Langnau

Er hat gebaut und gebaut und gebaut

LangnauFast fünf Jahrzehnte arbeitete Ruedi Kläy als Maurer und Polier. Als Leiter vieler grosser Baustellen hat er aktiv dazu beigetragen, dass Langnau mächtig wuchs. Krönender Abschluss seiner Karriere war der Bau der Sonnenarena.

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Als Knabe konnte Ruedi Kläy von seinem Elternhaus aus auf die Kniematte hinunterschlitteln. Heute ist der ganze Hang bis ­hinauf zur grossen Linkskurve der Fansrütistrasse überbaut. Daran war Ruedi Kläy massgeblich beteiligt: Er hat als Maurer und Polier in den vergangenen 48 Jahren eigenhändig dafür gesorgt, dass Haus um Haus gebaut wurde und das Dorf Langnau wuchs und wuchs.

Der Grundstein seiner beruf­lichen Laufbahn wurde im Haus oberhalb besagter Kurve gelegt. Eine alte Holzhütte sei es gewesen, das Haus, in dem Kläy mit zehn Geschwistern aufgewachsen ist.

Weil er sowieso nicht gewusst habe, welchen Beruf er ergreifen könnte, habe der Vater gesagt: «Werde doch Maurer, dann können wir zusammen das Haus umbauen.» So hat es Ruedi Kläy gemacht: Er hat Maurer gelernt und das elterliche Haus, das heute ihm gehört, umgebaut – inzwischen schon zweimal.

Ruedi Kläy hat seine Berufswahl nie bereut. Auch als sich der Rücken wehrte und die Ärzte sagten, er müsse die harte Arbeit vergessen, blieb er Praktiker. Zwar hat er die Bauleiterschule absolviert. «Aber ein Bürojob war nichts für mich.» Kläy zog es auf die Baustellen. Seine erste fand er als Maurerlehrling beim Sekundarschulhaus.

Seine allerletzte im vergangenen Herbst beim Kindergartenanbau am Ilfis-Schulhaus. Den krönenden Abschluss seiner beruflichen Karriere aber erlebte er beim Bau der Sonnenarena. Jenes Vorzeigequartier, das den östlichen Teil des Langnauer Siedlungsgebiets abschliesst, wurde von Leuten hochgezogen, die unter Kläys Leitung standen.

Schwierig: Das Spital

Als sich der frisch Pensionierte auf das Gespräch vorbereitete, nahm er den Zonenplan von Langnau zur Hand und begann jene Gebäude zu markieren, bei deren Bau er je die Finger mit im Spiel hatte. Doch bald legte Kläy den Zonenplan wieder beiseite. «Das nimmt ja kein Ende, das hat keinen Sinn», sagt er.

«Das nimmt ja kein Ende, das hat keinen Sinn.»Ruedi Kläy

Kläy hat zig Wohnhäuser gebaut. Aber nicht nur. Als junger Polier wurde er 1980 von der damaligen Arbeitsgemeinschaft dazu auserkoren, den Bau des Spitals Langnau zu leiten. Es blieb ihm als schwierigstes Projekt in Erinnerung. Die runden Säulen im Eingangsbereich – «das gab mir zu denken».

Bevor Kläys Leute aber bauen konnten, mussten sie den Altbau abreissen. Wo heute Baggerzähne alles zermalmen, wurden die Mauern damals noch mit einem Seilbagger und einer tonnenschweren Eisenkugel zusammengeschlagen.

Problem Alkohol

Das Leben auf den Baustellen hat sich in den letzten 50 Jahren stark verändert. Zu Beginn seiner Berufszeit sei der Alkohol ein grosses Problem gewesen, erinnert sich Ruedi Kläy. Beim Einrichten der Baustelle sei die vordringlichste Frage gewesen, wo in der Baracke der Kühlschrank stehen werde und wer das Bier liefern dürfe.

«Für mich war es wunderbar, als das Alkoholverbot eingeführt wurde», sagt Kläy. Er hat keine schönen Erinnerungen an Zeiten, als er für Mitarbeiter verantwortlich war, die bei Regenwetter länger in der Baracke sitzen geblieben und manchmal schon nach dem Znüni «dängelet» gewesen seien.

Ausser einem Kompressor gab es damals kaum Maschinen, alles wurde von Hand gemacht. So hätten sie etwa bei der Unterkellerung des Langnauer Bahnhofgebäudes den ganzen Aushub mit Garetten aus der Baugrube gekarrt. «Damals haben viele den Dreck und Staub halt mit Bier hinuntergespült.»

