Burgdorf

Eine Finanzchefin wagt den Schritt in die Gastronomie

BurgdorfIn der mit 15 «Gault Millau»-Punkten dekorierten Zur Gedult in Burgdorf kommt es am 1. Januar 2019 zu einem Wirtewechsel: Pablo Alonso übergibt das Zepter an Barbara Schütz.

Barbara Schütz ist es wichtig, dass sie weiterhin auf die 
Kochkünste von Lukas Kiener zählen kann.

Barbara Schütz ist es wichtig, dass sie weiterhin auf die Kochkünste von Lukas Kiener zählen kann. Bild: Olaf Nörrenberg

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«Eine Beiz zu führen, ist ein Traum, den ich habe, seit ich 25-jährig bin», sagt Barbara Schütz Baumgartner. Nun macht die Burgdorferin diesen wahr. Am 1. Januar 2019 übernimmt sie die Führung des wohl ältesten Restaurants in der Unterstadt. Dass sich die Möglichkeit ergeben habe, das Restaurant Zur Gedult zu pachten, sei eine grosse Freude. «Es ist ein Bijou, hat eine gute Grösse und ist im Quartier ver­ankert», schwärmt die 56-Jährige für das mit 15 «Gault Millau»-Punkten ausgezeichnete Gourmetlokal.

«Das Restaurant zur Gedult ist ein Bijou, hat eine gute Grösse und ist im Quartier verankert.»Barbara Schütz

Für diesen kulinarischen Erfolg ist der 29-jährige Lukas Kiener verantwortlich. Er hatte bis vor drei Jahren den kometenhaften Aufstieg des Restaurants Eisblume in Worb mitbegründet und 2016 als Küchenchef der Gedult das Zepter von Pablo Alonso übernommen. Wenn Barbara Schütz sagt, «ich freue mich extrem», dann hat dies auch damit zu tun, dass ihr Kiener über das Jahr 2018 hinaus treu bleiben wird. Weil dieser eine Schlüsselrolle innehabe, «suchte ich sehr früh das Gespräch mit ihm». Mit Erfolg. Wobei der Leiterin des Bereichs Personal und Finanzen des Schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic klar ist, dass der noch junge Kiener «vielleicht einmal weiterziehen wird».

Die Managerin

Wagt die Businessfrau, die von 1997 bis 2007 Burgdorfer Gemeinderätin und Ressortchefin Finanzen war, tatsächlich den Einstieg in die Gastronomie? «Ja, das ist doch eine spannende Geschichte», antwortet Barbara Schütz Baumgartner. Sie sagt aber auch: «Ich weiss, dass das Gastgewerbe ein hartes Pflaster ist, denke aber, dass auf dem Niveau, auf dem Lukas Kiener kocht, noch Potenzial vorhanden ist.»

Ganz neu ist ihr die Materie jedoch nicht. Während ihrer Gymnasial- und Studienzeit habe sie ab und an im Service gearbeitet. Allerdings: Selbst wenn Schütz ab Januar des nächsten Jahres als Gastgeberin und Geschäftsführerin des Restaurants Zur Gedult eine Führungsaufgabe übernehmen wird, «werde ich meine Funktion bei Swissmedic beibehalten, aber das Pensum leicht reduzieren». Auch ihre Verwaltungsratsmandate bei der Raiffeisenbank Region Burgdorf und der städtischen Energieversorgerin Localnet AG wird Barbara Schütz weiterhin ausüben.

Die Genossenschaft

Pablo Alonso, der zusammen mit seiner Frau Martina Stoll den Betrieb während gut zehn Jahren mit viel Herzblut aufgebaut und geführt, dem Herd in der Gedult 2016 aber den Rücken zugekehrt hat, «ist sehr glücklich, dass wir eine Toplösung gefunden haben». Einem jungen Wirtepaar hätte er die Belastung in der Kleingastronomie «so, wie Martina und ich sie erlebt haben», nicht zumuten wollen. Sie beide hätten eine schöne, aber harte Zeit auf der Gedult gehabt.

«Ich bin sehr glücklich, dass wir eine Toplösung gefunden haben.»Pablo Alonso

Mit der von Barbara Schütz initiierten Genossenschaftslösung könne er nun aber gut schlafen, betont Pablo Alonso. Er wird weiterhin in der Lebensmittelbranche tätig sein. Den Kochlöffel werde er aber nur noch zu Hause für seine Frau und die Kinder schwingen.

Die von Barbara Schütz Baumgartner initiierte Genossenschaft bezweckt gemäss Eintrag im Schweizerischen Handelsamtsblatt «in gemeinsamer Selbsthilfe die Pacht und den Betrieb des Restaurants Zur Gedult an der Metzgergasse 12 in 3400 Burgdorf und damit den Erhalt dieser Gaststätte in der unteren Altstadt». Pablo Alonso ist überzeugt, dass die Gedult das Potenzial habe, noch besser zu werden. Hierfür brauche es aber auch Kapital, das er nicht habe. Diesbezüglich sei eine Genossenschaft als Trägerin besser und breiter abgestützt.

Das Netzwerk

In dieser Aussage besteht zwischen Alonso und Schütz Kongruenz. Sie habe eine kleine Genossenschaft mit Mitgliedern aus ihrem Freundeskreis anvisiert: «Leute, die gerne guten Wein trinken, etwas Feines essen und mich unterstützen.» Wichtig sei, dass die Genossenschafterinnen und Genossenschafter ein möglichst grosses Netzwerk bildeten. Wenn jede und jeder 20 bis 30 Personen in die Gedult bringe, sei dies super.

Zudem sei es spannend, blickt Barbara Schütz mit spürbarer Begeisterung in die Zukunft, «zusammen mit anderen Leuten Ideen zu entwickeln». Sie denke dabei zum Beispiel an Vorschläge, wie das Säli im ersten Stock der Liegenschaft besser genutzt werden könnte. Aber auch im Bereich Wein würde sie gerne etwas mehr machen. «So weit sind wir noch nicht. Aber es muss auch nicht alles bereits am 1. Januar umgesetzt sein», sinniert die designierte neue Pächterin des Restaurants Zur Gedult.

Übrigens: Im Frühjahr 2019 werden Martina Stoll und Pablo Alonso mit ihren Kindern von der Metzgergasse wegziehen und künftig in ihrem neuen Heim an der Oberburgstrasse wohnen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.07.2018, 16:38 Uhr

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