Biglen

Ein Fest unter dem Friedensbaum

BiglenVor hundert Jahren ging der Erste Weltkrieg zu Ende. In der Gemeinde wird dies mit einem Fest auf dem Enetbachberg gefeiert, wo nach dem Krieg eine Friedenslinde gepflanzt wurde.

Die  Friedenslinde auf dem Enetbachberg wurde nach dem Ersten Weltkrieg gepflanzt.

Die Friedenslinde auf dem Enetbachberg wurde nach dem Ersten Weltkrieg gepflanzt. Bild: Raphael Moser

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Biglen 1914. Die Spichiger und Cie. Eisenmöbelfabrik kämpft mit den Folgen des Kriegsausbruchs: Es mangelt an Material, der Absatz verläuft schleppend. Später, während an der Westfront die Truppen der Entente und der Mittelmächte in einem Stellungskrieg verharrten, nimmt die Produktion in Biglen an Fahrt auf: Es wird fürs Ausland und für die Armee produziert.

Ein «hektischer Aufschwung», wie es 1954 in der Chronik zum 50-Jahr-Jubiläum der Firma heisst, die längst als Bigla bekannt ist.Biglen 2018. Matthias Keller ist über ebendiese Chronik gebeugt. Auf dem Tisch vor ihm liegen ­weitere Quellen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Der pensionierte Lehrer hat das Archiv der Gemeinde durchforstet, um der Geschichte der Friedenslinde auf den Grund zu gehen. Diese hatte der Verkehrs- und Verschönerungsverein zum Kriegsende gepflanzt. Am Sonntag, rund hundert Jahre später, feiert die Gemeinde unter der Linde ein Fest.

Der Heimatschutz schlägt vor

Im Herbst 1918 vereinbarte die Entente einen Waffenstillstand mit dem Deutschen Reich – die Hoffnung auf einen baldigen Frieden keimte auf. Im Magazin des Schweizerischen Heimatschutzes war zu lesen: «Wie könnte der Heimatschutz den Friedensschluss feiern?» Glockengeläut, Volksversammlungen, Bankette reichten allein nicht aus, schrieb der Autor. Sein Vorschlag: Friedensbäume pflanzen – das sei würdig und ohne grosse Ausgaben verbunden.

Matthias Keller klettert über eine Tanne. Seit Burglind liegt sie quer über einem Waldweg, der zur Friedenslinde führt. Von Matthias Kellers Haus ist es nicht weit dahin.

«Es ist ein schöner Brauch, zu einem bestimmten Ereignis einen Baum zu pflanzen», sagt er. Besonders nach einem Krieg. Denn ein Baum sorge dafür, dass man sich wohl fühle. Es entstehe ein Ort, wo sich die Menschen treffen, Tränen getrocknet werden, Paare ihre ersten Küsse austauschen. Er nimmt ein herz­förmiges Lindenblatt. «Die Linde ist auch der Baum der Liebe, der Verbundenheit.»

Die Gemeinde pflanzt

Im Hinblick auf den Versailler Friedensvertrag griffen kantonale Sektionen des Heimatschutzes die Idee auf, Bäume zu pflanzen. Die Berner Woche berichtete damals: «Es ist zu hoffen, dass der verdienstvollen Anregung viele Gemeinden folgen. Wie viele aussichtsreiche Hügelstellen würden durch solch einen Friedensbaum zu einem Orte stiller Beschaulichkeit und wehmutvoller Erinnerung geweiht!»

Zu diesem Ort erkor Biglen den Enetbachberg. «Der Rat beschliesst den Abschluss eines Dienstbarkeitsvertrags über die Aufstellung der Friedenslinde im Grundstücke der Herren Gebrüder Gerber», heisst es im Protokoll einer Gemeinderatssitzung. Eine Dienstbarkeit, die bis heute besteht, wie Matthias Keller herausgefunden hat.

Der Baum ermahnt

Er hat zudem Hinweise entdeckt, dass der Verkehrsverein auch in Arni eine Friedenslinde gepflanzt hat. Ebenfalls Hasle und Kirchberg pflanzten Friedensbäume. Das Beispiel Kirchberg zeigt, dass dies nicht nur eine Erscheinung aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war.

Denn bereits 1712 pflanzte Pfarrer Anton Franck vier Linden zum Andenken an den Frieden nach dem Sieg von Villmergen. In Bern, Bolligen, Langenthal und vielen anderen Gemeinden wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Friedensbäume gepflanzt.

Ob 1712, 1918 oder 1945 – das Motiv blieb dasselbe. Spätere ­Generationen, in «friedsameren Zeiten», sollten an die Schrecken des Krieges erinnert werden, wie es bereits der Heimatschutz in seinen Aufrufen schrieb.

«Die Heimatschützer waren damals wohl etwas blauäugig», sagt Matthias Keller. Denn wie man heute sehe, seien die Zeiten nicht friedlicher geworden. Die Menschen müssten sich grundsätzlich ändern, denn Frieden sei nicht bloss die Abwesenheit von Krieg.

Fest: Sonntag, 12.8., 10 Uhr Feldgottesdienst bei der Linde, anschliessend Musik und Verpflegung.

Infos unter www.biglen.ch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.08.2018, 08:58 Uhr

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