Burgdorf

«Ein Ort, der wächst, sorgt für Freude»

BurgdorfRudolf Holzer ist ab 1. Januar 2019 Chef der Baudirektion. In welchen Bereichen der Stadtentwicklung er Akzente setzen will, verrät der 48-jährige Architekt noch nicht.

Ab Neujahr wird Rudolf Holzer auf den Baustellen im öffentlichen Bereich die Federführung haben.

Ab Neujahr wird Rudolf Holzer auf den Baustellen im öffentlichen Bereich die Federführung haben. Bild: Daniel Fuchs

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Warum haben Sie sich als Baudirektor beworben? Rudolf Holzer: Es ist eine spannende Herausforderung, weil die Konstellation interessant ist: von der Stadtentwicklung über Hoch- und Tiefbau bis Stadtgrün und Werkhof. Die Baudirektion ist quasi die Visitenkarte der Stadt. Bezüglich Stadtentwicklung ist Burgdorf in einer spannenden Phase. Für mich und meine berufliche Laufbahn hat auch das Timing ideal gepasst.

Bitte etwas genauer. Seit zwei Jahren leite ich die Immobilienentwicklung einer Immobilienfirma in Luzern. Zuvor habe ich für die gleiche Firma den Standort Bern mitaufgebaut. Nun übernehme ich die Leitung der Baudirektion Burgdorf und kann damit, wie von mir angestrebt, wieder in die Region zurückkommen.

Da Sie in der Privatwirtschaft in einer Führungsfunktion sind, wird der Lohn als Chef eines Stadtbetriebs nicht das entscheidende Argument für den Jobwechsel sein.Bei meinen bisherigen Stellen stand und steht für mich die Aufgabe und die Herausforderung im Vordergrund, nicht der Lohn.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Arbeit in der Zähringerstadt vor?Ich habe bereits begonnen, mich etwas detaillierter mit laufenden Projekten zu befassen, sodass Ende Jahr zwischen Peter Hänsenberger und mir eine optimale Übergabe stattfinden kann.

Trotz seiner vorzeitigen Pensionierung wird Peter Hänsenberger gewisse Projekte weiterbetreuen. Haben Sie keine Bedenken, dass Sie sich in die Quere kommen könnten?Nein, denn wir werden einen konstruktiven Austausch pflegen. Es ist im Interesse der Stadt, dass es beim Wechsel in der Direktionsführung zu einem fliessenden Übergang kommt. Sein Mandat soll verhindern, dass laufende Projekte und Geschäfte ins Stocken geraten.

Burgdorf gilt als grüne Stadt. Dem Velo und dem öffentlichen Verkehr wird ein höherer Stellenwert eingeräumt als dem Auto. Das scheint auch in Ihrem Sinn zu sein, zumal Sie mit einem Elektrotrottinett zu diesem Gespräch im Kornhaus gefahren sind.Bei der Immobilienentwicklung setze ich mich auch mit Mobilitätsfragen auseinander. Es gibt verschiedene Verkehrsträger – vom Langsamverkehr bis zum Auto. Für jedes Verkehrsmittel gibt es einen sinnvollen Bereich. Das Trottinett nutze ich für die sogenannte letzte Meile. Es ist praktisch, weil ich es mitnehmen kann, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin. Je nach Nutzung hat das Auto ebenso seine Berechtigung wie das Fahrrad. Ich priorisiere also weder das eine noch das andere. Im Zentrum muss die Frage stehen: Wie kann die Stadt optimal genutzt werden, damit sie attraktiv bleibt? Per se einen Verkehrsträger auszuschliessen, macht keinen Sinn.

Sind Sie ein politischer Mensch?Ich gehöre keiner Partei an, was für meine Funktion wahrscheinlich ein Vorteil sein wird.

Also können sich weder die Links-Grünen noch die Bürgerlichen auf den neuen Chef der Baudirektion freuen.Im Gegenteil. Alle politischen Lager können sich freuen, weil ich allein der Sache verpflichtet bin.

