Ein Politikum erreicht die Kirche

Oberburg

Soll im Kirchturm eine 5G-Mobilfunkanlage installiert werden? Das letzte Wort hat morgen das Volk.

Die Oberburger möchten ihren Kirchturm der Swisscom für 7000 Franken pro Jahr vermieten. Foto: Thomas Peter

Die Oberburger möchten ihren Kirchturm der Swisscom für 7000 Franken pro Jahr vermieten. Foto: Thomas Peter

Was ist dagegen einzuwenden, dass die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Oberburg jährlich 7000 Franken Einnahmen verbuchen kann, ohne auch nur einen Finger krumm machen zu müssen? Nichts. Dies jedenfalls dachte sich der siebenköpfige Kirchgemeinderat, als er von der Swisscom angefragt wurde, ob im Kirchturm eine Mobilfunkanlage mit der 5G-Technologie montiert werden dürfe.

Umso mehr, als der Konzern einen Mietvertrag über eine feste Dauer von fünfzehn Jahren abschliessen wollte – mit einer Kündigungsfrist von 36 Monaten. «Der Kirchgemeinderat ist nach längerer Beratung und Abklärungen der Meinung, dass die Mobilfunkanlage in der Kirche Oberburg eine vertretbare Lösung darstellt», steht in der Botschaft zur ordentlichen Kirchgemeindeversammlung. Diese findet morgen im Anschluss an den Gottesdienst statt.

Widerstand im Emmental

Die positive Haltung der Kirchenführung zum Gesuch der Swisscom ist nachvollziehbar. Denn die Zahl der Mitglieder dürfte auch in Oberburg kleiner werden, die Aufwendungen für den Kirchenunterhalt aber etwa gleich hoch bleiben oder gar noch zunehmen. Kommt dazu, dass Mobilfunkanlagen bereits in vielen anderen Kirchtürmen der Schweiz montiert sind und Strahlen aussenden, ohne dass ein Hahn danach krähen würde.

Das Pech des Kirchenrats ist es, dass das Thema 5G landauf und landab heiss und kontrovers diskutiert wird und in den letzten Wochen und Monaten zu einem eigentlichen Hype geführt hat. Im Genfer Kantonsparlament wurde ein Stopp für die Montage von 5G-Anlagen beschlossen.

Erst wenn unabhängige wissenschaftliche Studien vorlägen, die zeigten, welche gesundheitlichen Auswirkungen die stärkere Belastung durch elektromagnetische Wellen zur Folge hätten, will man in Genf über eine Aufhebung des Moratoriums diskutieren. Opposition gibt es allerdings auch im Emmental – in Burgdorf und noch vehementer in Langnau.

«Bedenken hatten wir auch»

Und nun bleibt auch die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Oberburg von dieser weltlichen Diskussion nicht verschont. Auf der Suche nach einem neuen Standort sei die Swisscom an die Kirchgemeinde gelangt. «Bedenken wegen der Strahlung hatten wir auch. Damals gab es aber noch nicht solch einen Hype um das Thema», sagte Christoph Galli, Präsident des Kirchgemeinderates Oberburg, am Freitag auf Anfrage.

Letztlich habe man sich, weil der Ort und die Höhe für eine Antenne, die man von aussen nicht sehe, ideal seien, mit der Swisscom geeinigt. Unterzeichnet werden kann der Mietvetrtrag jedoch nur, wenn die Kirchgemeindeversammlung am Sonntag Ja dazu sagt.

Man habe sich den Entscheid zugunsten der Antennenlösung im Kirchturm nicht leicht gemacht, versicherte Galli. Zuvor habe der Rat bei anderen Kirchgemeinden nachgefragt, welche Praxis diese anwendeten; einen einheitlichen Tenor gebe es nicht: die einen seien strikt dagegen, bei anderen seien die Mobilfunkanlagen bereits montiert.

«Wenn es gesicherte wissenschaftliche Untersuchungen gäbe, die zeigten, dass die G5-Strahlung schädlich ist, wäre uns dieses Risiko sicher nicht 7000 Franken pro Jahr wert», betonte Christoph Galli. Der Oberburger Kirchgemeinderatspräsident rechnet mit einer grossen Beteiligung an der Versammlung.

In den letzten Wochen habe er viele Telefonanrufe und E-Mails von Anwohnern der Kirche, aber auch von anderen Bürgern erhalten, die wegen der 5G-Technologie gesundheitliche Bedenken hätten. Es werde einen emotionalen Entscheid geben, ist Galli überzeugt. Und selbst, wenn am Sonntag ein Ja der Kirche resultiert, kann die Swisscom die Anlagen noch nicht montieren, zumal zuerst ein ordentliches Baubewilligungsverfahren durchgeführt werden muss.

Berner Zeitung

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