Ruedi Kläy erinnert auch daran, wie der Polier am Freitagabend nicht mehr ohne Hilfe habe von der Baustelle torkeln können. Das war beim Bau des Altersheims Oberfeld. Aber das Gebäude musste nicht deshalb letzthin abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Beim Fabrikbau der Ruwa Drahtschweisserei in Sumiswald wurde er Zeuge eines tödlichen Unfalls. Der Polier, zu dem alle aufgesehen hätten, stürzte ein Treppchen hinunter, fiel auf den Kopf und starb zwei Tage später.

«Ich sehe es heute noch vor mir, wie er dalag», sagt Ruedi Kläy. Selber kam er auch nicht ganz ungeschoren davon: Es war auf der Baustelle der Kantonalbank in Grosshöchstetten, als er in die Baugrube fiel und auf Eisenstangen landete.

Eine rammte sich ihm sieben Zentimeter tief in den Oberschenkel, andere spiessten ihn an der Wade und im Nackenbereich auf. Aber Kläy trug keine bleibenden Schäden davon, sodass er sich mit 63 1/2 Jahren ­gesund pensionieren lassen konnte.

Die «Mutter der Baustelle»

Der eine oder andere Maurer dürfte den Polier künftig vermissen. – Etwa nächsten Sommer, wenn die Sonne wieder vom Himmel brennt, wie Kläy das früher nicht kannte: «Einst konnten wir den ganzen Tag oben ohne arbeiten, ohne an Sonnenbrände denken zu müssen.»

Das sei heute nicht mehr möglich. Weil die Zeiten trotz maschineller Unterstützung in anderer Hinsicht härter geworden sind, ging Kläy bei extremen Bedingungen schon mal los, um eine Erfrischung zu beschaffen. Nicht Bier brachte er auf die Baustellen, vielmehr rief er seine Leute etwa für eine ­Glacepause zusammen.

Solche Gesten verhalfen ihm in der Sonnenarena zum Beinamen «Mutter der Baustelle». Er muss wie eine umsichtige Hausfrau auf den Anlagen jeweils für Ordnung und Sauberkeit gesorgt haben. Und es ist ihm wichtig, festzuhalten, wie dankbar er war, wenn die Auftraggeber das zu schätzen wussten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.01.2018, 06:10 Uhr

Die grossen Baustellen

Ruedi Kläy hat seine ersten ­baulichen Spuren in Langnau als Lehrling der damaligen Baufirma von Anton und Alfred Peverelli hinterlassen. So war er ­etwa bei dem Umbau der Kantonalbank, dem Neubau der Ersparniskasse und dem Bau des Hallen- und Freibads dabei.

Später als Mitarbeiter der Firma Stämpfli half er das Gewerbeschulhaus, das BKW-Gebäude, die Telefonzentrale neben der Post, das damalige Asyl Gottesgnad oder die Tiger-Käse-Fabrik bauen. Vor 30 Jahren gründete er mit Fritz Meienberg und Beat Wittwer die Bauhandwerk AG.

Als Polier hat Kläy für ungezählte Wohnbauten die Verantwortung getragen. Zu seinen anspruchsvollsten Aufgaben gehörte nebst dem Bau des Spitals Langnau jener des Lehnenviadukts der BLS in Kandergrund.

Zudem leitete er etwa den Bau des Dorfmühle-Zentrums, den Umbau des Zivilstandsamts, den Bau der Wärmezentrale – um nur eine sehr kleine Auswahl zu nennen. Für die SVP sass Kläy bis Ende 2013 während 12 Jahren im Gemeinderat und hatte auch da die Planung unter sich. sgs

Erinnerung

In einer einfachen Lohntüte (siehe Bildstrecke) erhielt Ruedi Kläy nicht nur seine Lehrlingsgehälter ausbezahlt. Auch später, als er für die Firma Stämpfli arbeitete, ging der Lohnbuchhalter jeweils jedem Mitarbeiter auf den Baustellen nach, um die mit Geld gefüllten Tüten persönlich auszuhändigen.

Rund 200 solcher ­Couverts habe der Mann jeweils bei sich getragen, erinnert sich Ruedi Kläy. Und er weiss auch noch, wie sich der Bürolist vor Überfällen schützte: indem er einen Revolver bei sich trug. sgs

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