Eine versteckte Botschaft

Die Hafner hatten die Möglichkeit, den Leuten einen Spiegel vorzuhalten. Zum Beispiel, wenn auf einem Teller ein Hahnenreiter abgebildet war. Er signalisierte, dass der damit Beschenkte von seiner Frau betrogen wird.

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Die Handschriftenanalyse von Langnauer Keramiken ergab Gruppen, die als Objekte einer Werkstatt interpretiert werden. Teilweise können die Handschriften mit historisch bekannten Hafnern verbunden werden. Zusammen mit Hans Herrmann (1673–1762) arbeiteten auch einzelne seiner Söhne in der Werkstatt Sonnweg 15.

Zweideutig und bunt

Einer dieser Hafner produzierte 1735 eine ganz ungewöhnliche Schüssel für den Weibel Samuel Losenegger von Signau. Es ist allerdings fraglich, ob der mit dieser Schüssel beschenkte Weibel wirklich verstanden hat, was die Zeichnung in deren Innerem bedeutete.

Dargestellt ist ein Pfeife rauchender Hahnenreiter oder Hahnrei. In der Neuzeit ist der Hahnrei der bildhafte Ausdruck für den betrogenen oder sich betrogen glaubenden Ehemann. Hahnrei ist auch der Betrogene, der zulässt, dass seine Frau ihn betrügt, oder als Kuppler beziehungsweise als Zuhälter sogar dazu beiträgt.

Etwas später, in den 1740er- und 1750er-Jahren, entwickelten die Langnauer Hafner eine ungewöhnliche «Buntheit» der Dekore. Hierzu gehört auch der lustige Bärenteller von 1743, der im Musée Ariana in Genf ausgestellt ist.

Von Langnau nach Steffisburg

Hans Herrmann, der Weibel, wurde mit 89 Jahren sehr alt. Er war mit Barbara Wüthrich (1677–1750) verheiratet. Zwischen 1698 und 1720 gebar sie neun Söhne und drei Töchter. Vier der Söhne wurden ebenfalls Hafner (Abraham 1698–1750; Christen 1703–1771; Samuel 1714–1771; Peter 1712–1764).

Da sie die Werkstatt des Vaters nicht übernehmen konnten, wanderten Abraham und Peter 1730 beziehungsweise 1750 nach Steffisburg aus und begründeten die dortige Hafnereitradition. Ein bunt bemaltes Butterfass im Langnauer Stil aus dem Jahr 1757 war gemäss Aufschrift für das Ehepaar Katharina Jost und Christian Hertig bestimmt.

Diese heirateten am 1. März 1754 in Steffisburg. Gemäss Eintrag in den Kirchenrödeln waren ihre Heimatorte Röthenbach und Lug. Sie lebten jedoch in Uetendorf, das heisst in Sichtweite von Steffisburg. Wurde das Butterfass also in Peter Herrmanns dortiger Werkstatt hergestellt?

In loser Folge stellt Andreas Heege Menschen und Gegenstände aus der Geschichte der Langnauer Keramik vor. Mehr lesen? Am 20. September erscheint sein zweibändiges Buch, das er in Zusammenarbeit mit Andreas Kistler verfasst hat.

Berner Zeitung

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