Selbst wenn Sie keiner Partei angehören, so werden Sie doch eine politische Grundgesinnung haben?Ich habe eine liberale und bodenständige Grundauffassung, welche gesellschaftliche Werte und Nachhaltigkeit miteinschliesst.

Sie treten Ihr Amt am 7. Januar an, mit Stadtpräsident Stefan Berger sind Sie jedoch bereits per du.In der Burgdorfer Stadtverwaltung ist dies offenbar die Praxis. Mit allen Mitarbeitern, die ich bisher kennen gelernt habe, bin ich per du. Ich begrüsse dies sehr.

In der Privatwirtschaft wird heute entschieden und morgen umgesetzt. In der Stadt dauert es ungleich länger, weil neben Gemeinde- und Stadtrat oft auch das Volk mitbestimmen kann. Schreckt Sie dies ab?Nein. Ich war früher Leiter der Immobilienentwicklung der SBB für die Regionen Mittelland und Tessin. Deshalb kenne ich die Verfahren und weiss, dass es verschiedene Anspruchsgruppen gibt. Allerdings wird in der Privatwirtschaft auch nicht immer alles so rasch umgesetzt, weil zum Beispiel der Verwaltungsrat noch ein Wort mitreden will. Die Organisationsstruktur der Stadt ist relativ ähnlich wie bei einem grossen Unternehmen. Aber: Dass es in Sachgeschäften lange dauern kann, ist klar.

«Bei meinen
bisherigen Stellen stand und steht für mich die Aufgabe und die Heraus-
forderung im
Vordergrund,
nicht der Lohn.»

Dass Sie vom Macher zum Ausführenden werden, stört Sie nicht?Ich würde sagen, ich werde vom Macher zum ausführenden Macher. Etliche Geschäfte kann man dank Argumenten und Überzeugungsarbeit so lenken, dass sie ausgeführt werden können. In den letzten Jahren ist Burgdorfs Bevölkerungszahl stetig gewachsen. Als Mann der Bauwirtschaft wird Sie dies freuen.Ein Ort, der wächst, sorgt für Freude. Burgdorf bietet gute ­Voraussetzungen für ein massvolles und sinnvolles Wachstum.

Es bleibt die Frage: Wie lange ist Wachstum überhaupt sinnvoll?Das Wachstum muss primär durch innere Verdichtung erfolgen. Das gilt für Burgdorf ebenso wie für andere Städte. Mit dem Bestand müssen wir massvoll umgehen. Es ist sinnvoller, die braune statt die grüne Brache anzuvisieren.

Ein Häuschen auf der grünen Wiese ist doch der Traum eines jeden Schweizers Nein, mein Traum ist es nicht.

Kürzlich musste das Parlament darüber entscheiden, ob die Stadt Liegenschaften kaufen soll, um dem sozialen Wohnungsbau eine Chance zu geben. Wie stehen Sie zu dieser Frage?Ohne dieses konkrete Ge­­s­chäft zu kennen, bin ich der Ansicht, dass bezahlbarer Wohnraum ­ermöglicht werden muss. Denn eine Stadt kann nur funktio­nieren, wenn die soziale Durchmischung stimmt. Burgdorf ist da auf einem guten Weg als Wohngemeinde und als attraktiver Wirtschaftsstandort. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.11.2018, 07:52 Uhr

Zur Person

Rudolf Holzer wurde am 9. Mai 1970 in Aarberg geboren. Nach einer Hochbauzeichnerlehre studierte er in Burgdorf Architektur, später Betriebswirtschaft und Unternehmensführung an der Berner Fachhochschule, zudem machte er an der Universität Freiburg einen Ausbildungsgang in Mediation. Er war für private Architektur- und Ingenieurbüros und für die SBB tätig. Bis Ende Jahr leitet Holzer für eine Immobilienfirma die Immobilienentwicklung in verschiedenen Regionen der Schweiz. Der neue Chef der Burgdorfer Baudirektion wohnt mit seinem Partner in Urtenen-Schönbühl, ein Umzug nach Burgdorf ist für ihn aber denkbar.

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