Zum Hauptinhalt springen

Elektronisch statt persönlich

Ab 1. Februar 2019 können die Umzugsformalitäten online erledigt werden. Die Gemeinde beteiligt sich als einzige im Emmental an einem Pilotversuch.

Bald müssen nach dem Umzug keine Formulare mehr handschriftlich ausgefüllt werden.
Bald müssen nach dem Umzug keine Formulare mehr handschriftlich ausgefüllt werden.
iStock

Mit Mühsal verbunden ist ein Umzug. Ist eine neue Wohnung gefunden, muss der Transport der Möbel organisiert werden. Und zu guter Letzt holt man bei der bisherigen Wohngemeinde den Heimatschein, um diesen dann am neuen Wohnort wieder bei der Verwaltung abzugeben und eine Gebühr von 20 Franken zu entrichten.

Ab 1. Februar 2019 wird dieses Prozedere in Oberburg deutlich vereinfacht: Die Umzugsformalitäten können elektronisch erledigt werden. Diese Neuerung gilt dann während neun Monaten. So lange dauert der Pilotversuch, an dem sich neben Oberburg auch Langenthal, Bäriswil, Münsingen, Steffisburg, Thun, Wohlen und Zollikofen beteiligen werden.

Warum seine Gemeinde als einzige im Emmental vom Kanton für diesen Versuch angefragt worden ist, weiss Martin Zurflüh nicht. Aber: «Wir sind Neuem gegenüber generell offen. So gehören wir auch bei den elektronischen Baugesuchen zu den Pilotgemeinden.» Für den Gemeindeverwalter ist klar, dass es ein Vorteil ist, wenn man als Pilotgemeinde dabei sein kann: «So können wir von Anfang an mitreden und Verbesserungen anregen.»

Gebühr per Kreditkarte

Heute müssen sich Bürgerinnen und Bürger im Kanton Bern bei einem Umzug zwingend persönlich bei der neuen Wohngemeinde anmelden. So schreibt es das Gesetz über Niederlassung und Aufenthalt vor.

Der Regierungsrat ist nun allerdings aufgrund des «gesellschaftlichen Wandels und des Stands der Informatik» zum Schluss gekommen, dass die bisherige Praxis nicht mehr zeitgemäss sei. Deshalb hat die Kantonsregierung eine Versuchsverordnung zum elektronischen Umzug erlassen.

Wer sich also ab Februar des nächsten Jahres in einer der acht genannten Kommunen niederlässt, muss nicht mehr bei der Verwaltung vorsprechen, sondern kann die Umzugsformalitäten online erledigen. Der Heimatschein kann per Post zugestellt werden. Wer zwischen zwei Pilotgemeinden umzieht, muss sich nicht einmal um den Heimatschein kümmern. Zudem kann die Gebühr von 20 Franken mittels Kreditkarte beglichen werden.

Kaum Kontakt zu Zuzügern

Die Einsparung von Kosten sei nicht das primäre Ziel der elektronischen Anmeldung, sondern die Kundenfreundlichkeit, sagt Martin Zurflüh: «Flexibilität und Unabhängigkeit sind gefragt.» Nur: Geht als Folge dieser Anonymisierung nicht der Kontakt mit den Zugezogenen verloren?

Eine persönliche Bindung sei zwar eine Idealvorstellung, die heute aber nicht mehr der Realität entspreche, meint der Gemeindeverwalter. Denn: «Bei einer Gemeinde mit 3000 und mehr Einwohnern sieht man die Zuziehenden meist nur dann, wenn sie sich anmelden und den Heimatschein abgeben. Danach haben wir keinen Kontakt mehr.» Einen ersten Schritt in Richtung Digitalisierung hat Oberburg in diesem Bereich ohnehin bereits getan: Schon heute kann man sich online anmelden, muss jedoch noch persönlich bei der Verwaltung vorsprechen.

Im Rahmen des Pilotversuchs sollen in erster Linie die Anforderungen an die Technik, die Informationssicherheit und der Datenschutz geprüft werden. Zudem werden die administrativen Abläufe getestet und die Akzeptanz bei den Betroffenen ermittelt.

Der Regierungsrat wird gestützt auf einen von der Verwaltung zu erarbeitenden Controlling- und Evaluationsbericht entscheiden, ob der elektronische Umzug im ordentlichen Recht verankert werden soll. Neuland würde Bern damit nicht betreten. In den Kantonen Uri, Zug, Zürich und in Teilen des Aargaus können die Umzugsformalitäten längst elektronisch erledigt werden.

Erfahrungen abwarten

Sofern im Kanton Bern während des Pilotversuchs keine grossen technischen und datenschützerischen Probleme auftreten, wird die Versuchsphase für sämtliche interessierten Gemeinden geöffnet.

Sofern diese bestimmte Anforderungen an die Software und die Website erfüllen sowie die Schulung des Kantons absolviert haben, erhalten sie die Zustimmung zur Teilnahme. Der elektronische Umzug steht Schweizer Bürgerinnen und Bürgern sowie, je nach Aufenthaltsstatus, ausländischen Personen mit Wohnsitz in der Schweiz zur Verfügung.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch