«Einisch Tiger – immer Tiger»

Langnau

Der Mundartrocker Gölä hat am Freitag vor dem Heimspiel gegen die ZSC Lions den neuen Fansong «Einisch Tiger – immer Tiger» uraufgeführt. Die Gefühle waren gemischt.

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Ein Sturm fegte am Freitagabend übers Land. Und für einmal wurde das Emmental dem ihm von etlichen Sportchronisten auferlegten Übernamen gerecht. Doch die Sturmböen waren das Einzige, was an diesem Freitagabend im Tal der heulenden Winde das Gebälk der ausverkauften Ilfishalle zum Zittern zu bringen vermochte.

Mundartrocklegende Gölä, seines Zeichens Büezer, legte zwar eine beherzte Show hin, aber mitreissen konnte seine Performance niemanden so richtig.

Ein Star im Emmental

«Noch nicht.» Lässt eine Tigers-Supporterin, die ihren Namen der Zeitung lieber nicht preisgeben will, verlauten. «Es ist ein geiler Song», führt sie aus, und sie selbst habe natürlich mitgesungen.

Mitgesungen, wie sie es auch schon beim Videodreh mit dem «Büezer» aus Oppligen getan habe. An die fünfzig Fans hätten an diesem Dreh teilgenommen. Unter ihnen war auch der Schwingerkönig von 2013, Matthias Sempach, der selbst bekennender Tigers-Fan ist.

Auch Andreas Lüthi aus Oberburg ist 31 und ein eingefleischter Langnau-Fan. Mit Schal und Trikot eingekleidet, schwärmt Lüthi vom «grossen Star», wie er ihn bezeichnet. Es sei eine Sensation, dass Gölä hier ins Emmental komme und den SCL mit einem eigenen Lied beehre. «Und dass der Erlös aus den verkauften Titeln den Young Tigers zufliesst, ist doch das Grösste.»

Skepsis auf den Rängen

Gleicher Meinung sind sie aber nicht alle. Im Herzen der Stehplatzfans herrscht die grösste Skepsis gegenüber dem neuen Lied einerseits und neugieriger Presse andererseits. Beinahe von selbst versteht sich, dass keiner namentlich erwähnt werden will.

«Ich bezweifle, dass es von uns jemals gesungen werden wird.»Ein SCL-Fan

Es sei ja schon nicht das schlechteste Lied, das je über die Tigers geschrieben worden sei. «Aber ich bezweifle, dass es von uns jemals gesungen werden wird.» Hierbei scheinen sie sich einig zu sein. Mitsingen muss verdient werden.

«Modefans»

Andere Tigers-Supporter bezeichnen sich nicht als grosse Gölä-Fans. «I bi wägem Mätsch hie», heisst es vermehrt. Trotzdem: Die meisten Anwesenden vermuten, dass Gölä zuständig sei für das ausverkaufte Stadion. «Der bringt höchstens mehr Modefans.» Sie scheinen eine grosse Sorge der Emmentaler zu sein, diese Modefans.

Es gebe eben schon viele Leute, die nur im Stadion seien, wenn es der Mannschaft gut laufe. Und manch einer brüstet sich damit, selbst in den harten Erstligazeiten stets für den Klub eingestanden zu sein. Man beteuert, trostlosen Auswärtsniederlagen in Herisau beigewohnt zu haben.

So passt der Titel gut zur Mentalität dieser treuen Fans: «Einisch Tiger – immer Tiger.» Und wenn Gölä singt, dass man im Emmental noch zusammenstehe, egal, wie schwer die Zeiten seien, ist das nicht nur ein Klischee.

In den kürzlich überstandenen NLB-Jahren war die Ilfishalle immer zumindest zu fünf Sechsteln voll, und die Spieler konnten auch in diesen schweren Zeiten stets auf ihre Anhänger zählen. Wer hier also von Modefans spricht, beklagt sich auf hohem Niveau.

Gölä und Sport

Mundartrocker Gölä nimmt sich im Vorfeld seines Auftrittes auch Zeit für die Medien. Und ganz im Sinne seines Rufes stolziert er in den Raum, gibt jedem die Hand und krempelt seine Ärmel hoch. Dass man sich duzt, versteht sich von selbst. Hockey sei ein Kampfsport, und deshalb habe er einen rockigen, toughen Song schreiben wollen, sagt er.

«Beim Schreiben hatte ich nur ‹Top Gun› und ‹Rambo› im Kopf.» Aber Gölä selbst macht keinen Hehl daraus, dass er kein Hockeyfan ist. «Ich hasse Winter», lässt er verlauten, und zum Hockeylen habe er als Bub nie Zeit gehabt.

«I ha ir Beiz müesse wärche.» Was ihn aber beeindruckt habe, sei das Herzblut der Langnau-Fans gewesen. Ich habe mir gesagt: «Wenn schon Sport, dann hier, im Emmental.»

So passt der Dorfklub Langnau besser in Göläs Schema als beispielsweise ein SCB oder ein YB. «Der Lauener schrieb einen über YB, und über den SCB schreibt dann vielleicht der Büne einen, der findet ja, die Fussballer seien Pussys», witzelt er.

«I verdiene nüt a däm hie!»Marco Pfeuti aka Gölä

Auch die Fans finden, dass Gölä zu ihnen passe. Er verkörpere die Werte, die sie hier auch hochhielten: Bodenständigkeit und Urchigkeit. Die Texte des Mannes aus Oppligen sprechen vielen von ihnen aus der Seele. So auch Stefan Flückiger aus Langnau. Gölä wollte in erster Linie seinem Kumpel und Tigers-Verwaltungsrat Karl Brügger etwas Gutes tun, aber sicher auch den Fans, meint er.

Was liegt drin?

Vor dem Auftritt hallt es dann durch die Lautsprecher: «Lasst uns zusammen die Hitparade stürmen!» Der Erlös aus den verkauften Downloads aus Göläs Lied wird den Langnauer Junioren zugutekommen. «I verdiene nüt a däm hie», ruft Gölä.

Und dann geht es los. Gittarren, Schlagzeug. Coole Miene. «Töif usem Härz vom Ämmitau, da chöme mir här.» Dann der Refrain mit Passagen, die förmlich zum Mitsingen einladen.

Der peppige und fetzige Song passt gut zu dieser Saison, in der viele Fans glauben, es könne mehr drinliegen. Eine besonders hoffnungsvolle Anhängerin spricht gar schon vom Meistertitel.

Gut passt der Song auch zum Startfurioso, das die Emmentaler aufs Eis zaubern. Das Feuer brennt wahrlich auf dem Eis, wie der Mundartrocker singt. Aber mit der Chancenauswerung tun sich die Tiger schwer.

So soll zuerst mal mit dem Lied die Hitparade gestürmt werden und beflügelt von Göläs Kampfsong anschliessend auch die Tabelle der Schweizer Meisterschaft.

Berner Zeitung

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