Koppigen

«Ein Glück, dass ich noch singen kann»

Koppigen50 Jahre alt wird der Jodlerklub Bärgbrünneli. Nur ein Jahr weniger lang ­dabei ist das älteste Mitglied, Ernst Meier aus Burgdorf.

Ernst Meier, (Zweiter von links) inmitten «seines» Jodlerklubs Bärgbrünneli Koppigen.

Ernst Meier, (Zweiter von links) inmitten «seines» Jodlerklubs Bärgbrünneli Koppigen. Bild: Olaf Nörrenberg

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Aufgewachsen sei er in den Wynigenbergen, sagt Ernst Meier, auf einem kleinen Heimetli am Fusse des Oberbüelchnubels. Wer in so schöner Umgebung lebt, dem muss das Jutzen fast im Blut liegen, könnte man meinen.

Man applaudierte

So ist es auch. Ernst Meier sang und juchzte von Jugend an gerne, bei jeder Gelegenheit. Als junger Bursche gab er im Ferrenberg am Wirtshaustisch mit Kollegen zusammen gerne «Lumpenliedli» zum Besten. Die Leute hörten ihn gern, man applaudierte.

Als 1967 im Restaurant Frohsinn in Willadingen bei Koppigen der Jodlerklub Bärgbrünneli gegründet wurde, dauerte es nicht lange, bis man Ernst Meier fragte, ob er Interesse habe. Gerade zu jener Zeit gab seine Familie die Landwirtschaft auf und zügelte nach Burgdorf.

Meier aber sagte mit Freuden zu, so behielt er den Kontakt zu seinen Freunden – und konnte seinem liebsten Hobby frönen, dem Singen. So ist es all die Jahre geblieben, er hielt dem Bärgbrünneli, der am kommenden Wochenende das 50-Jahr-Jubiläum feiert, die Treue.

Die Kameradschaft blieb

Wie schnell die Jahre verflogen, er könne es selbst kaum glauben, dass er mit 70 Jahren nun zu den Ältesten im Verein gehöre, sagt Meier. Vieles habe sich verändert, manch lieber Freund, auch sein Duettpartner, seien gestorben. Seine Stimme sei dunkler geworden, statt Tenor singe er jetzt Bass.

Das Text-Auswendiglernen müsse halt fleissig wiederholt werden. Und der Schnauf: Wenn er beim Jodeln noch so die Seele aus dem Leib brüllen wollte, wie er es früher tat, ginge es nicht mehr. Aber heute schone man die Stimmbänder, eigne sich Atemtechnik an und «turne» sich vor dem Singen sorgfältig ein. Das helfe.

Eine schwere gesundheit­liche Krise habe er vor einigen Jahren überwunden und mit Fleiss und Ausdauer wieder zum Singen zurückgefunden. «Ohne das wäre das Leben nicht mehr schön gewesen.» Seine Sängerfreunde hielten zu ihm, so wie Fritz Buri. Er ist fast gleich lang im Verein – und gerade bei ihm zu Gast. Zusammen bringen die beiden manches «Weisch no» in Erinnerung.

Singen, was gefällt

Nicht, dass Ernst Meier einsam wäre, auch wenn ihm so viel an der Kameradschaft liegt. Er habe eine liebe Frau, die mit ihm zusammen singe. Die Kinder sind aus dem Haus, dafür kommen die Grosskinder zu Besuch, und die singen gern mit ihm. «Wir haben im Verein auch Polo Hofer und Span im Repertoire», sagt er, das gefalle den Jungen.

Sowieso sei volkstümlich heute mehr denn je im Trend, man denke nur an Oesch’s die Dritten oder Trauffer oder den Jodlerklub Wiesenberg. Ganz zu schweigen von Andreas Gabalier und all den Oberkrainern. Meier urteilt nicht engherzig. Musik kenne keine Grenzen, jeder solle das hören und singen, was ihm gefalle.

Stolz auf den Verein

Präsident Christian Wittwer ist stolz auf den Jodlerklub Bärgbrünneli. 18 Jodler und 3 Jodlerinnen im Alter zwischen 27 und 77 Jahren treffen sich jeden Mittwochabend im alten Schulhaus Koppigen zur Probe. «Wir sind nicht wirklich überaltert, aber wir würden uns freuen, junge Sänger zu begrüssen.

Jedermann ist herzlich willkommen und lernt bei uns singen», sagt er. Auch die Kameradschaft komme nicht zu kurz. Das beweisen die langjährigen Mitglieder. Manche Erfolge konnte man feiern, an Jodlerfesten und öffentlichen Auftritten. Bis heute wurden zwei Tonträger aufgenommen.

Jubiläumskonzert Jodlerklub ­Bärgbrünneli Koppigen: Samstag, 27. Mai, 20 Uhr, in der Werkhalle der Gartenbauschule Oeschberg. Jodlerträffe untere Emme: Sonntag, 28. Mai, 10 Uhr, gleicher Ort. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.05.2017, 07:59 Uhr

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