Ein Deutscher findet eine Schweizer Lok in Südamerika

Burgdorf/Erlangen

Wie kommt eine Lokomotive aus dem Emmental nach Paraguay? Auf einer Briefmarke. Dies belegt der Fund von Sammler Günther Klebes aus Deutschland.

Weit gereist: Die Emmentaler Lok auf einer Briefmarke aus Paraguay.

Weit gereist: Die Emmentaler Lok auf einer Briefmarke aus Paraguay.

(Bild: zvg)

Eisenbahnfreund Günther Klebes aus dem fränkischen Erlangen ist Sammler – er trägt beinahe alles zusammen, was irgendwie mit der Eisenbahn zu tun hat. Kürzlich ersteigerte er eine Briefmarke, auf der eine Lokomotive der BTB – der ehemaligen Burgdorf-Thun-Bahn – abgebildet ist.

Nun gut, könnte man meinen, das muss noch nichts Spezielles sein. Klebes Marke wurde aber nicht etwa in der Schweiz zum Briefefrankieren verwendet, sondern in Südamerika.«Bei meiner Suche nach neuen Marken stiess ich kürzlich bei einer luxemburgischen Internetauktion auf einen Briefmarkensatz mit neun Marken aus dem südamerikanischen Staat Paraguay», schreibt der Sammler.

Auf einer Marke ist die Lokomotive aus dem Emmental abgebildet, die anderen zeigen Loks und Züge aus Deutschland, Frankreich, Japan sowie den Niederlanden. Klebes bot als Einziger und ersteigerte die Marken für knapp drei Euro. Erschienen seien die Sammlerstücke vor 37 Jahren anlässlich des Eisenbahnjubiläums «100 Jahre elektrische Eisenbahn», weiss er.

Die Geschichte dahinter

Günther Klebes sammelt nicht nur, er beschäftigt sich auch mit den Geschichten hinter seinen Schätzen. So schreibt er weiter: «Bekanntlich wurde am 19. Juli 1899 die erste Drehstrom-Vollbahnstrecke Europas auf der BTB eröffnet. Die zwei von den Firmen Gebr. Sulzer AG und Brown, Boverie & Co. gebauten Güterzuglokomotiven mit der Achs­anordnung B stellten die ersten elektrischen Vollbahnlokomotiven Europas dar.»

Das Dienstgewicht betrug 31 Tonnen. Die Lokomotiven leisteten bis ins Jahr 1933 Streckendienst und legten in dieser Zeit etwa 600'000 Kilometer zurück. Heute steht die eine Lokomotive im Deutschen Museum in München, die andere im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern.

Keine echten Loks

Der 67-jährige Günther Klebes sammelt nach eigenem Bekunden begeistert «alles, was mit der Bahn zu tun hat – ausser echten Lokomotiven». Bei ihm zu Hause stehen Modelle und historische Uniformmützen (die sogenannten Rotkäppchen) neben zahllosen selbst gemachten Fotos und Alben voller Telefonkarten und Briefmarken.

Daneben arbeitete der Schulbusfahrer und dreifache Vater ehrenamtlich bei der Bahnhofmission, als Hobby nennt er «Bahn fahren».

Wer nun denkt, Günther Klebes sei mit seiner Sammellust für Bahnbriefmarken ein Einzelfall, liegt weit daneben: «Es gibt sogar spezielle Ausstellungen für Eisenbahn-Philatelisten», erklärt er.

gk/we

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