Eine Schnäppchen-App für Junge

Aktuell profitiert das Institut von den Filialschliessungen bei der Raiffeisenbank Oberes Emmental. Aber auch Geschäftsführer Peter Ritter stellt Än­derungen in Aussicht.

Rückgang der Schaltergeschäfte: Habe vor zehn Jahren noch jeder Vierte sein Bargeld am Automaten bezogen, sei es heute jeder Zweite.

Rückgang der Schaltergeschäfte: Habe vor zehn Jahren noch jeder Vierte sein Bargeld am Automaten bezogen, sei es heute jeder Zweite. Bild: Olaf Nörrenberg

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Es ist nicht so, dass bisherige Kunden der Raiffeisenbank Oberes Emmental nun bei der Bernerlandbank Schlange stehen würden. «Aber wir merken es leicht», sagte Geschäftsführer Peter Ritter gestern, als er den Medien den Geschäftsbericht 2017 erläuterte.

Mit «es» meinte er den Ärger, den Raiffeisen-Kunden in Schangnau, Röthenbach und Signau empfanden, als die Raiffeisen-Verantwortlichen in ihren Dörfern Geschäftsstellenschlossen. Es zeige sich, sagte Ritter, «dass wir eine feine Nase hatten, als wir in Langnau eine Filiale eröffneten».

Weniger am Schalter

Die Bank sei an allen Standorten, also etwa auch in Burgdorf, Kirchberg, Langenthal und in Herzogenbuchsee, kontinuierlich gewachsen. Sogar in Huttwil habe sie ihr Geschäftsvolumen steigern können, obwohl sie in diesem Gebiet Ende 2015 vier Niederlassungen geschlossen hat.

Im Nachhinein erweise es sich als «Glücksfall», dass die Bernerlandbank nicht versucht habe, in Langnau «schalterlos» Fuss zu fassen. «Aber bis in zehn Jahren werden die Bargeldbezüge an den Schaltern wohl fast verschwinden», prognostizierte Peter Ritter. «Nicht weil wir das so wollen, sondern weil der bargeldlose Zahlungsverkehr für die Kunden viel bequemer ist.»

In den letzten drei bis vier Jahren seien die Schaltergeschäfte in einzelnen Gebieten um bis zu 35 Prozent zurückgegangen. Habe vor zehn Jahren noch jeder Vierte sein Bargeld am Automaten bezogen, sei es heute jeder Zweite. «Also müssen auch wir uns fragen, ob unsere Ressourcen noch ausgelastet sind.»

Ritter kündigte Anpassungen an, versicherte aber, weniger rigoros vorgehen zu wollen als Mitbewerber. Als mögliches Mittel erwähnte er etwa kürzere Schalteröffnungszeiten oder die Installation zusätzlicher digitaler Hilfsmittel. Demnächst soll die in die Jahre gekommene Filiale in Hasle umgebaut werden.

Gratis zu Werbung

Die Bernerlandbank setzt generell auf moderne Kommunikationsformen. So hat sie etwa ihren Internetauftritt erneuert und versucht über soziale Medien mit Kunden in Kontakt zu kommen. Sie hat nun auch eine «Schnäppchen-App für Jugendliche» lanciert. Dies in Zusammenarbeit mit der Hypothekarbank Lenzburg.

Über Regiodeal.ch kann diese auf dem Smartphone installiert werden. Grundsätzlich kann sie von allen genutzt werden, doch die dort mit Rabatten angebotenen Waren und Dienstleistungen richten sich vorab an ein junges Publikum. Mir der App stellt die Bernerlandbank dem regionalen Gewerbe zudem eine kostenlose Werbeplattform zur Verfügung. So vernetze sein Unternehmen die junge Generation mit dem lokalen Gewerbe, erklärte Ritter. Vor allem aber soll die Innovation zu einem ­besseren Image beitragen und die eigene Bekanntheit fördern.

Leicht weniger Gewinn

Die Bank mit Hauptsitz Sumiswald will weiter wachsen. 2 Prozent möchte sie 2018 zulegen, sagte der Geschäftsführer. In den letzten neun Jahren habe sie ihr Geschäftsvolumen um 25 Prozent erhöht. Dank dieser Steigerung habe das Institut steigende Kosten auffangen können.

Im vergangenen Jahr hat die Bernerlandbank jedoch kein aufsehenerregendes Resultat erzielt. Der Gewinn lag um 0,9 Prozent unter jenem des Vorjahres. Trotzdem sprach Peter Ritter von einem «erfreulichen Geschäftsjahr 2017». Denn im Kunden­geschäft konnte seine Bank zu­legen.

Insbesondere im Vermögensverwaltungsbereich stieg das Volumen stark: um 87 Prozent. Dies verdanken die Sumiswalder der Zusammenarbeit mit der Zähringer-Privatbank. Auch im Zinsengeschäft kam es zu einer Steigerung. Dies, obwohl die Zinsmarge weiter gesunken sei. «Da wir Rückstellungen in Höhe von gut einer Million Franken auflösen konnten, resultierte dennoch ein kleiner Zuwachs», erklärte Ritter.

Gegenüber 2016 stieg auch der Aufwand, und zwar um beinahe 10 Prozent. Dies ­erklärte Ritter mit Beiträgen an die Pensionskasse: Die Arbeit­geberbeitragsreserven seien um 1,5 Millionen Franken erhöht worden.

Der Jahresgewinn bewegte sich also auf gleichem Niveau wie letztes Jahr. Wieder wird der Verwaltungsrat der Generalversammlung eine Dividende von 10.50 Franken pro Aktie vorschlagen. Angesichts des wenig spektakulären Ergebnisses, sagte Ritter, könne man von einem langweiligen Geschäftsergebnis sprechen.

Doch für ihn unterstreichen die Zahlen die Zuverlässigkeit seiner Bank. Er betonte, dass Eigenkapital und Rückstellungen in den letzten zehn Jahren um 45 Prozent zugenommen hätten. «Wir sind deutlich stabiler geworden», hielt Ritter fest und sagte: «Wir sind ein sicherer Wert.» Auch sämtliche regulatorischen Vorschriften habe das Unternehmen deutlich übertroffen. Mit Sorge beobachtet der Chef aber die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt, insbesondere bei den Mehrfamilienhäusern. Anders als gewisse Mitbewerber finanziere seine Bank nicht jedes Objekt um jeden Preis. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.04.2018, 06:59 Uhr

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