Ein Signal, das Gehör findet

Burgdorf

Dass Ypsomed über 100 Stellen nach Solothurn verlagert, zieht nebst Bedauern auch Verständnis nach sich.

110 Arbeitsplätze verschiebt das Unternehmen bis Anfang 2020 vom Emmentaler Hauptsitz in die Stadt Solothurn.

110 Arbeitsplätze verschiebt das Unternehmen bis Anfang 2020 vom Emmentaler Hauptsitz in die Stadt Solothurn.

(Bild: Raphael Moser)

Chantal Desbiolles

110 Arbeitsplätze verschiebt das Unternehmen bis Anfang 2020 vom Emmentaler Hauptsitz in die Stadt Solothurn. Damit macht Ypsomed-Chef Simon Michel wahr, was er im Vorfeld der Abstimmung zur Senkung der Unternehmenssteuern in Aussicht gestellt hatte. Mitarbeitende aus Produktmanagement, Mechanik, Hard- und Softwareentwicklung, Logistik, Regulation und Qualitätswesen wechseln den Standort – und damit auch den Kanton. Ypsomed lastet damit Bürogebäude aus, die das Unternehmen jüngst zugekauft hat.

«Natürlich bedaure ich diesen Entscheid», sagt Stadtpräsident Stefan Berger (SP). Er verweist zugleich auf die Entwicklung am Standort Burgdorf, die in ungefähr zwei Jahren den Wegfall der Stellen kompensieren soll. Berger verlässt sich darauf, dass die Stellen ersetzt und der heutige Etat von 600 Angestellten im Rahmen der Erweiterung am Hauptsitz in Burgdorf wieder erreicht wird.

«Sorge zu Firmen tragen»

Darin sieht auch Jürg Rothenbühler als Präsident der Emmentaler Regionalkonferenz immerhin einen «kleinen Trost». Darüber hinaus findet er den Abzug der Stellen «unheimlich schade», denn: «Als Emmentaler sind wir betroffen von dieser Entscheidung.» Er habe nicht damit gerechnet, dass die Abstimmung zu den Unternehmenssteuern so ausgehe.

Als Unternehmer hätte er sich diesbezüglich von der Kantonsregierung mehr Positionierung erhofft, sagt Rothenbühler, ein wenig mehr Mut. Dass als Folge davon nun Investitionen in Solothurn statt in Burgdorf vorgenommen werden, bedaure er sehr. «Das ist nicht gut.» Er hoffe sehr, dass die Kantonsregierung dieses «Signal» empfange und hinschaue. «Wenn wir attraktiv bleiben wollen, müssen wir dazu Sorge tragen, dass solche Firmen hierbleiben.»

«Als Emmentaler sind wir betroffen von dieser Entscheidung.»Jürg Rothenbühler, Präsident der Regionalkonferenz Emmental

«Es geht nicht ums Drohen»

Die Ypsomed müsse selber aus betrieblicher Sicht entscheiden, wo sie investieren wolle, diese Haltung vertritt Walter Gerber, Präsident des Handels- und Industrievereins Sektion Emmental. «Es handelt sich um einen unternehmerischen Entscheid, den wir voll und ganz respektieren.» Er verweist wie Berger auf den längerfristigen Bestand von 600 Arbeitsplätzen und Michels Zusage, dass aktuell keine Pläne bestehen, den Hauptsitz nach Solothurn zu verlagern. Er hoffe, dass es dabei bleibe.

Gerber kommt ebenfalls auf die Rahmenbedingungen für die Unternehmen und die Höhe der Steuern zu sprechen. Sie seien einer von mehreren wichtigen Faktoren. Mit Besorgnis beobachteten die Unternehmer, dass bei den Unternehmenssteuern keine Senkungen mehr vorgesehen seien. «Es geht nicht darum zu drohen», stellt er fest. Aber dass bei einzelnen die Schmerzgrenze überschritten werde, dafür sei Verständnis vorhanden. Zwar sei ihm nicht bekannt, dass andere Unternehmen dem Beispiel von Ypsomed folgen wollten, sagt Gerber. Dass heisse allerdings nicht, dass es nicht geschehen könne.

Berner Zeitung

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