Drei Tage Ausnahmezustand

Langnau

In drei Monaten findet in Langnau das Verbandsturnfest statt. Das Organisationskomitee um Präsident Paul Zürcher leistet unzählige Stunden, um die nötige Infrastruktur ­bereitzustellen.

Die Sportanlage im Oberfeld wird ein wichtiger Bestandteil des Turnfestes sein. Paul Zürcher engagiert sich für den Anlass, weil ihm der Sport seit Kindertagen viel bedeutet.

(Bild: Marcel Bieri)

Diesen Sommer werden 4310 Turnerinnen und Turner aus der ganzen Schweiz nach Langnau reisen. Zusammen mit den Zuschauern wird die Personenzahl im Dorf damit für drei Tage verdoppelt. Der Turnverein Langnau holt das Turnverbandsfest nach über zwanzig Jahren wieder ins obere Emmental. «Im Unterschied zu einigen anderen Festen wird das Turnfest vom 29. Juni bis 1. Juli im Dorf und am Dorfrand stattfinden», sagt OK-Präsident Paul Zürcher. Ausgangspunkt ist das Ilfisstadion. Dort befindet sich die Anmeldezentrale für Turner und Helfer. «Es ist der Wettkampfmittelpunkt.»

Ein Gewinn für das ganze Dorf

Da mindestens 2000 Personen mit dem Zug nach Langnau reisen würden, sei der Standort nahe am Bahnhof gut gelegen. Doch auch für die zu erwartenden Autos hat das OK vorgesorgt: Nebst den gewohnten Parkplätzen im Dorf werden unter anderem Einstellhallen und ein grosser Parkplatz in der Ey zur Ver­fügung stehen. Das Feld in der Ey wird zudem etwa 1800 Personen und deren Zelte beherbergen. Daneben werden bis zu 1200 weitere Personen in Langnau übernachten und sich in Turnhallen, Schulhäusern, Zivilschutzanlagen oder im Kirchgemeindehaus einquartieren.

«Das grösste Risiko birgt für uns das Wetter – sowohl organisatorisch als auch finanziell», so Zürcher. Bei Regenwetter oder niedrigen Temperaturen würden wahrscheinlich weniger Menschen das Fest besuchen. Und nebst Mindereinnahmen bei der Festwirtschaft wären auch Landschäden auf dem Parkplatz in der Ey möglich. «Ich bin aber überzeugt, dass wir unser Budget von 682'000 Franken einhalten können und sogar ein Gewinn her­ausschauen wird», sagt der OK-Präsident. So soll den initiierenden Turnvereinen Langnau und Bärau ein Zuschuss in die Vereinskassen verschafft werden. Und auch die Läden und Restaurants im Dorf sollen von den Besuchern profitieren. «Die Bäckereien und Läden werden wahrscheinlich noch ein bisschen ­erschrecken», sagt Zürcher hinsichtlich der erwarteten Menschenmenge.

Zürcher selbst ist zusätzlich für das Ressort Sicherheit zuständig. «Wir haben ein 57-seitiges Sicherheitskonzept erarbeitet.» Darin sind unter anderem Notausgänge, Rettungswege und Teilstrassensperren definiert. Schon bis fünfhundert Stunden Arbeit hat Zürcher, der Vollzeit arbeitet, bereits in das Turnfest investiert. «Ich bin im Aussendienst einer Beratungsfirma für Reinigungen tätig und kann meine Arbeitszeit deshalb relativ ­flexibel einteilen.» Manches Telefongespräch führt er via Fernsprechanlage unterwegs im Auto.

Doch manchmal muss er auch am Samstagvormittag seine Pendenzen aufarbeiten. «Schlaflose Nächte habe ich aber nie.» Mentales, autogenes Training, das er im Rahmen einer Ausbildung zum Kadertrainer absolvierte, helfe ihm dabei, ruhig zu bleiben. «Ich bin allgemein ein ruhiger Mensch. Meine Frau hat mir schon oft gesagt, ich solle meinem Ärger einmal freien Lauf lassen», sagt Zürcher lächelnd. Doch er kennt sich und seine Grenzen gut: Als feststand, dass er das OK des Verbandsturnfestes leiten wird, trat er vor zweieinhalb Jahren aus dem Grossen Gemeinderat zurück.

Eine Herzensangelegenheit

«Die Legislatur hätte noch zwei Jahre gedauert, und ich hätte wahrscheinlich auch wieder kandidiert, aber ich wollte mir Platz schaffen für das, was ich liebe.» Denn der sportliche Emmentaler ist seit Kindstagen im Turnverein aktiv: zuerst in Trubschachen und Trub und seit 2004 in Langnau, wo er schon seit über drei Jahrzehnten wohnt. «Ein OK-Präsident, der nicht fit ist, bringt dem Verein nichts», bemerkt Zürcher. Auch am Turnfest in Langnau will er aktiv teilnehmen. Eine Lieblingsdisziplin hat er aber nicht. «Turnen ist ein Breitensport, wir spezialisieren uns nicht auf eine bestimmte Disziplin.» Ein Turnverein könne Sprints hinlegen und am Abend auf dem Festhüttentisch eine menschliche Pyramide bilden.

Möglichst viele Punkte

Und so sind auch die Mitglieder der 185 angemeldeten Turnvereine vielseitig: Frauen und Männer treten in gemischten Gruppen in vier Alterskategorien gegeneinander an. «Ziel ist es, möglichst viele Punkte für den Verein zu sammeln», erklärt Zürcher. Die Disziplinen reichen von Bodenturnen über Grossfeldgymnastik und Kugelstossen bis zur Pendelstafette. «Alle Wettkampfschauplätze sind vom Bahnhof aus zu Fuss erreichbar und für Zuschauer ohne Eintritt zugänglich», sagt Zürcher.

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