

Es ist nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, um welches Lied es sich handelt. Dessen ist sich Zurbriggen bewusst: «Es ist für die Betrachter oft ein Ratespiel», sagt er schmunzelnd.

Von den ausgestellten Comics hat er je 40 Stück hergestellt

Durch die Zeichnungen, die er für seine Masterarbeit erstellt hatte, wurde auch Ben Vatter auf Zurbriggen aufmerksam. Der Berner Musiker und Musiklehrer war ­daran, ein neues Matter-Liederbuch herauszugeben. Vatter fragte Zurbriggen an, ob er nicht einige Illustrationen zum Buch beisteuern wolle.

So kam es, dass die beiden eng zusammenarbeiteten. Zurbriggen illustrierte weitere Songs, sodass er mittlerweile über 20 Lieder in One-Page-Comics verarbeitet hat.Seit über vier Jahren ist er nun mit seinem persönlichen Mani-Matter-Projekt beschäftigt.

Die Illustrationen für das Liederbuch.

Von den Comics, die er jetzt im Krummholzbad ausstellt, hat er jeweils 40 Stück hergestellt. Die Zeichnungen sind im Siebdruckverfahren umgesetzt. Zurbriggen macht das selbst in einer Druckerei.

«Das braucht sehr viel Zeit, aber dafür ist jede Zeichnung ein Unikat.» Bei genauem Betrachten seien bei jedem Comic ganz kleine Abweichungen zu sehen, das mache für ihn den Reiz des Siebdrucks aus. Zudem erreiche er so eine höhere Intensität der Farben.

Zeichnungen zu verkaufen,ist nicht sein Hauptziel

Der 30-Jährige konnte bereits einige One-Page-Comics verkaufen. Doch mit den Zeichnungen Geld zu verdienen, sei nicht sein vordergründiges Ziel, sagt er. Er bezeichnet das mehr als «Wertschätzung meiner Arbeit». Genauso wie die Möglichkeit, die Comics in Heimisbach auszustellen. Er habe sich gefreut, dass er von der Simon-Gfeller-Stiftung die Chance dazu erhalten habe.

Zustande gekommen ist die Ausstellung wiederum über Ben Vatter. Er wurde angefragt, einen Vortrag über Mani Matter zu halten. Zurbriggen war ebenfalls dabei und erzählte kurz, wie er dazu kam, Lieder visuell umzusetzen. So entstand der Kontakt zur Stiftung.

Für seine Arbeit an den Matter-Comics hat Zurbriggen, der als Grafiker und Illustrator tätig ist und zusammen mit drei Kollegen in Bern das Grafikstudio Opak ­betreibt, Tausende Arbeitsstunden aufgewendet. Vor der Verabschiedung sagt Zurbriggen noch, es sei für ihn eine Ehre, dass er an einem Buch über den bekanntesten Schweizer Liedermacher ­habe mitwirken können und dass er jetzt seine Comics ausstellen dürfe.

Er will sich weiterhin mit Matters Songs beschäftigen, zeichnet immer wieder neue One-Page-Comics. Und obwohl Matters Schaffen allzu früh beendet ­wurde, hat Zurbriggen noch ei­niges vor: «Ich entdecke immer wieder neue Details in seinen Liedern, die mich auf neue Ideen bringen.»

Die Ausstellung «Mani-Matter-Lieder als One-Page-Comics»von Silvan Zurbriggen dauert noch bis 31. Oktober und ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Krummholzbad-Stöckli, Heimisbach.

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