Emmental

Ein gewagter Blick in die Zukunft

EmmentalPlötzlich war nicht mehr klar, ob es die Verkehrssanierung überhaupt braucht. Ein Mobilitätsforscher weckte am Regioday Zweifel.

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Um das Thema Zufahrt Emmental ist es ruhig geworden. So ruhig, dass Jürg Rothenbühler schon die Befürchtung zu Ohren gekommen war, «es könnte wieder vierzig Jahre dauern, bis etwas geht». Deshalb stellte der Präsident der Regionalkonferenz Emmental den Regioday Nummer 11 unter das Thema Mobilität. Erst liess er Jürgen Seeber referieren. Der Projektleiter des Oberingenieurkreises IV sollte die anwesenden Behördenver­treter und Politiker mit dem aktuellen Stand der Dinge vertraut machen.

Seeber versicherte, dass hinter den Kulissen durchaus gearbeitet werde. Aktuell werde das Bauprojekt konkretisiert, sodass nächstes Jahr eine zweite Mitwirkung gestartet werden könne. Auch gelte es, die Kosten mit einer Genauigkeit von plus/minus 10 Prozent statt wie bisher plus/minus 20 zu berechnen. Ziel sei es, 2021 einen genehmigten Strassenplan zu haben und mit der Umsetzung des rund 420 Millionen Franken teuren Projekts beginnen zu können.

Mehr Platz, weniger Autos

Danach wird zwischen Burgdorf und Hasle rund zehn Jahre gebaut. Bis zum Abschluss der Arbeiten wird sich in Sachen Verkehr vielleicht schon einiges verändert haben. Thomas Sauter, Mobilitätsforscher an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, sprach nach Seeber jedenfalls zum Thema: «Mobilität 2030 – Das schnelle Ende der Strasse, wie wir sie kennen.» Er zeichnete ein Bild der Zukunft, in der ein Auto nicht mehr durchschnittlich von 1,1 Personen genutzt wird – während bloss einer Stunde pro Tag. Die Digitalisierung werde eine hocheffiziente Mobilität fördern.

Sauter sprach von Autoherstellern, die nicht mehr bloss Fahrzeuge verkaufen, sondern sich als Dienstleister etablieren würden. Sie würden Plattformen schaffen, die verschiedene Verkehrsmittel vernetzen und dem Kunden ermöglichen würden, per Knopfdruck den im Moment günstigsten Sitz zu buchen – ob im Bus, im Taxi, im Zug oder im Auto. Die Digitalisierung werde dem Autoteilet und Mitfahrsystemen Auftrieb verleihen, sagte Sauter weiter. Und dass selbstfahrende Fahrzeuge das Strassenbild verändern werden, steht für ihn ohnehin ausser Frage.

«Langfristig hoffnungslos»

«Es wird eine rasante Revolution geben», ist Sauter überzeugt. Auf die Frage aus dem Publikum, ob die Verkehrssanierung also gar nicht nötig sei, sagte der Mobilitätsforscher: «Neue Infrastruktur löst kein Problem für die Zukunft.» Projekte wie die neue Zufahrt bezeichnete er als «lang­fristig hoffnungslos». Sie würden bloss mehr Verkehr anziehen.

Jürgen Seeber widersprach nicht. Man könne sich tatsächlich überlegen, ob es richtig sei, eine Strasse auf eine Verkehrslast auszulegen, die pro Tag für zwei bis vier Stunden anhalte. Dass die von Sauter ausgemalte Revolution eintreffen wird, bezweifelte Seeber nicht. «Aber niemand weiss, wann sie kommt.»

Im ländlichen Raum werde es länger dauern, bis sich die neuen Technologien durchsetzen würden, als in der Stadt, räumte Thomas Sauter ein. Weil Reisen dank der neuen Möglichkeiten billiger werde, könne es auch sein, dass die Mobilität gar zunehme. Jürg Ro­thenbühler machte als Präsident der Regionalkonferenz nicht den Eindruck, als wollte er die Pläne für die Verkehrssanierung nun sofort stoppen lassen. Er sagte: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in den nächsten zwanzig bis dreissig Jahren weniger Verkehr haben werden.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.06.2018, 08:39 Uhr

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