Ein reformfreudiges Volk

Trub

Die Stimmberechtigten in Trub sind bereit, sowohl in Sachen Wasserversorgung als auch im Bildungswesen über die Gemeindegrenzen hinweg mit den Nachbarn zusammenzuarbeiten.

An der Truber Gemeindeversammlung herrschte Einigkeit.

(Bild: Daniel Fuchs)

Gewöhnlich handelt es sich um unspektakuläre Geschäfte, wenn die Zustimmung so deutlich ausfällt. Zweimal sagten die Truber mit bloss zwei Gegenstimmen Ja. Doch die Tatsache, dass mit 71 Personen relativ viele an der Gemeindeversammlung teilgenahmen, wies darauf hin, dass Aussergewöhnliches zur Diskussion stand.

Es bleibt nichts anderes

Zum einen ging es um die Frage, ob sich die Truber bei der Wasserversorgung auf eine Zusammenarbeit mit den Gemeinden Trubschachen und Langnau einlassen sollen. Ob sie dafür zwei über 25 Jahre laufende Verträge genehmigen und einer Investition von 1,26 Millionen Franken zustimmen würden. Bis auf zwei sagten alle Stimmberechtigten Ja.

Den Trubern bleibt auch nicht viel anderes übrig, als das Trinkwasser künftig von der Gemeinde Langnau zu beziehen, nachdem klar ist, dass die eigene Grundwasserfassung in der Hüseren stillgelegt werden muss. Jetzt müssen noch die Gemeinden Trubschachen und Langnau der neuen Organisation in Sachen Wasserversorgung zustimmen.

Trotz der Investition und jährlich wiederkehrenden Betriebskosten von rund 14'700 Franken könne davon ausgegangen werden, dass sich an der jährlichen Grundgebühr von heute 250 Franken und den 1.20 Franken pro Kubikmeter nichts ändern werde, sagte der zuständige Gemeinderat Martin Wiedmer. Das mag zur eindeutigen Zustimmung beigetragen haben.

Grünes Licht für neue Schule

Dass auch die geplanten Änderungen in der Schulorganisation ohne eine einzige Frage und kommentarlos Zustimmung fanden, spricht für die Qualität der geleisteten Vorarbeit. Offenbar ist es der Arbeitsgruppe und insbesondere den Schulleitern Matthias Pfister in Trub und Walter Guggisberg in Trubschachen gelungen, die Notwendigkeit einer Reorganisation aufzuzeigen.

Wie schon an einer Orientierungsversammlung Anfang April zählte Pfister Gründe auf, die dafür sprechen, die bisherigen Schulen der Gemeinden Trub und Trubschachen in eine neue, gemeinsame Organisation zu überführen. So nannte er etwa die Möglichkeit, am in Trubschachen geplanten Oberstufenzentrum durchlässigen Unterricht einzuführen und von der starren Trennung zwischen Sekundar- und Realschule abzukommen.

Indem die Oberstufe im Schachen und die Mittelstufe im Dorf Trub zentralisiert werden sollen, muss sich auch keine der Gemeinden als Verliererin fühlen. Matthias Pfister betonte zudem, dass durch den Lehrplan 21 höhere Lohn- und Infrastrukturkosten zu erwarten wären, sich diese mit dem geplanten neuen System jedoch etwa im gleichen Rahmen halten liessen. «Denn so könnten wir die Unterrichtsgruppen besser zusammenfassen.»

«Wir sind ziemlich sicher, dass es nicht teurer wird.»Schulleiter Matthias Pfister zur neuen Schulstruktur. 

Und wenn die Truber Sekundarschüler nicht mehr in Langnau unterrichtet würden, könnte sich die Gemeinde das Schulgeld sparen. «Wir sind ziemlich sicher, dass es nicht teurer wird», sagte Pfister.

Noch viel zu tun

Noch sind nicht alle Fragen im Detail geregelt. Aber mit ihrem deutlichen Ja bei wiederum zwei Gegenstimmen und noch zwei Enthaltungen erteilten die Truberinnen und Truber der Arbeitsgruppe den Auftrag, in der eingeschlagenen Richtung fortzufahren. Sofern nächsten Freitag auch die Gemeindeversammlung von Trubschachen zustimmt, gilt es danach zu klären, welche Organisationsform in Frage kommt: Ob das Modell einer Sitzgemeinde oder eines Schulverbandes.

«Unter Mitwirkung aller Beteiligten», so Pfister, hat die Arbeitsgruppe nun auch Reglemente und ein Betriebskonzept auszuarbeiten. Ihr Ziel ist es, dass die Gemeindeversammlung im Dezember 2019 die definitiven Beschlüsse fällen und die Schule im August 2021 in den neuen Strukturen starten kann.

Berner Zeitung

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