Eggiwil

«Eine solche Stelle zu besetzen, ist speziell»

EggiwilVerwaltungsratspräsident Thomas Linder sieht keinen Anlass für grundlegende Änderungen im Altersheim Eggiwil. Dass zwei Pflegedienstleiterinnen in kurzer Zeit in ihrem Amt krank wurden, führt er auf ihre schwierige Aufgabe zurück.

«Wir haben die Pflegedienstleiterinnen gut ausgewählt», sagt Thomas Linder.

«Wir haben die Pflegedienstleiterinnen gut ausgewählt», sagt Thomas Linder. Bild: Thomas Peter

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Thomas Linder, seit wann präsidieren Sie den Verwaltungsrat der Alterszentrum Eggiwil AG?
Thomas Linder: Seit Mitte 2015.

Wie oft hat in dieser Zeit die Pflegedienstleitung gewechselt?
Als ich anfing, suchten wir eine neue Pflegedienstleitung für Therese Stalder, die auf Ende Jahr gekündigt hatte. Wir wählten Brigitte Roth. Diese fiel im Herbst 2016 krankheitshalber aus. Danach übernahm Carmen Tschanz (sie hat per Ende Mai gekündigt und ist ebenfalls krankgeschrieben, Anm. Red.).

Wie erklären Sie die häufigen Wechsel?
Mich stört es, wenn in Ihrer Zeitung steht, das Alterszentrum komme nicht zur Ruhe. In unserem Haus gibt es ja nicht nur die Pflege...

... aber das ist die Kernaufgabe.
Selbstverständlich. Aber wir haben auch die Hotellerie, eine Aktivierung und einen technischen Dienst, die alle mit langjährigen Mitarbeitern sehr gut funktionieren. Wir haben nach Neujahr auch eine Umfrage gemacht bei Bewohnern und Angehörigen. Und diese ist sehr gut ausgefallen.

Wurde die Umfrage von externer Stelle durchgeführt?
Wir haben sie selber gemacht, aber sehr neutral und zu allen Bereichen.

Trotzdem: Warum müssen Sie schon wieder eine neue Pflegedienstleiterin suchen?
Die Besetzung einer solchen Stelle ist sehr speziell. Die Aufgaben der Pflegedienstleitung sind sehr vielfältig. Es braucht gute Fachkompetenz, man muss führungskompetent sein, und die Person muss gleichzeitig eine gute Kommunikatorin sein.

Gibt es also im Dahlia Langnau auch so häufige Wechsel?
Natürlich nicht. Aber ich will zeigen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, wenn es immer rundläuft.

«Es ist keine Selbstverständlichkeit, wenn es immer rundläuft.»Thomas Linder

Die Frage ist nun: Was läuft in Eggiwil nicht rund?
Die Gründe waren nicht immer dieselben. Wir haben die Pflegedienstleiterinnen gut ausgewählt. Aber im Frühling 2016 kam es zu Differenzen zwischen der Leitung und Mitarbeiterinnen, was zu verschiedenen Trennungen führte. Zudem hatten wir Krankheitsfälle, dann kam noch ein schwerer Verkehrsunfall einer Mitarbeiterin hinzu. Solche Sachen sind sehr belastend. Eine Dienstplanung zu machen, die den Betrieb während 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche sicherstellt, ist eine grosse Herausforderung. Wenn ein Team eingespielt ist, geht das, aber wenn es Turbulenzen gibt mit Abgängen und Ausfällen, wird es schwierig.

Und warum wurde nach Brigitte Roth auch Carmen Tschanz nach wenigen Monaten krank?
Sie hat sich sehr stark für unser Heim eingesetzt und sich verausgabt. Im Frühling merkte sie, dass es ihr zu viel wird, und sie reichte die Kündigung ein.

War sie im Team akzeptiert?
Grösstenteils. Aber es gibt im­mer Situationen, wo etwas nicht stimmt.

Wo erhält die Pflegedienstleiterin Unterstützung bei personellen Problemen?
Bei der Heimleiterin und bei mir.

Therese Stalder hat moniert, ihr habe die Leitung die nötigen Ressourcen nicht zur Verfügung gestellt.
Das war vor meiner Zeit, dazu äussere ich mich nicht. Seit ich verantwortlich bin, achteten wir immer darauf, dass wir den Richtstellenplan des Kantons einhalten. Wenn Leute krank wurden, sprangen Mitarbeiterinnen des Dahlia und der Spitex ein.

Aber die Gesundheitsdirektion des Kantons Bern ordnete Massnahmen an?
Halt, halt, halt. Aufgrund einer aufsichtsrechtlichen Anzeige mussten wir dem Kanton unseren Stellenplan rapportieren. Aber wir mussten kein zusätzliches Personal einstellen oder sonst etwas ändern. Der Personalbestand war immer ausreichend...

... auf dem Papier. Doch wenn Leute ausfielen...
... schauten wir immer für Ersatz. Als Carmen Tschanz sagte, sie brauche mehr Leute, haben wir trotz der finanziellen Folgen Stellen bewilligt. Die Sicherheit der Bewohner kommt zuerst.

