Burgdorf

Ein Stadtteil verliert sein Gesicht

Burgdorf65 Jahre lang prägten die Industriegebäude der Maschinenfabrik Aebi das Bahnhofquartier. In Bälde wird diese Brache verschwinden und einer Grossüberbauung Platz machen.

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Es sind die Blicke zurück in vergangene Zeiten, auf Ereignisse und Begebenheiten, die das Burgdorfer Jahrbuch lesenswert machen. Dies ist auch bei der neusten, der 85., Ausgabe nicht anders. Das Thema «Strassen, Gassen, Wege» zeigt aber auch auf, was in naher Zukunft auf die Bewohnerinnen und Bewohner der Zähringerstadt zukommen wird – zum Beispiel die optische Veränderung des Bahnhofquartiers.

Für seine kritische Betrachtung – «Wenn ein Stadtteil sein Gesicht verliert» – zieht Hanspeter Marmet die Entwicklung des Raums entlang eines Teils der Lyssachstrasse heran: Die markanten Industriegebäude der ­Aebi-Hallen als typische Vertreter der Industriearchitektur der 1950er-Jahre, Skelettbauten mit ihren feingliedrigen Rasterfassaden haben zusammen mit der Passerelle über Jahrzehnte diesen Strassenraum geprägt.

«Es war zwar nie ein Ort zum Ver­weilen», stellt der Präsident der Heimatschutz-Regionalgruppe Burgdorf Emmental fest, «und trotzdem ist es für viele Burgdorfer ein Ort mit hohem Identifikationswert.

Sei es, weil sie selber oder Angehörige bei der Landmaschinenfabrik ­Aebi tätig waren oder weil der alltägliche Weg zur Arbeit, zur Schule oder sonst wohin entlang der prägnanten Fassaden unter der unverkennbaren Passerelle hindurchführte.» Diese Bauten sollen nun verschwinden.

Begründete Einsprache

Der Berner Heimatschutz hatte gegen das Abbruchgesuch der Investorin Alfred Müller AG aus dem zugerischen Cham Einsprache erhoben. Vergeblich. Und dies, obwohl sich eine von mehr als 500 Personen unterschriebene Petition gegen den Abbruch der Aebi-Hallen ausgesprochen hatte.

Die Einsprache wurde aus verschiedenen Gründen eingereicht. Zum einen, weil vorgesehen war, die 1952/1953 erstellten Industriehallen an der Lyssachstrasse 46 und 48 als schützenswerte Gebäude in das Burgdorfer Bauinventar aufzunehmen. Explizit in Fachkreisen sei die Schutzwürdigkeit nämlich nicht infrage gestellt worden, ist Hans­peter Marmet überzeugt.

Und zum anderen, weil das mit dem ersten Preis ausgezeichnete Wettbewerbsprojekt der jungen Architekten Luca Camponovo, der in Burgdorf aufgewachsen ist, und Marianne Julia Baumgartner aufgezeigt habe, «dass durch den Erhalt der Hallen qualitativer Raum geschaffen werden kann».

Nicht im Bauinventar

In seiner Betrachtung bedauert es Architekt Hanspeter Marmet namens des Heimatschutzes, dass es die Behörden verpasst hätten, «die Aebi-Hallen zeitig rechtskräftig im Bauinventar zu verankern».

Die ausgebliebene Unterschutzstellung sei denn auch der Hauptgrund gewesen, weshalb die abgewiesene Einsprache nicht an die nächsthöhere Instanz weitergezogen worden sei. Zumindest habe die Einsprache bewirkt, dass die Hallen erst dann abgebrochen werden dürften, wenn eine rechtskräftige Überbauungsordnung vorliege.

Zusammen mit seinen Mitstreitern sei er nach wie vor der «festen Überzeugung», dass die beiden Aebi-Hallen inklusive der Passerelle saniert und umgenutzt werden könnten: «Die bestehende Struktur bietet Flexibilität, schafft Identität und kann ohne grossen Mehraufwand für Wohnen, Gewerbe, Läden, Büros, Restaurants, Freizeit, Bildung et cetera vielfältig genutzt oder zumindest zwischengenutzt werden.»

Kritik an Behörden

Dies biete zudem die Chance, dass gerade aus einer Zwischennutzung «wichtige Impulse für die zukünftige Entwicklung eines lebhaften, vielfältigen, neuen Stadtquartiers» gesetzt werden könnten.

Der Berner Heimatschutz wünsche sich aus diesen Gründen, dass die Projektverantwortlichen und Behörden den Wert der vorhandenen Bausubstanz aus architektonischer, historischer und städtebaulicher Sicht erneut prüfen würden. Denn: «Was in vielen Städten der Schweiz und weltweit bestens funktioniert und so manchen brachliegenden Stadtteil neu aufblühen lässt, sollte doch auch in Burgdorf möglich sein.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.01.2018, 06:19 Uhr

Was ist geplant?

Seit Juli 2017 steht es fest: Die Industrie­brache der ehema­ligen Maschinenfabrik Aebi beim Bahnhof Burgdorf darf dem Erdboden gleichgemacht werden.

Wohl wehrte sich der Berner Heimatschutz gegen den Abbruch der nicht unter Denkmalschutz stehenden Bauten, doch erteilte die Stadt Burgdorf die Abbruchbewilligung. Gegen diese wurde bei der kantonalen Bau-, Verkehrs- und Energie­direktion keine Beschwerde eingereicht.

Geplant sind im sogenannten Suttergut Nord sieben unterschiedlich grosse Baukörper, die zusammen eine nutzbare Geschossfläche von ­maximal 40 000 Quadratmetern auf­weisen. Die Gebäude zählen drei bis acht Geschosse und werden bis zu 30 Meter hoch.

Der Entwurf der Überbauungsordnung schreibt eine Mischnutzung von mindestens 30 Prozent Wohnraum und 30 Prozent Gewerbe vor. Die Investorin Alfred Müller AG aus dem zugerischen Cham geht von einem Nutzungsmix von ungefähr zwei Dritteln Wohn- und einem ­Drittel Geschäftsfläche aus.

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