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Ein Hort für die Lieblinge

Die Idee von einer Velostation im alten Güterschuppen der SBB bekommt wieder Aufwind. Das Bahnunternehmen wusste anscheinend nicht, wie gross der Raum ist. Der Gemeinderat nimmt Verhandlungen auf.

Ein begehrter alter Schuppen: Schon seit Jahren möchte die Gemeinde in diesen Räumen ihre Velostation einrichten. Die SBB als Besitzerin gaben jeweils an, sie selber als Lager zu nutzen. Durch einen eben erst entdeckten Fehler in der Buchhaltung könnte sich das nun ändern.
Ein begehrter alter Schuppen: Schon seit Jahren möchte die Gemeinde in diesen Räumen ihre Velostation einrichten. Die SBB als Besitzerin gaben jeweils an, sie selber als Lager zu nutzen. Durch einen eben erst entdeckten Fehler in der Buchhaltung könnte sich das nun ändern.
Thomas Peter

Sie sind die Preziosen des neuen Jahrtausends: Fahrräder, Velos! Weltweit, in Europa, in der Schweiz, in Bern, im Emmental und so auch in Langnau. Heute sind das nicht mehr nur einfache Drahtesel, sondern Mountainbikes im Preissegment eines Kleinwagens, kostbare Rennvelos, ganz zu schweigen von den Hochgeschwindigkeits-Elektrobikes.

Klar, will man die in sicheren Händen wissen, wenn man sie morgens am Bahnhof allein zurücklässt, um mit dem Zug zur Arbeit zu pendeln.Da kommt es nicht von ungefähr, dass die Gemeinde seit sieben Jahren versucht, am Bahnhof eine moderne, bewachte oder verschliessbare Velostation einzurichten, sind doch die bestehenden Veloständer alt, bereits arg überfüllt und sowieso alles andere als sicher.

Sieben Jahre schon gibt es also einen Willen, aber noch immer keinen Weg. Deshalb hat die SP nun einen neuen Anlauf genommen. Mit einer Motion vom Juni 2017 beauftragte sie den Gemeinderat, erneut Verhandlungen für die Einrichtung und Betreibung einer Velostation im Güterschuppen der SBB aufzunehmen. An der Sitzung des Grossen Gemeinderats vom Montag nahm Hans Peter Schenk als Vorsteher der öffentlichen Sicherheit Stellung dazu und liess wieder Hoffnung aufkommen.

Die Gemeinde gibt nicht auf

Das Dossier Velostation habe er bereits 2010 erstellt, sagte er und erläuterte dann, was seither alles probiert wurde. So wollte die Gemeinde die Station zuerst in den Räumlichkeiten des alten Bahnhofbuffets einrichten, die nach dem Bahnhofsumbau Ende 2012 leer standen.

Doch hatten die SBB wohl etwas andere Vorstellungen von günstigen Mietpreisen. 1500 Franken ohne Nebenkosten für 130 Quadratmeter war der Gemeinde zu viel. Die Verhandlungen scheiterten. Übrigens hatte das Bahnunternehmen noch jahrelang seine liebe Mühe, die Räume zu vermieten. Erst auf Anfang 2016 wurde es fündig. Heute hat sich dort ein Fitnessstudio eingenistet.

In Sachen Velostation blieben die Gemeindevertreter aber dran und schienen dann sogar fast ein bisschen über sich hinauszuwachsen. Ab Mitte 2014 kam die Vision auf, die Station in ein paar ausrangierten Güterwaggons auf einem Abstellgleis einzurichten. Eine geniale Idee habe man das damals genannt, sagte Schenk am Montagabend. Wiederum waren es die SBB, die die Gemeindevertreter auf den Boden der Tat­sachen zurückholten. Sie hatten ­Sicherheitsbedenken wegen der Nähe zu den noch befahrenen Gleisen. Und winkten ab.

Eine Überraschung

Die Gemeinde dachte aber nicht daran, aufzugeben. Gibt es doch noch den Güterschuppen etwas weiter südlich des Bahnhofs. Ein grosses, altes und deshalb auch geschütztes Gebäude, das ebenfalls den SBB gehört. Auch hier: leider nein. Kein Leerbestand, hiess es. Scheinbar würden die Räumlichkeiten noch genutzt. Scheinbar.

Denn dann geschah Unerwartetes. Vor eineinhalb Wochen seien Leute der SBB nach Langnau gekommen und hätten sich die Räumlichkeiten angeschaut, sagte Schenk. Obwohl diese Begehung nichts mit der Velostation zu tun hatte, wie er betonte, brachte sie doch Licht ins Dunkle, und zwar ins Schattenreich der Buchhaltung der Bundesbahnen.

Wie Hans Peter Schenk weiter ausführte, sei der Güterschuppen bei den SBB wirklich als Schuppen verbucht gewesen, mit einer zum Begriff passenden Grösse von 11 bis 15 Quadratmetern. Nicht schlecht gestaunt mussten die Zuständigen haben, als sich herausstellte, dass das Gebäude eine Fläche von sage und schreibe 170 bis 180 Quadratmetern aufweist.

Das ist eine ganz neue Ausgangslage. Nicht nur für die Gemeinde, sondern auch für die Stiftung Intact, die bereits in einem Teil des Gebäudes eingemietet ist. Sie hat laut Schenk nun bereits mit der Gemeinde Kontakt aufgenommen. Schliesslich möchte sie dort wohl schon ebenso lange wie die Gemeinde ihre Station, eine Velowerkstatt einrichten. Bei mehr als 170 Quadratmetern könnte es wohl Platz für beides haben.

Die Motion musste der Gemeinderat ablehnen, weil es zu jenem Zeitpunkt nicht danach aussah, als käme man mit den SBB noch auf einen grünen Zweig. Jetzt aber, mit den neuen Erkenntnissen, gibt es wieder Hoffnung. Deshalb schlug er vor, den Auftrag kurzerhand in ein Postulat umzuwandeln. Die Motionäre waren einverstanden. Die Räte ebenfalls: 39 zu 1. Der Hort für die geliebten Schmuckstücke wird wieder möglich.

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