Hat das Alterszentrum Eggiwil nun deshalb finanzielle Pro­bleme?
Die Rechnung wurde dadurch zwar belastet, aber deswegen hat das Alterszentrum noch keine finanziellen Probleme.

Wie haben sich die Wechsel auf die Pflegequalität ausgewirkt?
Gar nicht.

Wer wacht bei Ihnen über die Qualität?
Die Pflegedienstleitung. Deshalb haben wir auch sofort nach Carmen Tschanz’ Abgang Peter Müller beigezogen (siehe Kasten). Und mindestens einmal pro Jahr führen wir einen Höck mit ­Bewohnern und Angehörigen durch, wo Kritik angebracht werden kann. Im Allgemeinen sind die Reaktionen dort positiv.

Wie viele Bewerbungen sind für die ausgeschriebene Pflegedienstleitung eingegangen?
Ein paar. Nicht viele. Aber es ist halt so, dass der Kanton hohe Anforderungen an die Besetzung einer Pflegedienstleitung stellt. Bei den diplomierten Pflegefachkräften ist der Stellenmarkt seit langem ausgetrocknet, und zwar schweizweit. Kommt hinzu, dass die Diplomierten nicht länger als eine halbe Stunde entfernt wohnen dürfen, damit sie den Pikettdienst abdecken können. Deshalb steht einem abgelegenen Betrieb schon gar kein grosses Reservoir zur Verfügung.

Was unternehmen Sie, damit die nächste Anstellung von Erfolg gekrönt sein wird?
(Thomas Linder lässt diese Frage von Peter Müller beantworten) Peter Müller: Meine Vorstellung ist, dass ich hier in Eggiwil Ansprechperson bleibe, bis alles gut läuft. Bis Heimleitung, Verwaltungsrat und Pflegedienstleitung sagen, dass es mich nicht mehr brauche. Ich werde die neue Person einführen und begleiten und ihr für pflegespezifische Fragen zur Seite stehen.

In welchen Bereichen arbeitet das Alterszentrum Eggiwil sonst noch mit dem Dahlia zusammen?
Thomas Linder: Im Mahlzeitendienst.

Wann wird das Alterszentrum vom Dahlia übernommen?
(lacht) Eine Übernahme ist kein Thema. Aber eine Weiterentwicklung der bisherigen Zusammenarbeit ist gut vorstellbar. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.04.2017, 17:06 Uhr

Zur Person

Thomas Linder ist Verwaltungsratspräsident und Delegierter des Verwaltungsrats in der Alterszentrum Eggiwil AG. Hauptberuflich leitet er in der Alters- und Pflegeeinrichtung Dahlia Langnau den Bereich Betriebswirtschaft und Unternehmensentwicklung.

Andere Darstellung

Carmen Tschanz ist nicht einverstanden mit der Erklärung, die Verwaltungsratspräsident Thomas Linder im Interview zu ihrer Kündigung als Plegedienstleiterin des Alterszentrums Eggiwil abgegeben hat. Sie teilt mit: «Die anfänglich gute Unterstützung der Heimleitung wie auch von Thomas Linder hat sich durch die komplexe Situation auf der Abteilung verringert. Das Team begann sich unter der Leitung eines langjährigen Alphatieres unter den Fachangestellten Gesundheit, welches mit meinen Strukturen nicht einverstanden war, zu spalten.»

Ein Teil des Teams habe die Heimleiterin Kathrin Schönholzer und Thomas Linder «während meiner Frei- und Ferientage erfolgreich gegen mich ausgespielt». Konstruktive Gespräche in der Geschäftsleitung sowie ein weiterer Aufbau mit den motivierten Mitarbeiterinnen seien für sie unter diesen Umständen nicht mehr möglich gewesen. Carmen Tschanz weiter: «Dieser Zustand führte bei mir zu starken psychosomatischen Symptomen, zu meiner eingereichten Kündigung und der Krankschreibung.»

Übergangslösung

Peter Müller ist Standortleiter des Dahlia Zollbrück. Seit Carmen Tschanz das Alterszentrum Eggiwil verlassen hat, amtet er dort ad interim als Pflegedienstleiter. Bei seinem Antritt habe er nach dem «radikalen Ausfall» der vorherigen Stelleninhaberin eine Verunsicherung gespürt, sagt er. «Aber ich traf ein Team an, das kollegial miteinander umgeht und sehr engagiert ist.» Die Stimmung sowohl unter den Pflegenden als auch im ganzen Haus sei «sehr gut». Müller sagt: «Man hilft einander und schaut zueinander.» Auf die Frage, weshalb er sich der zusätzlichen Aufgabe von einem Tag auf den andern annehmen konnte, erklärt er: «Meine Stellvertreterin und ich arbeiten seit fünfeinhalb Jahren in Zollbrück und haben dort eine sehr stabile Situation aufgebaut.» Das erlaube ihm, von gewissen Sitzungen und Terminen fernzubleiben. Zudem beteilige er sich aktuell nicht direkt an der Pflege. Weil er inzwischen alle Bewohner sehr gut kenne, wisse er trotzdem, wer was nötig habe. So könne er es sich leisten, für eine befristete Zeit täglich ein paar Stunden in Eggiwil zu verbringen.

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