Ein weiter Weg bis zum neuen Fussballrasen

Utzenstorf

Die Spielfelder des FC Utzenstorf sind überbelastet. Abhilfe schaffen würde ein dritter Platz. Dafür müsste aber privates Land in eine Zone für Sport und Freizeitanlagen umgezont werden.

Im Rahmen des 75-Jahr-Jubiläums des Vereins reiste YB für ein Testspiel nach Utzenstorf. Etwas mehr als sechs Jahre später plant der Club die Erweiterung der Anlage. Foto: Marcel Bieri

Im Rahmen des 75-Jahr-Jubiläums des Vereins reiste YB für ein Testspiel nach Utzenstorf. Etwas mehr als sechs Jahre später plant der Club die Erweiterung der Anlage. Foto: Marcel Bieri

Der FC Utzenstorf ist ein Sportverein, wie es sie hierzulande nach wie vor zu Hunderten gibt. Auch wenn immer mal wieder von serbelnden Vereinen die Schreibe ist – in Utzenstorf jagen etwa 70 Erwachsene und fast 200 Junioren regelmässig dem Ball hinterher. Der Verein ist zu Recht stolz auf seine Nachwuchsarbeit. Doch das hat auch seine Kehrseite: Der Club hat Platzprobleme, respektive durch die vielen Trainings und Spiele sind die beiden Spielfelder überbelastet.

«Wir haben so viele Mannschaften, die trainieren und spielen, dass die Plätze jeden Tag besetzt sind», sagt Werner Kumli, Ehrenpräsident des FC Utzenstorf und Mitglied der dreiköpfigen Sportplatzkommission. Je mehr die Spielfelder genutzt würden, desto intensiver müssten sie auch gepflegt werden.

Zudem habe der Rasen weniger Erholungszeit, ergänzt Peter Hofer. Auch er gehört der Kommission an und ist im Vorstand verantwortlich für die Finanzen. «Ein Naturrasen erholt sich zwar selbst von der Belastung, aber nur, wenn er genügend Erholungsphasen erhält.» Diese werden laut Hofer auch deshalb weniger, weil im Sommer die Meisterschaftspause immer kürzer geworden sei.

Es herrscht also Handlungsbedarf in Utzenstorf. Schon vor etwa zehn Jahren hat sich der Verein Gedanken darüber gemacht. Vor einigen Jahren habe die Sportplatzkommission dann den Kontakt zur Gemeinde gesucht. Sie ist Besitzerin des Grundstücks mit den beiden Fussballplätzen an der Unterdorfstrasse Richtung Wiler.

Der FC nutzt die Spielfelder im Baurecht, ihm gehört das Clubhaus sowie die Infrastruktur auf dem Gelände. Die im vergangenen Jahr angestossene Ortsplanungsrevision sei der richtige Moment, das Thema eines weiteren Fussballfelds aufs Tapet zu bringen, sagt Kumli. «Deshalb haben wir einen Antrag für eine Erweiterung der Spielfelder in die Revision eingebracht.»

Hofer, der bei der Stadt Burgdorf als Finanzdirektor arbeitet, weiss, dass eine solche Platzerweiterung ein langwieriger Prozess ist. Weil es planerische und politische Entscheide bedinge, müsse man rechtzeitig aktiv werden und sich einbringen, sagt Hofer. Der Bau eines dritten Fussballfeldes wäre sowohl nördlich wie auch südlich der bestehenden Plätze denkbar. Der Fussballclub priorisiert aus organisatorischen Gründen zwar die nördliche Variante. «Wir würden uns aber auch der südlichen nicht verschliessen.»

Klar ist, dass so oder so Land umgezont werden müsste. Beide infrage kommenden Grundstücke sind in Privatbesitz und befinden sich in der Landwirtschaftszone. Sie müssten in eine Zone für Sport und Freizeitanlagen (ZSF) umgezont werden. Die Eigentümer seien informiert worden, dass der FC Utzenstorf eine Erweiterung beantragt habe, erklärt Kumli. Im Detail sei aber noch nicht mit ihnen gesprochen worden.

Hanspeter Rentsch, Leiter der Bauabteilung, bestätigt die Absicht des Clubs. Dafür brauche es die Zustimmung der Grundeigentümer, des Kantons und letztlich auch der Stimmbevölkerung. Kein Thema sei auf jeden Fall eine Enteignung: «Im Gegensatz zu einer Zone für öffentliche Nutzung gibt es für eine ZSF nämlich kein Enteignungsrecht», erklärt Rentsch.

Die Erweiterung sei auf der nördlichen und auf der südlichen Seite der jetzigen Spielfelder möglich, doch das hänge vor allem von den Grundeigentümern ab. «Gegen den Willen der Besitzer werden wir nichts umzonen», stellt der Abteilungsleiter klar. Er sagt aber auch, dass die Gemeinde den Handlungsbedarf des Fussballclubs anerkenne und bestrebt sei, nach Lösungen zu suchen.

Das hören Hofer und Kumli natürlich gerne. Denn die Wachstumsmöglichkeiten des Vereins waren in letzter Zeit etwas eingeschränkt. «Das würde uns die Möglichkeit geben, wieder mehr Junioren aufzunehmen», sagt Hofer. Zumal immer mehr Mädchen Fussball spielen wollen. Ein drittes Spielfeld würde aber auch bedeuten, dass den anderen beiden Rasenplätzen mehr Erholung gegönnt werden könnte, was die Unterhaltskosten der Gemeinde reduzieren würde.

Eine Alternative zu einem zusätzlichen Platz wäre, das Hauptspielfeld in Utzenstorf zu einem Kunstrasen umzubauen. Solche sind zwar bei den meisten Fussballern eher unbeliebt, halten aber einer höheren Belastung stand und können deshalb mehr genutzt werden als Naturrasenplätze.

Diese Variante sei auch diskutiert worden, sagt Werner Kumli. Der Club holte vor einiger Zeit Offerten  ein sowohl für einen Kunst- wie auch für einen Naturrasen. Der Bau der künstlichen Unterlage würde laut Kumli gemäss der damaligen Offerte etwa 2,2 Millionen Franken kosten. Ein Naturrasen – inklusive Zaun und Beleuchtung – etwa 700'000 Franken.

Das liesse sich wohl eher finanzieren als ein teurer Kunstrasen. Bei der Finanzierung wäre nämlich vor allem die Gemeinde gefordert. «Wir können uns eine solche Investition gar nicht leisten», sagt Vereinskassier Peter Hofer. Sollte aber der Bau eines zusätzlichen Feldes an der Umzonung scheitern, müsste wohl doch noch einmal über eine künstliche Unterlage diskutiert werden. Zumal auch auf politischer Ebene noch gar nie über diese Variante gesprochen worden sei.

Dem Club bleibt derzeit nichts anderes übrig, als abzuwarten, wie sich die Ortsplanungsrevision entwickelt. «Wir hoffen, dass wir möglichst rasch eine Lösung haben», sagt Hofer – wohl wissend, dass es noch ein bis zwei Jahre dauern wird, bis über die Umzonung abgestimmt wird.

Kumli äussert die Hoffnung, dass die Behörden und die Bevölkerung einer Platzerweiterung gegenüber positiv gestimmt sind: «Der Fussballclub ist letztlich darauf angewiesen, dass er über genügend Spielfelder verfügt, damit er alle fussballbegeisterten Junioren aufnehmen kann.»

Berner Zeitung

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