Trub

Ein Verein ohne Mitgliedermangel

TrubHeuer feiert der Frauenverein Trub sein 100-Jahr-Jubiläum. Er zählt nach wie vor 155 Mitglieder und sorgt dafür, dass die Senioren jedes Jahr gratis auf Reisen können.

Sie haben Freude an ihrer Tätigkeit: Die ehemalige Präsidentin Käthi Wittwer (links) und die aktuelle Vorsitzende Ursula Rentsch berichten über die verschiedenen Aufgaben des Frauenvereins.

Sie haben Freude an ihrer Tätigkeit: Die ehemalige Präsidentin Käthi Wittwer (links) und die aktuelle Vorsitzende Ursula Rentsch berichten über die verschiedenen Aufgaben des Frauenvereins. Bild: Marcel Bieri

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Käthi Wittwer trägt die Landfrauentracht immer noch ab und zu. Sie hat sie einst in einem Kurs des Frauenvereins Trub selbst genäht. Während vier Jahren präsidierte die heute 83-Jährige den Verein, der heuer sein 100-jähriges Bestehen feiert. Als Mitglied lernte Käthi Wittwer jedoch nicht nur das Nähen: «Ich habe auch einen Kurs im Haareschneiden besucht. Seither muss mein Ehemann nicht mehr zum Coiffeur», erzählt sie und lacht.

Viel mehr Berufstätige

Auch heute noch finden sich im Kursprogramm des Frauenvereins Trub gestalterische und handwerkliche Themen. Doch auch zu Bierdegustationen oder einem Fondueessen im Iglu können sich Interessierte anmelden. «Es kommt aber immer wieder einmal vor, dass wir mangels Anmeldungen einen Kurs absagen müssen», sagt die aktuelle Vereinspräsidentin Ursula Rentsch. Denn die Mitglieder hätten sich in den letzten Jahrzehnten verändert: «Viele sind berufstätig und haben dadurch weniger Zeit für einen unserer Kurse.»

Ursula Rentsch selbst ist Bäuerin, arbeitet nebenbei als Serviceangestellte in einem Gasthof und singt im Frauenjodelchor Bärgblueme in Eggiwil. Doch trotz der vielen Stunden, die sie in den letzten Jahren – insbesondere im Hinblick auf das Jubiläumsjahr – für den Frauenverein geleistet habe, bereue sie die Übernahme des Präsidialamts nicht: «Ich bin nicht in Trub aufgewachsen und hätte mich sonst immer ein bisschen als Auswärtige gefühlt.»

Die Aufgaben, die die 11 Vorstandsmitglieder übernehmen, erleichtern die Integration in der Gemeinde. Sie besuchen Kranke und Verunfallte, bringen an runden Geburtstagen ein Geschenk vorbei und organisieren Seniorenreisen, Kurse, Märkte und Unterhaltungsveranstaltungen. «Wir sind mittlerweile berühmt-berüchtigt für unser Dessertbuffet», sagt die 46-jährige Ursula Rentsch. Dabei könne der Vorstand heute glücklicherweise auf die Mitarbeit vieler Mitglieder zählen.

Beliebter Kleidermarkt

Einer der Höhepunkte im Vereinsjahr ist nebst dem Spaghettiessen der Floh- und Kleidermarkt, welchen die Truber Frauen seit 1969 in Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde Uster ZH alle zwei Jahre organisieren. Mit einem Lastwagen werden unter anderem Kleider, Möbel und Haushaltsartikel nach Trub in die Turnhalle transportiert und zum Verkauf angeboten.

Ein T-Shirt ist bereits für einen Franken erhältlich. «Was soll ich also meinem Mann noch die Hemden flicken, wenn ich am Kleidermärit ein fast neues für 2 Franken kaufen kann?», gibt Käthi Wittwer zu bedenken. Der Märit sei auch heute noch gut besucht. «Aber früher mussten sich die Frauen regelrecht mit der Ware einschliessen, bevor der Verkauf offiziell startete.»

Ein richtiger ­Hype sei um den Markt entstanden, so Ursula Rentsch. Schon vor Türöffnung hätten die Käufer ungeduldig vor der Halle gewartet. Und doch hatte Käthi Wittwer als damalige Präsidentin eine schlaflose Nacht: «Ich hatte Angst, dass niemand mehr kommen würde.» Ihre Sorgen waren unbegründet.

Der Frauenverein Trub zählt heute 155 Mitglieder im Alter zwischen 30 und 90 Jahren, wobei auch einzelne Männer dazugehören. «Damit sind wir zufrieden, müssen aber aufpassen, dass wir nicht überaltern», sagt Ursula Rentsch. «Es gab auch Zeiten, da zählten wir 200 Mitglieder.»

Spenden an der Haustür

«Unsere Mutter schickte mich und meine Schwestern als Schulmädchen auf Spendensammeltour für die Winterhilfe durchs Dorf», erinnert sich Käthi Wittwer. Ein Drittel der Einnahmen habe jeweils die Regierung in Bern abgekriegt. «Darauf mussten wir die Einwohner hinweisen, damit sie die Spenden wenn möglich erhöhten.»

Auch heute sammelt der Verein in der Gemeinde. Zwar nicht mehr in Form von Haustürbesuchen, aber durch briefliche Anfrage. «Die Einnahmen aus Gottesdienstkollekten haben in den letzten Jahren zugenommen», freut sich Ursula Rentsch. Der Verein geniesse einen guten Ruf ,und die Bevölkerung schätze seine Arbeit. «Dank den Einnahmen vom Kleidermärit und dem Beitrag der Kirchgemeinde können wir die jährliche Reise für die Seniorinnen und Senioren sogar kostenlos anbieten.»

Die Jubiläumsfeier findet am 20. Oktober 2018 im Gasthof Löwen in Trub statt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.10.2018, 06:19 Uhr

Die Geschichte

Der Frauenverein Trub wurde am 10. Februar 1918 gegründet. 1962 gliederte sich der Schulkreis Kröschenbrunnen an, und nach mehreren gescheiterten Anläufen fusionierte der Verein 1971 mit dem Frauenverein der Talschaft Brandösch. «Es handelte sich dabei um vermögende Bäuerinnen, die teils befürchteten, dass die Truber nur ihr Geld vereinnahmen möchten», erklärt die heutige Präsidentin Ursula Rentsch. Im Hinblick auf die Jubiläumsfeier hat sie anhand alter Protokolle und Briefe eine Vereinschronik erstellt. Anfangs kümmerte sich der Verein insbesondere um ­arme und hilfsbedürftige Menschen. «Eigentlich ist das immer noch unser Anliegen, jedoch ist es heute aus Datenschutzgründen nicht mehr ­einfach, diese Menschen ausfindig zu machen.» So sei der Verein beispielsweise früher direkt vom Spital informiert worden, wenn ein Truber oder eine Truberin hospitalisiert wurde. «Heute ist dies unvorstellbar», sagt Rentsch. Nach zehn Jahren übergibt sie das Präsidium 2019 der aktuellen Vize Pia Gerber.

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