Er erschlug drei Hundewelpen mit einer Schaufel

Eine Hofhündin, die unkontrolliert wirft, und ein Landwirt, der einen Teil der neugeborenen Vierbeiner tötet: Der Dachverband der Berner Tierschutzorganisationen wehrte sich erfolgreich. Die Staatsanwaltschaft muss ein Verfahren eröffnen.

Ein Landwirt hatte drei Hundewelpen mit einer Schaufel erschlagen: Das Obergericht hat nun entschieden: Der Fall gehört vor Gericht. (Symbolbild)

Ein Landwirt hatte drei Hundewelpen mit einer Schaufel erschlagen: Das Obergericht hat nun entschieden: Der Fall gehört vor Gericht. (Symbolbild) Bild: Keystone

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Die Meldung ging anonym ein. Jemand meldete im November letzten Jahres bei der Fachstelle Tierdelikte der Kantonspolizei einen Landwirt, der drei Hundewelpen ertränkt haben soll. Am selben Tag sprachen Polizisten auf dem Betrieb vor. Schnell stand fest: drei tote Welpen. Das stimmte so. Die Hofhündin hatte sechs Junge geworfen, drei von ihnen tötete der Betriebsleiter.

Den Entscheid dazu, erzählte er, habe er mit dem Hundehalter und dessen Partnerin getroffen. Sie seien der Meinung gewesen, dass die Hofhündin in den kalten Novembertagen nicht sechs Welpen betreuen könne. Zwei weitere Welpen starben später unerwartet ebenfalls. In einer Tiefkühltruhe fanden die Polizisten die drei frisch geborenen Vierbeiner, eingefroren für die ordentliche Entsorgung. Sie lagen neben stark angefrorenen Ferkeln, die gemäss Rapport nur mit Gewalt aus der Kühltruhe loszubekommen gewesen wären. Die Polizisten suchten daher nicht weiter nach toten Welpen.

Unterschiedliche Ursachen

Die Hundchen waren aus verschiedenen Gründen gestorben, ergab die Untersuchung: Bei einem war keine eindeutige Todesursache festzustellen, eines hatte eine Infektion dahingerafft, beim dritten entdeckten die Tierpathologen ein massives Schädelhirntrauma. Letzteres deckte sich mit den Angaben des Mannes, der daraufhin wegen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz einvernommen wurde: Normalerweise schlage er die Welpen an den Boden, aber diesmal habe er sie hingelegt und mit einer Schaufel erschlagen, gab er an. Dass die Tiere nichts gespürt hätten und sofort tot gewesen seien, davon zeigte er sich überzeugt. Einen Tierarzt für die Tötung zu engagieren, sei indes kein Thema gewesen.

Dass die kleinen Hunde keine Qualen leiden mussten, davon liess sich auch die Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau überzeugen. Sie wollte den Fall nicht weiterverfolgen und stützte sich dabei auf geltendes Recht.

Das Schweizer Tierschutzrecht kennt nämlich keinen generellen Lebensschutz. Nicht das Töten eines Tieres an sich ist strafbar, sondern unter Umständen die Absicht desjenigen, der Hand an das Tier legt. Mit dem Gesetz in Konflikt gerät nur, wer einem Tier qualvoll das Leben nimmt, ihm Schmerzen, Leid oder Ängste bereitet. Oder wer mutwillig handelt, also besonders rücksichtlos dabei vorgeht und von Gemeinheit, Übermut oder Mitleidslosigkeit angetrieben wird.

Anhaltspunkte dafür fand die Staatsanwaltschaft allerdings keine. Die Beschwerdekammer des Obergerichts ebenso wenig. Sie hat sich inzwischen auch mit dem Fall auseinandersetzen müssen. An sie gelangt war der Dachverband Berner Tierschutzorganisationen. Er hatte Beschwerde erhoben gegen den Entscheid der Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau, die das Verfahren nicht weiterverfolgen wollte.

Verfahren wird eröffnet

Die Tierschützer können einen Sieg verbuchen. Die Beschwerdeinstanz nämlich spielt den Ball zurück an die ermittelnde Behörde: Sie muss ein Verfahren gegen den Landwirt eröffnen. «Die Abgrenzung zwischen bloss ethisch vorwerfbarem und strafrechtlich relevantem Verhalten ist schwierig», stellen die Oberrichter fest. Das Verhalten des Landwirts, der zulässt, dass die Hofhündin immer wieder trächtig wird, und dann systematisch einen Teil der Welpen nach der Geburt tötet, könnte mutwillig sein.

Sein Motiv, sie gebären zu lassen («es bereichert unseren Betrieb») in Kombination mit der regelmässigen Tötung weise «auf Leichtfertigkeit beziehungsweise Gedankenlosigkeit hin». Unter diesen Aspekten will die Strafkammer die «nicht ganz einfachen Auslegungs- und Wertungsfragen» von einem Gericht beurteilt wissen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 08.05.2017, 18:09 Uhr

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In einem anderen tierischen Verfahren hat die zuständige Kammer des Obergerichts eine Beschwerde abgewiesen. Es geht dabei um eine Auseinandersetzung unter Hundehalterinnen. Drei Frauen trafen beim Spaziergang im Wald im November 2015 aufeinander. Zwei Hunde waren an der Leine, einer nicht. Die eine soll einer anderen Halterin vorgeschlagen haben, ihren Hund zum Spielen von der Leine zu lassen. Gesagt, getan. Es passierte, als sich die dritte verabschiedete: Der Dalmatiner einer anderen rannte der Hundehalterin mit voller Wucht in die Beine. Dabei brach ihr Unterschenkelkopf.

Die Verletzte erstattete Anzeige. Das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung und Widerhandlung gegen das Hundegesetz nahm jedoch nicht an Fahrt auf. Der strafrechtliche Vorwurf, so stellte die Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau fest, bestehe darin, dass die beiden beschuldigten Hundehalterinnen einen kurzen Moment nicht auf ihre spielenden Hunde geachtet hätten. Ihre Sorgfaltspflicht haben die beiden Halterinnen aber nicht verletzt. «Wäre das ununterbrochene Beobachten des Hundes Massstab der gebotenen Sorgfalt, könnte ein Hundehalter seinen Hund im öffentlichen Raum nie von der Leine lassen», befand die Staatsanwaltschaft. Die «Grenzen des erlaubten Risikos» seien insgesamt nicht überschritten worden.

Die verletzte Hundehalterin setzte sich gegen die Einstellung des Verfahrens zur Wehr. Die Situation beurteilt allerdings auch das Oberrichtergremium nicht anders: Auch wenn das Verhalten ihrer Hunde zur Verletzung der Beschwerdeführerin geführt hat, können die Beschuldigten dafür nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.

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