Langnau

Ein Emmentaler will die Radiopredigt retten

LangnauWeil die finanziellen Mittel fehlten, wurde die Sonntagspredigt auf Radio Tell, Heimatklang der Schweiz, eingestellt. Jetzt will ein Privatmann die kirchlichen Sendungen retten und die dazu nötigen Finanzen auftreiben.

Herber Verlust: Mit der Predigt verliert der Onlinesender Radio Tell eine seiner Ankersendungen – und wichtige Einkünfte.

Herber Verlust: Mit der Predigt verliert der Onlinesender Radio Tell eine seiner Ankersendungen – und wichtige Einkünfte. Bild: Thomas Peter

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«Es kann doch nicht sein, dass die Sonntagspredigt definitiv vom Radio verschwindet», sagt Stephan Trachsel, 48-jähriger Informatiker aus Lützelflüh-Goldbach. Der Familienvater hat keine Freude daran, dass am vergangenen 2.August die Sonntagsbesinnung zum letzten Mal vom Internetsender Radio Tell, Heimatklang der Schweiz, ausgestrahlt wurde.

Die kirchlichen Sendungen, die von Pfarrleuten aus dem Emmental mitgestaltet wurden, waren seit etwas mehr als einem Jahr fester Bestandteil im Programm des auf Volksmusik ausgerichteten Radiosenders. Wenn vor dem Wunschkonzert «Buurezmorge» am Sonntagvormittag eine Predigt gelesen wurde, klickten sich bis zu 25000 Hörerinnen und Hörer ein. Stephan Trachsel hat deshalb kurzerhand eine Rettungsaktion gestartet.

«Als Privatperson», betont der aktive Christ. Rund 40000 Franken will der Informatiker zusammenbringen. Dazu hat er vergangene Woche 65 Briefe an Landes- und Freikirchen, kirchliche Institutionen sowie Alters- und Pflegeheime im Emmental verschickt. «Aus Erfahrung weiss ich, in welchen Kreisen die Sonntagspredigt jeweils gehört wurde, deshalb klopfe ich mit meiner Aktion auch dort an», erklärt Trachsel und hofft, mit einem Informationsabend morgen Donnerstag weitere Interessierte ins Boot zu holen.

Es fehlten die Mittel

Eingestellt wurde die Sonntagspredigt auf Radio Tell, Heimatklang der Schweiz, weil der Verein Kirche im Privatradio (Kipra) die dazu erforderlichen finanziellen Mittel nicht mehr generieren konnte. «Uns fehlten rund 20000 Franken», sagt Vereinspräsident Samuel Burger, der in Konolfingen als Pfarrer amtet. Rund 55 000 Franken betrug das Jahresbudget für das Produzieren und Senden der Predigten.

Den grössten Beitrag, gegen 35000 Franken, leisteten die Reformierten Kirchen Bern- Jura-Solothurn. Trotz vielen Anstrengungen sei es nicht gelungen, den Fehlbetrag anderweitig aufzutreiben. «Weil das Internetradio eigentlich weltweit gehört werden kann, suchten wir auch ausserhalb der Berner Kirchen in Kirchenkreisen nach Geldgebern, haben aber auf Granit gebissen», so der Vereinspräsident.

Und weiter: «Wir haben gemacht, was wir konnten.» Sollte es Stephan Trachsel tatsächlich gelingen, mit seiner Aktion die nötigen 40000 Franken aufzubringen, sei das Senden der Sonntagspredigt ab Herbst wieder möglich und bis Ende 2016 gesichert. «Wenns nicht klappt, ist dann wohl definitiv Schluss», meint Samuel Burger.

Entscheid trifft Sender hart

«Mit der aktuellen Situation wird unsere Lebensader dünner», sagt Alexander Dal Farra, Geschäftsführer und Programmleiter von Radio Tell, Heimatklang der Schweiz. Der CEO der Firma dmd2, die seit der Fusion des ehemaligen Langnauer Volksmusikradios Heimatklang mit Radio Tell Anfang 2015 den Sender in Kehrsatz betreibt, zeigt sich enttäuscht.

Zumal mit dem Verein Kipra eine langfristige Leistungsvereinbarung getroffen worden sei. Mit dem Wegfall der finanziellen Einkünfte aus der Ausstrahlung der Sonntagspredigt breche eine wichtige Einnahmequelle für den Sender weg.

Mangels Sponsoren bleibe den Radiomachern noch eine einzige Geldquelle für den Sendebetrieb. Gemeint ist der Verein Heimatklang. Dieser wurde dereinst von der Heimatklang Radio AG, dem Nachfolgesender von Neo2 (siehe Infobox), ins Leben gerufen, um dem Sender auf die Beine zu helfen. Mittlerweile ist der Verein Heimatklang wichtiger Träger von Radio Tell, Heimatklang der Schweiz.

So hat der Verein mit seinen rund 1300 Mitgliedern im vergangenen Jahr etwa 44000 Franken an den Radiobetrieb beigesteuert. «Wir haben auf das Absetzen der Predigt einige Reaktionen erhalten», erläutert Daniel Guggisberg, Pfarrer in Därstetten und Präsident des Vereins Heimatklang. «Die finanzielle Lücke, welche die Kipra hinterlässt, können wir leider nicht füllen», erklärt der Präsident.

Für Programmleiter Alexander Dal Farra ist indes klar: «Solange die Idee lebt, den Sender zu unterstützen, wird es uns auch noch geben.»

Sponsoringaktion für die Sonntagspredigt auf Radio Tell, Heimatklang der Schweiz: Informationsanlass, Donnerstag, 20.August, 20 Uhr, im Evangelischen Gemeinschaftswerk in Rüegsauschachen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 18.08.2015, 17:42 Uhr

Infobox

Die Heimatklang Radio AG mit Sitz in Langnau hat beim Konkursamt Emmental-Oberaargau ihre Bilanz deponiert. Es bleibt offen, wie es weitergeht. Die Sonntagspredigt auf Radio Tell, Heimatklang der Schweiz, geht auf die Zeit vom einstigen Radio Emme zurück.

Mit dessen Neuausrichtung 2008 zu Radio Neo wurde die Sonntagspredigt gemeinsam mit der Sparte Volksmusik in Neo2 überführt. Neo2 konnte sich nicht halten und wurde später zu Radio Heimatklang. Der Sender fusionierte Anfang Jahr mit Radio Tell.

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