Ein Brunnen für das Buffet

Langnau

Wenn sein Vater Hans unterwegs war, übernahm Christian Herrmann die Arbeit in der Langnauer Hafnerwerkstatt.

In loser Folge stellt Andreas Heege Menschen und Gegenstände aus der Geschichte der Langnauer Keramik vor.

In loser Folge stellt Andreas Heege Menschen und Gegenstände aus der Geschichte der Langnauer Keramik vor.

Unter den Keramiken im Langnauer Stil stechen einzelne Produkte besonders hervor. Sie lassen sich unter anderem mit Hans Herrmann, dem Weibel (1673–1762), und der Werkstatt Sonnweg 15 verbinden. In Hans Herrmanns Anfangsjahre fällt die «Erfindung» des Langnauer Stils. Dieser lässt sich dann mit unterschiedlichen Entwicklungsschritten bis in die 1860er-Jahre verfolgen.

Vielfältige Aufgaben

Hans Herrmann erfüllte vielfäl­tige Aufgaben in der staatlichen Verwaltung und beim Ortsgericht. Sein Sohn Christian (1703–1771) vertrat ihn während seiner Abwesenheiten. Er war ­daher in der Zeit zwischen etwa 1725 und 1750 der wichtigste Langnauer Hafner.

Christian Herrmann setzte auch Kachelöfen, wie sein Vater und Grossvater. Seine qualitätsvollen Keramiken sind durch zahlreiche Auflagen charakterisiert. So fertigte er etwa den ältesten erhaltenen Wandbrunnen für ein Stuben­buffet aus dem Jahr 1726.

Dieser Wandbrunnen entstand im Jahr 1726. Er ist im Langnauer Stil gehalten, mit zahlreichen Reliefauflagen. Bild: Musée Ariana Genf/Andreas Heege

Moralisch-religiöse Sprüche

Seine schönen Teller zierten die Stubenwände der grossen Bauernhöfe des Emmentals. Neben einem meist stark stilisierten Blumenbouquet waren sie oft mit moralisch-religiösen Sprüchen versehen. Auf einem Teller von 1746 liest man: «Wenn wir Amen sprechen, möchte mir mein Herz verbrechen, was ich bitten in Jesus Namen, gibt mir mein Liebster himmlisch Vater, Amen.»

Ein Teller von 1750 verkündet: «Ich leb, weiss nicht, wie lang, und sterbe, weiss nicht wann, ich fahre, weiss nicht wohin, mich verwundert, dass ich mag fröhlich sein; Gott allein die Ehr.»

Mehr über Langnauer Keramik lesen? Am 20. September ­erscheint sein zweibändiges Buch, das er in Zusammenarbeit mit An­dreas Kistler verfasst hat.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt